Swiss League
Einen ganzen Kanton stolz gemacht: Der HC Thurgau scheidet im Playoff-Halbfinal aus und erhält minutenlang Ovationen

Im sechsten Halbfinalspiel fordert der HC Thurgau dem EHC Kloten nochmals alles ab, verliert am Ende aber 2:3. Drei Gegentore im Startdrittel entpuppen sich als zu grosse Hypothek. Damit ist das Ende einer denkwürdigen Saison für den HCT besiegelt.

Matthias Hafen
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Die HCT-Spieler umarmen sich nach dem Ende dieser denkwürdigen Saison und werden vom Publikum gefeiert.

Die HCT-Spieler umarmen sich nach dem Ende dieser denkwürdigen Saison und werden vom Publikum gefeiert.

Bild: Mario Gaccioli

Am Ende konnten alle irgendwie zufrieden sein. Der EHC Kloten erreichte mit dem 3:2-Auswärtssieg im sechsten Halbfinalspiel gegen den HC Thurgau den ersehnten Playoff-Final und kann nun in einem weiteren Best-of-seven gegen den EHC Olten um den Aufstieg in die National League spielen. Die Bühne in der Weinfelder Güttingersreuti gehörte am Donnerstagabend aber noch einmal dem HC Thurgau, der den grossen Favoriten aus der Flughafenstadt erneut an den Rand einer Niederlage drängte, bis zur letzten Sekunde um den 3:3-Ausgleich kämpfte und am Ende trotz des Playoff-Ausscheidens mit Ovationen der rund 2800 Zuschauerinnen und Zuschauer gefeiert wurde.

Das grossartige Heimpublikum setzte schon kurz nach der Schlusssirene zum Applaus an. Und noch eine halbe Stunde nach Spielschluss feierten die Fans ihre Mannschaft, dankten so für eine denkwürdige Saison. Die erfolgreichste seit der Gründung des HCT im Jahr 1989.

Die Enttäuschung ist den Spielern noch ins Gesicht geschrieben, als sie sich unmittelbar nach Spielende beim Publikum für den Support bedanken.

Die Enttäuschung ist den Spielern noch ins Gesicht geschrieben, als sie sich unmittelbar nach Spielende beim Publikum für den Support bedanken.

Bild: Mario Gaccioli

Die Mannschaft glaubte wirklich an den Coup

Gut möglich, dass die Thurgauer Spieler, der Trainerstab mit dem scheidenden Headcoach Stephan Mair, Beni Winkler und Karl Malmquist sowie der ganze Betreuerstab erst nach ein paarmal Durchschnaufen oder gar ein paarmal Schlafen realisieren, was sie in den vergangenen Wochen und Monaten geleistet, erreicht und ausgelöst haben. Denn nach der 2:3-Niederlage gegen Kloten und dem 2:4-Ausscheiden im Playoff-Halbfinal lag auch Enttäuschung in der Luft.

Verständlicherweise, weil die Mannschaft wirklich daran glaubte, Kloten im Playoff-Halbfinal das Bein stellen zu können. Und die Mannen um Topskorer und Zugpferd Jonathan Ang waren noch einmal ganz nahe dran, steckten selbst nach dem 1:3-Rückstand nach 20 Minuten nicht auf. Zu viele Fehler in der Defensive hatten zu dieser Hypothek geführt, die sich am Ende als zu gross herausstellte.

Wer weiss, wie gross die albtraumhafte Vorbereitung auf dieses so wichtige Spiel Einfluss darauf hatte. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte es technische Probleme mit der Kältepumpe in der Eishalle Güttingersreuti gegeben. Das übliche Warm-up am Morgen des Spieltags mussten der HCT wegen des zu warmen Eises ausfallen lassen. Die Verletzungsgefahr wäre zu gross gewesen. Für kurze Zeit stand sogar eine Verschiebung der Partie im Raum – bis am Mittag die Entwarnung kam, angeblich eine Lösung mit der angrenzenden Curlinghalle gefunden worden war.

Seine Spieler sind völlig verausgabt, doch Trainer Stephan Mair versucht mit einem Time-out in den Schlussminuten noch einmal alles, um zum Ausgleich zu kommen.

Seine Spieler sind völlig verausgabt, doch Trainer Stephan Mair versucht mit einem Time-out in den Schlussminuten noch einmal alles, um zum Ausgleich zu kommen.

Bild: Mario Gaccioli

Ian Derungs erzielt nochmals ein Traumtor

Doch der HC Thurgau brauchte auch für das sechste Halbfinalspiel keine Ausreden – wie schon die ganze Saison nicht. Kloten war spielerisch schlicht überlegen, stiess mit seinem qualitativ beeindruckenden Kader am Ende verdient in den Final vor. Doch die Thurgauer setzten bis zuletzt Nadelstiche. Ian Derungs’ Ausgleich zum 1:1 war einer (10.). Mit dem Powerplay-Treffer in die minimal kleine Lücke zwischen der Schulter von Kloten-Goalie Tim Wolf und dem Lattenkreuz zeigte Thurgaus Rekordtorschütze, dass er die schönsten Tore der Swiss League erzielt, bevor er wahrscheinlich Richtung HC Ajoie in die National League weiterzieht.

Und wer sonst als Jonathan Ang hätte den 2:3-Anschlusstreffer erzielen können. Der nimmermüde Kanadier verwertete in Überzahl eine herrliche Vorarbeit von Will Pelletier und Derungs (32.). Aber auch Dominic Binias und Jan Petrig mit Grosschancen sowie alle anderen verausgabten sich für eine Mannschaft, die ihresgleichen sucht. Allein der Ausgleich gegen die übermächtigen Klotener wollte nicht mehr fallen. Die Euphorie, die der HC Thurgau in dieser Saison entfacht hat, hallte am Donnerstag dennoch weit in die Nacht hinein.

Klotens Niki Altorfer bejubelt das 2:1 der Gäste: Die Qualität im Kader der Zürcher war für den HC Thurgau trotz grösstem Einsatz nicht zu überwinden.

Klotens Niki Altorfer bejubelt das 2:1 der Gäste: Die Qualität im Kader der Zürcher war für den HC Thurgau trotz grösstem Einsatz nicht zu überwinden.

Bild: Mario Gaccioli

Thurgau – Kloten 2:3 (1:3, 1:0, 0:0)

Güttingersreuti, Weinfelden – 2711 Zuschauer – SR Piechaczek (GER)/Dipietro, Micheli/Bichsel.
Tore: 3. Marchon (Faille/Ausschluss Ang) 0:1. 10. Derungs (Rundqvist, Ang/Ausschluss Seiler) 1:1. 13. Nodari (Altorfer, Meyer) 1:2. 19. Marchon (Figren) 1:3. 32. Ang (Pelletier, Derungs/Ausschluss Randegger) 2:3.
Strafen: je 4-mal 2 Minuten.
Thurgau: Luis Janett; Rundqvist, Kühni; Moor, Parati; Törmänen, Forrer; Schmutz; Derungs, Pelletier, Ang; Petrig, Hobi, Spannring; Baumann, Hollenstein, Woger; Ramsauer, Jolliet, Binias; Salamin.
Kloten: Wolf; Kindschi, Ganz; Seiler, Nodari; Randegger, Reinbacher; Dostoinov, Gähler; Marchon, Faille, Figren; Michael Loosli, Kellenberger, Spiller; Altorfer, Lindemann, Meyer; Melnalksnis, Ness, Obrist.
Bemerkungen: Thurgau ohne Lehmann, Palmberg/SWE, Soracreppa, Fechtig, Fritsche, Janik Loosli (alle verletzt), Senn, Meier und Azevedo (alle überzählig). Kloten ohne Rouiller, Steiner, Simek, Schreiber (alle verletzt), Füglister, Stämpfli, Hinterkircher, Knellwolf, Bartholet, Gian Janett, Ramel und Claireaux (alle überzählig). – Thurgau von 58:53 bis 59:58 mit sechstem Feldspieler anstelle des Goalie. – 59:15 Time-out Thurgau.

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