Swiss League
Die Schwäche des HC Thurgau wird immer mehr zu seiner Stärke: 5 Dinge, die wir im Playoff gelernt haben

Vor allem die letzte Partie in Langenthal hat gezeigt: Der HC Thurgau muss sich im Viertelfinal gegen den Favoriten SC Langenthal nicht verstecken. Es gibt sogar Punkte, die sprechen mittlerweile für den Aussenseiter.

Matthias Hafen
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Cyrill Bischofberger (rechts) entwischt Langenthals Eric Himelfarb. Beim HC Thurgau scheinen noch genügend Energiereserven vorhanden zu sein.

Cyrill Bischofberger (rechts) entwischt Langenthals Eric Himelfarb. Beim HC Thurgau scheinen noch genügend Energiereserven vorhanden zu sein.

Mario Gaccioli (19. März 2021)

Der HC Thurgau ist zurück im Playoff-Viertelfinal. Dank des Erfolgs am Donnerstag in der dritten Verlängerung verkürzte er die Best-of-7-Serie gegen Langenthal auf 2:3. Am Sonntag um 17.30 Uhr kommt es in Weinfelden zum nächsten Duell. Die Ausgangslage ist so offen wie in den fünf Spielen zuvor.

Wer’s nicht in den Händen hat, hat’s in den Beinen

Trainer Stephan Mair kann seine Linien drehen und wenden, wie er will: Er findet nicht mehr Talent. Der HC Thurgau schlägt sich im diesjährigen Playoff mehr denn je mit Aufopferung, Fleiss und grosser Moral durch. Muss er auch, weil der Mannschaft ein herausragender Akteur fehlt. Spielerisch war der SC Langenthal in jeder Partie überlegen – auch am Donnerstag. Wie jedoch Patrick Spannring nach 31 Sekunden im Schlussdrittel das wichtige 1:1 erzielt hat, war beispielhaft. Dass er den missglückten Pass von Langenthals Goalie abfangen konnte, war nur dem aufsässigen Forechecking des Österreichers zu verdanken. Geradeso gut hätte er vorher abdrehen und Kraft sparen können.

Auch ein Caminada ist nicht fehlerfrei

Es war der erste grosse Fehler, den Pascal Caminada im Tor des SC Langenthal in dieser Playoff-Serie begangen hat. Doch sein missglückter Pass in der 41. Minute hinter dem eigenen Tor durch führte zum 1:1-Gegentreffer und brachte Thurgau zu Beginn des Schlussdrittels unverhofft zurück ins Spiel. Den Fauxpas schien Caminada derart zu beschäftigen, dass er in der Folge oft Abpraller zuliess, was man von ihm so nicht kannte. Auch dürfte mittlerweile allen Thurgauern klar sein, dass der SCL-Goalie viel eher mit hohen Schüssen zu bezwingen ist.

Mosimanns Abgang wird Thurgau wehtun

Jan Mosimann entpuppt sich im Playoff-Viertelfinal als Thurgaus Hoffnungsträger im Angriff. Adam Rundqvists Ablenker zur 2:1-Führung am Donnerstag war eigentlich das Werk des 26-jährigen Berner Seeländers, der sich geschickt aus der Schlinge seines Gegenspielers gelöst hatte, bevor er schoss. Mosimann scheint nebst den beiden Ausländern T.J. Brennan und Jonathan Ang der einzige HCT-Stürmer zu sein, der auch mal ein Eins-zu-eins gegen einen Langenthaler gewinnen kann. Dass Mosimann den HC Thurgau nach dieser Saison verlassen wird, ist ein offenes Geheimnis.

Vertrauen in vier Linien zahlt sich immer mehr aus

Weil Trainer Stephan Mair in seinem Kader gar niemanden hat, den es sich besonders zu forcieren lohnt, spielt der Headcoach des HCT seit Beginn dieses Playoffs mit vier Linien durch, vertraut allen seinen Jungs gleich. Sein Gegenüber Jeff Campbell hingegen setzt öfter mal nur auf seine stärkeren zwei Linien. Das führte dazu, dass Thurgau in der fast 41-minütigen Overtime am Donnerstag die leichteren Beine hatte und frischer wirkte. Eine Beobachtung, die sich von Spiel zu Spiel immer mehr auch in den ersten drei Dritteln feststellen lässt. Wenn der HCT das Angriffsfurioso von Langenthal übersteht, steigen seine Siegeschancen von Minute zu Minute.

Thurgau-Goalie Aeberhard zeigt eine ganz neue Seite

Es war zweifellos die grösste Überraschung im Spiel vom Donnerstag: Nicola Aeberhard zeigte Emotionen. Wie Thurgaus Torhüter nach dem kassierten Shorthander in den Schlusssekunden den Stock auf dem Eis zerschmettern wollte, war ein Bild für die Ewigkeit. Der 25-Jährige, der sonst durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, enervierte sich derart über das Versagen seiner Vorderleute, dass es zu diesem Gefühlsausbruch kam. Schnell senkte sich «Aebis» Ruhepuls aber wieder auf den für ihn normalen Wert von etwa fünf Schlägen pro Minute und verhalf dem Goalie zu grandiosen Paraden in der gewonnenen Verlängerung. Aeber­hards Coolness zwischen den Pfosten wird auch am Sonntag gefragt sein.