Swiss League
Der heisseste Stuhl im HC Thurgau: Schon wieder schmeisst der Geschäftsführer hin

Thomas Imhof hat beim HC Thurgau die Kündigung eingereicht. Damit hält es nach Martin Büsser auch der nächste Geschäftsführer nicht länger als eine Saison aus beim Swiss-League-Klub aus Weinfelden. Das stellt den HCT vor Probleme.

Matthias Hafen
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Finanzspezialist Thomas Imhof trug beim HC Thurgau auch massgeblich zum Ausbau der Livestreams bei.

Finanzspezialist Thomas Imhof trug beim HC Thurgau auch massgeblich zum Ausbau der Livestreams bei.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 20. Mai 2020)

Das Experiment scheiterte, bevor es angefangen hat. Eigentlich hätte der HC Thurgau im kommenden Herbst mit zwei Geschäftsführern in die Saison 2021/22 starten sollen. Dies, weil nebst dem Bisherigen Thomas Imhof zusätzlich Urban Leimbacher verpflichtet wurde – ebenfalls im 100-Prozent-Pensum und primär für den Sportbereich und das Marketing zuständig. Doch zu dieser aussergewöhnlichen Konstellation mit zwei gleichberechtigten Geschäftsführern kommt es nicht. Jedenfalls nicht in dieser Zusammensetzung. Nach Leimbachers Verpflichtung reichte der bisherige Geschäftsführer Thomas Imhof Ende April seine Kündigung ein. Das Zweierticket, das der HC Thurgau Anfang April noch als harmonische Erweiterung in der Geschäftsleitung kommuniziert hat, entpuppt sich als Rohrkrepierer.

Nach Patrick Bloch hielt es niemand mehr länger als eine Saison aus

Imhofs Demission ist das nächste Kapitel einer leidigen Geschichte des HCT. Seit Patrick Bloch, heute CEO des Schweizerischen Eishockeyverbands SIHF, hielten es die Geschäftsführer des Swiss-League-Klubs aus Weinfelden nicht mehr länger als eine Saison in dieser Position aus. Schon Martin Büsser war Thurgau nach kurzer Zeit Richtung Kloten davongelaufen. Ähnlich wie jetzt Thomas Imhof, der zuvor für die HCT Young Lions zuständig gewesen war und nach Leimbachers Ankunft auch wieder vermehrt für Thurgaus Nachwuchsabteilung hätte arbeiten sollen. Mit Urban Leimbacher an der Spitze erhofft sich der Verwaltungsrat ab Oktober wieder mehr Konstanz abseits des Eises.

Vor gut zwei Jahren noch als Eishockey-Experte für MySports im Einsatz: Urban Leimbacher (rechts, neben Moderator Lars Nay) übernimmt künftige die Geschicke beim HC Thurgau, aber erst ab Oktober.

Vor gut zwei Jahren noch als Eishockey-Experte für MySports im Einsatz: Urban Leimbacher (rechts, neben Moderator Lars Nay) übernimmt künftige die Geschicke beim HC Thurgau, aber erst ab Oktober.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 17. Oktober 2018)

Allerdings wird der frühere NLA-Goalie als eine Art Sportchef mit Geschäftsführerfunktion angepriesen. Er muss also bei fast allen Heim- und Auswärtsspielen anwesend sein, um die sportliche Entwicklung des HCT zu verfolgen. Daneben ist Leimbacher gemäss Klub-Communiqué vom 1. April auch für den Ausbau des Marketings in Zusammenarbeit mit Paul Kaiser zuständig, soll also bei den Sponsoren und Geldgebern die Türklinken putzen gehen und andere publikumswirksame Aktionen orchestrieren. Ob da dem Familienvater noch viel Zeit bleibt für die eigentliche Geschäftsführung in den Bürocontainern bei der Eishalle Güttingersreuti?

Es droht eine Übergangszeit ganz ohne Geschäftsführer

Der HC Thurgau wird nicht darum herum kommen, einen Ersatz für Imhof zu suchen. Alleine schon, um die Young Lions in Zukunft nicht zu vernachlässigen. Aber auch, weil Tausendsassas, wie Bloch einer war, sehr rar sind. Leute, die vom Sport über die Finanzen bis zur Administration alles zur Zufriedenheit abdecken können. Der ehemalige Banker Imhof war als Vorsitzender eines Swiss-League-Eishockeyklubs vielleicht etwas gar unerfahren und introvertiert, hatte aber durchaus seine Stärken. Ganz besonders in Sachen Finanzen, aber auch, was Livestreams und Social Media betrifft.

Auf jeden Fall sollte ein Ersatz möglichst schnell gefunden werden. Imhofs Kündigungsfrist beträgt angeblich nur drei Monate. Das heisst, zwischen Juli und Oktober, wenn Leimbacher dann vom Ligakonkurrenten EHC Winterthur zum HC Thurgau wechselt, fehlt dem HCT möglicherweise ein Geschäftsführer. Ausgerechnet in jener Zeit, in der die Saison 2021/22 aufgegleist wird. Deswegen würde es nicht verwundern, wenn der Verwaltungsrat versuchen würde, Imhof zumindest eine Verlängerung seiner Amtszeit schmackhaft zu machen.

Die Kündigung könnte dem Kader 2021/22 zu Gute kommen

Auf der anderen Seite setzt Imhofs Kündigung auch Sparpotenzial frei. So muss der HC Thurgau in der kommenden Saison nicht zwei Geschäftsführer im 100-Prozent-Pensum finanzieren, deren Monatslohn mutmasslich je fünfstellig ist. Für das Spektakel auf dem Eis kommt in diesen Zeiten jeder Franken gelegen, der in die Mannschaft für die Saison 2021/22 investiert werden kann.