Swiss League
Der siebte Himmel muss warten: HC Thurgau scheidet nach 1:3-Niederlage aus dem Playoff aus

Der HC Thurgau verliert auch das dritte Heimspiel in der Viertelfinalserie gegen den SC Langenthal und verpasst damit eine «Belle». Mit dem Saisonende kommt auf die Ostschweizer ein Umbruch zu.

Matthias Hafen
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Die Spieler des HC Thurgau können ihre Enttäuschung nach dem Playoff-Aus nicht verbergen.

Die Spieler des HC Thurgau können ihre Enttäuschung nach dem Playoff-Aus nicht verbergen.

Mario Gaccioli

«Zäme in 7. Himmel»: Die Anhänger des HC Thurgau hatten ihren Wunsch an die Mannschaft mit einem grossen Banner in der Eishalle Güttingersreuti kundgetan. Und die Equipe des Trainerduos Mair/Winkler erhörte die Fans, mobilisierte ihre letzten Kräfte, scheiterte aber trotzdem. Am Ende verhinderte eine bessere Chancenauswertung ein siebtes Spiel am Mittwoch in Langenthal. Der HCT verlor die Playoff-Viertelfinalserie 2:4, verabschiedet sich aber erhobenen Hauptes in die Sommerpause.

Denn auch am Sonntag waren die Thurgauer nahe am Erfolg. Den 0:1-Rückstand aus der neunten Minute korrigierte Patrick Spannring kurz nach Spielmitte. Er verwertete ein geniales Pässchen von Jason Fritsche zum 1:1. Im zweiten Drittel war der HC Thurgau gar überlegen, verpasste es aber, die Vorentscheidung herbeizuführen. So war die Partie im Schlussdrittel auf Messers Schneide. Marc Kämpfs Ablenker in der 53. Minute zum 2:1 besiegelte dann das Schicksal des HCT. Das Heimteam fand den Tritt nicht mehr, Langenthal hatte das Ostschweizer Bollwerk definitiv überwunden.

Ein sehr respektables Resultat

Für den HC Thurgau endet eine erfolgreiche Saison so auf eine bittere Weise, weil noch mehr dringelegen wäre. Mit Platz sechs in der Qualifikation und dem direkten Einzug ins Playoff hat der Swiss-League-Klub sein grosses Ziel aber erreicht. Im Viertelfinal gegen Langenthal stand er am Ende besser da, als viele im Voraus vermutet hatten. Selbst nach dem 1:3-Rückstand haben sich die aufopferungsvoll kämpfenden Leuen nicht aufgegeben. Für die Runde der letzten vier fehlte am Ende auch Talent im Kollektiv von Trainer Stephan Mair. Für eine Saison, die wegen Corona sehr viele Unsicherheitsfaktoren parat hatte, ist das Erreichte am Ende dennoch mehr als respektabel.

David Wildhaber beendet seine Karriere

Die grösste Herausforderung wartet auf den HC Thurgau nun abseits des Eises. Wieder einmal steht dem Trainerduo Mair/Winkler ein grosser Kaderumbruch bevor. Die Abgänge von Goalie Nicola Aeberhard (zu La Chaux-de-Fonds) und Joel Scheidegger (zu Olten) wurden bereits kommuniziert. Doch auch Jan Mosimann und Patrick Brändli werden den Klub verlassen, ebenso wie Florian Schmuckli, der zuletzt schon gar nicht mehr beim Team weilte. David Wildhaber gab nach Spielende bekannt, dass er seine Karriere beenden wird. Mit 26 Jahren macht ihm seine Gesundheit zu schaffen. «Die letzten drei Jahre lief ich körperlich komplett am Anschlag», sagte Wildhaber. «Die jüngste Knieverletzung hat mir den Rest gegeben.» Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, wo er noch ohne grössere Beschwerden in das Leben nach der Sportlerkarriere übertreten könne. Wildhaber nimmt ein Jobangebot des HCT-Sponsors und -Aktionärs Daniel Frefel an. «Es ist sicher nicht der falsche Zeitpunkt. Ob es der richtige ist, weiss ich nicht.» Es wird bestimmt nicht der letzte Abgang beim HC Thurgau 2020/21 sein. Dass die beiden Ausländer T.J. Brennan und Jonathan Ang auch künftig für den Klub aus Weinfelden spielen werden, ist unwahrscheinlich.

Stimmen zum Spiel

Jeff Campbell, Trainer SC Langenthal: «Das war eine Superserie. Der HC Thurgau hat stark gekämpft und uns das Leben schwer gemacht. Jedes einzelne Spiel war eine knappe Angelegenheit. Deshalb wollen wir jetzt auch noch nicht an den Halbfinalgegner Ajoie denken, sondern das Erreichte zuerst einmal geniessen.»

Joel Scheidegger, scheidender Verteidiger HC Thurgau: «Es fällt mir schwer, uns so unmittelbar nach dem Playoff-Aus etwas vorzuwerfen. Ich glaube, wir hatten auch im sechsten Spiel den unbedingten Willen, Tore zu schiessen, doch Details entschieden die Serie am Ende gegen uns. Ich bin überzeugt, dass wir Langenthal hätten besiegen können. Umso brutaler ist das Ergebnis jetzt.»

Patrick Parati, Captain HC Thurgau: «Natürlich gab es auch in diesem Spiel Momente, denen wir am Ende nachtrauern können. Aber die Mannschaft hat alles gegeben. Vielleicht fehlte uns am Ende die Erfahrung, um diese enge Playoff-Serie zu unseren Gunsten zu entscheiden. Es fällt mir schwer, ein eigentliches Fazit dieser Coronasaison zu ziehen. Ich ziehe jedenfalls den Hut vor dem Team, das sich trotz aller coronabedingten Einflüsse immer aufs Eishockey konzentriert hat. Das war gar nicht so einfach.»

Jan Mosimann, Stürmer HC Thurgau: «Uns hat im sechsten Spiel die Cleverness gefehlt. Es hat nicht das bessere Team gewonnen, aber das cleverere. Wir hätten mehr Druck auf das gegnerische Tor ausüben sollen. Unser Goalie hat uns erneut unglaublich geholfen.»

Thurgau – Langenthal 1:3 (0:1, 1:0, 0:2)

Güttingersreuti, Weinfelden – Keine Zuschauer – SR Massy/Hürlimann, Huguet/Wermeille.
Tore: 9. Dähler (Himelfarb, Büsser) 0:1. 33. Spannring (Fritsche) 1:1. 53. Kämpf (Müller, Kummer) 1:2. 60. (59:19) Kummer 1:3 (ins leere Tor).
Strafen: je 1-mal 2 Minuten.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Parati, Wildhaber; Scheidegger, Molina; Fechtig; Spannring, Brändli, Ang; Janik Loosli, Rundqvist, Mosimann; Baumann, Hobi, Hinterkircher; Wetli, Fritsche, Hollenstein; Rehak.
Langenthal: Caminada; Müller, Christen; Büsser, Pienitz; Guggenheim, Maret; Higgins; Kläy, Torquato, Küng; Kämpf, Kummer, Elo; Gerber, Himelfarb, Dähler; Nyffeler, Schläpfer, Derungs; Wigger.
Bemerkungen: Thurgau ohne Hulak, Moor, Moser, Schmuckli (alle verletzt), Bischofberger, Schmutz, Kellenberger, Lanz, Schnyder (alle überzählig), Ness und Michael Loosli (beide Rapperswil-Jona/NLA). Langenthal ohne Tschannen, Rüegsegger, Wyss, Chanton (alle verletzt), Weber (rekonvaleszent), Dobryskin (überzählig), Törmänen (Biel/NLA) und Bircher (Langnau/NLA). – 59. Pfostenschuss Elo. – Thurgau von 59:09 bis 59:19 und ab 59:35 ohne Goalie.