Swiss League
HC Thurgau schafft schier Unmögliches: Das sind die Gewinner und Verlierer nach 46 Runden

Die Swiss League als Ganzes gehört nach Abschluss der Qualifikation 2020/21 ebenso zu den Siegern wie der HC Thurgau. Doch nicht überall ist die Freude gleich gross.

Matthias Hafen
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Grosse Emotionen: Patrick Spannring und der HC Thurgau mussten in den vergangenen Monaten einiges durchstehen.

Grosse Emotionen: Patrick Spannring und der HC Thurgau mussten in den vergangenen Monaten einiges durchstehen.

Claudio Thoma/Freshfocus (8. Februar 2021)

Die Swiss-League-Saison 2020/21 wird in erster Linie als Coronasaison in die Geschichte eingehen. Doch wie in anderen Jahren gab es auch diesmal Gewinner und Verlierer.

Die Gewinner

Swiss League: Die zweithöchste Schweizer Liga bot in 46 Runden beste Unterhaltung. Der Kampf um den Qualifikationssieg zwischen Kloten und Ajoie wurde erst in der letzten Runde entschieden. Der neu eingeführte Modus mit dem Pre-Playoff involvierte zudem vier Teams (Thurgau, Olten, Visp, La Chaux-de-Fonds) wochenlang in einen hochspannenden Strichkampf um Platz sechs, der ebenfalls erst ganz am Schluss entschieden wurde. Dies in einer Liga, in der die Top8 oft schon frühzeitig feststeht.

HC Thurgau: In einer Saison, die alleine aufgrund von Corona schon kompliziert genug ist, werden die Ostschweizer monatelang vom Verletzungspech verfolgt, müssen vom ersten bis fast letzten Spiel auf Ausländer und zahlreiche andere Schlüsselspieler verzichten. Mit diesen Voraussetzungen die direkte Playoff-Qualifikation zu schaffen, ist eine grossartige Teamleistung und alles andere selbstverständlich. Die Wertschätzung dafür ging manchmal in der Tatsache unter, dass die Thurgauer eine frühzeitige Qualifikation mehrmals selber vergaben. Doch heisst das nur, dass fürs Playoff gegen Langenthal noch Luft nach oben ist.

Livestream-Enthusiasten: Als feststand, dass keine Zuschauer mehr in die Stadien durften, fanden sich in allen Swiss-League-Stadien Streaming-Amateure, die teils alleine und teils in Zusammenarbeit mit dem TV-Sender MySports eine Liveübertragung ihrer Spiele ermöglichten – Kommentar inklusive. Dies alles für die Saisonkarteninhaber, die draussen bleiben mussten. Die Qualität der Streams schwankt innerhalb der Liga sehr. Doch die Alternative wäre eine Mattscheibe.

Sébastien Reuille und die Ticino Rockets: Das Farmteam aus dem Tessin ist für viele ein rotes Tuch. In Biasca fanden sich schon vor Corona kaum Zuschauern ein und als «Diener» von gleich vier NLA-Teams (Ambri, Lugano, Davos, Lausanne) können die Rockets gar keine Seele haben, so der Vorwurf. Doch Sportchef Sébastien Reuille weibelte neben dem Eis wie ein Wilder, um die Daseinsberechtigung der Rockets in der Swiss League darzulegen. Währenddessen spielte sein Team die sportlich beste Qualifikation seit der Premiere im Jahr 2016. Die Raketen aus dem Tessin bezwangen nicht nur Qualisieger Kloten dreimal, sie entschieden in den letzten Runden mit Siegen gegen Visp und La Chaux-de-Fonds auch den Strichkampf um Platz sechs mit. Der Lohn: Ein Pre-Playoff gegen den EHC Visp, das alles andere als schon entschieden ist.

Die Verlierer

Corona: Das Virus brachte den Ligabetrieb gehörig durcheinander, stellte den Spielplan wegen zahlreicher Kollektivquarantänen teils auf den Kopf. Doch die Show ging immer weiter – für Teams wie Ajoie und Thurgau über längere Zeit mit der höchstmöglichen Belastung. Zuletzt war der Spielbetrieb wieder so ungestört, dass man sich sogar ein gewohntes, reguläres Playoff vorstellen kann.

Zuschauer: Praktisch eine ganze Saison lang sind die Fans schon aus den Stadien gesperrt. Das ist hart. Sehr hart. Zumal die Swiss League 2020/21 einen überdurchschnittlich spannenden Qualifikationsverlauf bot. Die Livestreams sind für die Tausenden von Anhängern höchstens ein gut gemeintes Trostpflaster. Doch sie können einen Stadionbesuch in keiner Weise ersetzen. Und mit den Zuschauern fehlt nicht nur die Stimmung im Schoren, dem Schluefweg, der Voyeboeuf oder der Güttingersreuti. Die Zuschauer sind die Seele des Eishockeysports auf diesem Niveau. Das dürfte in dieser Saison allen klar geworden sein.

Fabio Arnold und der EHC Winterthur: Der Derby-Gegner des HC Thurgau kommt in der Swiss League nicht vom Fleck und ist der neue Inbegriff des Punktelieferanten. Winterthur mag neuerdings nicht einmal mehr mit den Farmteams mithalten. Dass sich so talentierte Spieler wie Fabio Arnold trotzdem für diesen Klub entscheiden, ist nur schwer zu verstehen. Der 1,90 Meter grosse und 94 Kilogramm schwere Stürmer könnte die Swiss League rocken. Doch dafür sollte Arnold bei einem Team wie dem HC Thurgau mittun.

Joel Scheidegger spielt 5400 Franken für den HCT-Nachwuchs ein

Postfinance-Topskorer 2020/21
Jonathan Hazen (Ajoie) 16’200 Franken
Guillaume Asselin (Sierre) 13’200 Franken
Eric Faille (Kloten) 12’400 Franken
Garry Nunn (Olten) 11’800 Franken
Timothy Coffman (Chaux-de-Fonds) 10’600 Franken
Eero Elo (Langenthal) 10’200 Franken
Riley Brace (Winterthur) 10’000 Franken
Ryan Hayes (GCK Lions) 8400 Franken
Mark Van Guilder (Visp) 7200 Franken
Joel Scheidegger (Thurgau) 5400 Franken
Loic Vedova (Ticino Rockets) 5200 Franken
Dario Allenspach (EVZ Academy) 4200 Franken

Insgesamt wurden in den 46 Qualifikationsrunden 114’800 Franken zugunsten des Nachwuchses der Klubs eingespielt.

HCT-Topskorer der vergangenen Jahre. 19/20: Melvin Merola (6000 Franken). 18/19: Cody Wydo (9400). 17/18: Jaedon Descheneau (10’000). 16/17: Eric Arnold (4200). 15/16: Derek Damon (3600). 14/15: Derek Damon (3600). 13/14: Derek Damon (6000). 12/13: Devin Muller (1900). 11/12: Brian Maloney (2600). 10/11: Greg Day (3000).