Swiss League
Der Hüne vom Irish Pub: HC-Thurgau-Verteidiger Kevin Kühni schenkt in der Freizeit Bier aus

Kevin Kühni ist Büezer und Beizer, weiss sowohl auf dem Eis wie auch hinter dem Tresen, was Arbeit bedeutet. Beim HC Thurgau orchestriert der 29-jährige Rückkehrer seit dieser Saison das Powerplay.

Matthias Hafen
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Neuzuzug Kevin Kühni ist ein wichtiger Faktor in Thurgaus Defensive.

Neuzuzug Kevin Kühni ist ein wichtiger Faktor in Thurgaus Defensive.

Mario Gaccioli (11. September 2021)

Für Kevin Kühni ist das Heimspiel am Samstag um 20 Uhr gegen La Chaux-de-Fonds ein besonderes. Der Verteidiger des HC Thurgau trifft dann auf seine ehemaligen Teamkollegen. Drei Jahre lang hatte der 29-jährige Winterthurer zuletzt im Neuenburger Jura gespielt. In diesem Sommer kehrte er zum HCT zurück, für den er schon von 2014 bis 2016 verteidigt hat – damals noch an der Seite des heutigen Assistenzcoachs Beni Winkler.

Für Kühni war die Zeit gekommen, wieder in seine gewohnte Umgebung heimzukehren. «Zurück zu meiner Familie und meinen Freunden», wie er sagt. Mit dem HC Thurgau habe er die ganze Zeit in losem Kontakt gestanden. Befeuert hat den Wechsel von La Chaux-de-Fonds in die Ostschweiz nicht zuletzt die Coronapandemie. Kühnis Eltern Susi und Max führen das «Paddy O’Brien’s» Old Irish Pub in Winterthur. Er sagt:

«Für mich war klar, dass ich ihnen in diesen für Gastronomen schwierigen Zeiten unter die Arme greife.»

Sowieso ist geplant, dass er zusammen mit seinem zehn Jahre älteren Bruder Sven das «Paddy’s» dereinst übernehmen soll.

Am drittmeisten Eiszeit der gesamten Mannschaft

Hinter dem Tresen steht Kevin Kühni nur selten. Seine Hauptaufgabe ist das Backoffice. Hier kann er anwenden, was er in seiner Weiterbildung im Bereich Personalmarketing lernt. Dennoch kommt es vor, dass einem als Gast im «Paddy’s» auch mal vom HCT-Verteidiger ein Bier ausgeschenkt wird. «Vor allem im Sommer, nicht während der Eishockeysaison», so Kühni.

Denn sein Fokus gilt noch voll und ganz dem Eishockey. Beim HC Thurgau wird seine Erfahrung aus neun Saisons Nationalliga-Eishockey hoch geschätzt, wie Assistenzcoach Winkler sagt. «Und er ist ein guter Typ, passt hervorragend in unsere Mannschaftskabine.» Seine satten Schüsse von der blauen Linie sind immer mal wieder für ein Tor gut. Wie wichtig Kühnis Rolle beim HC Thurgau ist, zeigten die ersten Saisonspiele. Knapp hinter den Verteidigerkollegen Patrick Parati und Marco Forrer weist Kühni am drittmeisten Eiszeit des gesamten Teams auf. Im Powerplay gehört er mit den Stürmern Jonathan Ang und Ian Derungs zu den «Marathonmännern» des HCT. Kevin Kühni ist eben nicht nur leidenschaftlich Beizer, er ist vor allem ein unermüdlicher Büezer. Der 29-Jährige sagt:

«Natürlich freut es mich, dass ich bei Thurgau so viel Eiszeit bekomme. Aber ich muss mir diese auch erarbeiten.»

Kühni ist nicht der schnellste Verteidiger, wohl aber einer der intelligentesten der Swiss League. Ein sicherer Wert auf jeden Fall. Einzig mit seinen Flip-Pässen bringt er Trainer Winkler immer mal wieder zur Verzweiflung.

Dem Verteidiger gefällt die Rolle des Underdogs

Für seinen neuen Arbeitgeber hat Kevin Kühni nur Lob übrig. «Es ist erstaunlich, welchen Fortschritt der HC Thurgau seit meiner ersten Zeit hier gemacht hat», sagt der 1,91 m grosse Verteidiger. «In Sachen Professionalität sind das Welten.» Nicht nur, weil der neue Kraftraum NLA-Format aufweise. «Jetzt müssen wir einfach schauen, dass wir nicht stehen bleiben», so Kühni. Beim HC Thurgau imponiere ihm, wie man mit einem vergleichsweise kleinen Budget in der Swiss League mithalten könne. Kühni: «Mir gefällt die Rolle des Underdogs.» Die wird der HCT auch am Samstag innehaben. Offene Rechnungen hat der frühere Chaux-de-Fonnier aber keine. «Ich war mega gern dort und habe viele tolle Leute kennen gelernt.»

Palmberg wieder auf dem Eis, Goalie Rutz zu Winterthur

Die Situation mit den Verletzten entschärft sich beim HC Thurgau leicht. Am Samstag gegen La Chaux-de-Fonds können die Ostschweizer wieder auf Verteidiger Silvio Schmutz zählen. Zudem trainierte der Schwede Rickard Palmberg am Donnerstag erstmals wieder mit der Mannschaft. Auch Patrick Spannring schnürte wieder die Schlittschuhe, trainierte aber noch für sich. Eine Rückkehr am Samstag ist für beide zu früh. Im Optimalfall könnte Palmberg jedoch bald wieder in der Aufstellung des HCT stehen. Auf der Goalieposition ist nun klar, dass Jan Rutz die Saison mit Thurgaus Ligakonkurrent Winterthur bestreiten wird. Der 19-jährige Zuzug war von Trainer Stephan Mair bislang nicht eingesetzt worden, spielte bei Rapperswil-Jonas U20-Junioren. In Winterthur bildet Rutz nach Damian Stettlers Verletzung zusammen mit Gian-Marco Bamert das Torhüterduo. (mat)