Swiss League
Der HC Thurgau bringt sich im zweiten Playoff-Spiel selber um den Lohn

Bei der 3:5-Heimniederlage gegen Langenthal zeigt der HC Thurgau erneut sein kämpferisches Gesicht. Und diesmal gelingt es ihm auch, den gegnerischen Goalie Pascal Caminada zu bezwingen. Wenn da nur nicht immer die Geschenke an die Berner wären. In der Best-of-7-Viertelfinalserie liegen die Thurgauer nun 0:2 hinten.

Matthias Hafen
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Grosser Einsatz, kleiner Ertrag: Thurgaus kanadischer Stürmer Jonathan Ang kämpft sich an Langenthals Verteidiger Tyler Higgins vorbei .

Grosser Einsatz, kleiner Ertrag: Thurgaus kanadischer Stürmer Jonathan Ang kämpft sich an Langenthals Verteidiger Tyler Higgins vorbei .

Mario Gaccioli

Ein kurzer Blick in die Glaskugel sei erlaubt. Die 3:5-Heimniederlage des HC Thurgau gegen Langenthal wird in die Geschichte dieses Playoff-Viertelfinals eingehen. Als Spiel, in dem der Aussenseiter die grosse Chance vergab, in die Serie zu kommen. Denn wie schon beim Auftakt in Langenthal zeigte das Team von Trainer Stephan Mair eine kämpferisch einwandfreie Leistung. Und diesmal fielen sogar die Tore. Drei an der Zahl von Patrick Spannring (1:0/15.), Jan Mosimann (2:2/25.) und T.J. Brennan (3:4/40.). Doch mit individuellen Fehlern brachten sich die Thurgauer selber um den Lohn ihrer Anstrengungen.

Der HC Thurgau wusste zeitweise nicht mehr, wie die einfachsten Dinge richtig gehen. Drei Gegentreffern ging ein Puckverlust im eigenen Spielaufbau voraus (von Adam Rundqvist beim 1:1 sowie von Frantisek Rehak beim 1:2 und beim 3:5), so dass Thurgau auf dem falschen Fuss erwischt wurde.

Ein völlig verrücktes Mitteldrittel

Ein Hoffnungsschimmer bleibt dem HCT trotz der zweiten Niederlage im zweiten Spiel: Das völlig verrückte Mitteldrittel. Da überschlugen sich in der Güttingersreuti die Ereignisse. Zuerst schoss Robin Nyffeler Langenthal 2:1 in Führung, nachdem er von Hans Pienitz mit einem Pass übers halbe Feld lanciert worden war. Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard hätte Nyffelers Sololauf fast gestoppt, doch der Puck kullerte von seiner Fanghand über die Linie.

Hatte Thurgaus Führung durch Spannring im Startdrittel 90 Sekunden Bestand, so durfte sich Langenthal diesmal lediglich 46 Sekunden lang über das 2:1 freuen. Dann glich Jan Mosimann nach einem Doppelpass mit Janik Loosli zum 2:2 aus. Die Playoff-Partie, die lange brauchte, um in Gang zu kommen, hatte jetzt volle Fahrt aufgenommen. Und die Achterbahnfahrt ging munter weiter. Keine 90 Sekunden nach Mosimanns Treffer stolperte Patrick Spannring etwas gar ungeschickt über Langenthals Goalie Pascal Caminada. Die Folge: Zwei Minuten gegen Spannring und das erste Powerplay für die Gäste, das sie durch Eero Elo prompt zur 3:2-Führung nutzten. Wie würde Thurgau diesmal reagieren? Gar nicht. Bei Spielmitte erhöhte Dario Kummer auf 4:2 für den Favoriten. Bedenken, Thurgau würde jetzt einbrechen, waren berechtigt.

Thurgau übersteht zwei Minuten bei drei gegen fünf - und kommt zurück ins Spiel

Denn wieder keine Minute später mussten mit Patrick Brändli und Brennan zwei HCT-Spieler miteinander auf die Strafbank. Die zweiminütige doppelte Überzahl rollte Langenthal den Teppich aus zum Break in dieser Best-of-7-Serie. Doch Thurgau hielt dem enormen Druck stand und zeigte, dass das Penalty-Killing eine Stärke des Teams ist. Selbst als bei drei gegen fünf auch noch Joel Scheidegger bestraft wurde, der Topskorer wegen der aufgeschobenen Strafe für drei Minuten in der Kühlbox sass und Thurgaus kräfteraubende Unterzahl dadurch verlängerte, brach das Heimteam nicht ein. Im Gegenteil: Der Biss der Leuen zahlte sich aus. Brennan brachte den HCT drei (!) Sekunden vor der zweiten Pause zurück ins Spiel. Sein Treffer zum 3:4 aus spitzem Winkel in den Netzhimmel gehörte auch Jonathan Ang, der vor Caminada für viel Verkehr gesorgt hatte.

Thurgau kann mit Langenthal auch im offenen Schlagabtausch mithalten. Wenn da nur nicht immer die Geschenke an den Gegner wären. Vor allem aber offenbarten die Berner, die an diesem Abend ohne ihren verletzten Captain und Spielmacher Stefan Tschannen antraten, ebenfalls Schwächen. Etwas, das der HCT im dritten Spiel der Best-of-7-Serie am Sonntag um 17.30 Uhr in Langenthal unbedingt ausnutzen sollte.

Thurgau – Langenthal 3:5 (1:1, 2:3, 0:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – Keine Zuschauer – SR Ströbel/Müller, Nater/Bichsel.
Tore: 15. (14:10) Spannring (Wetli) 1:0. 16. (15:40) Himelfarb (Christen, Gerber) 1:1. 24. (23:22) Nyffeler (Pienitz, Christen) 1:2. 25. (24:18) Mosimann (Janik Loosli) 2:2. 27. Elo (Müller/Ausschluss Spannring) 2:3. 30. Kummer (Kläy, Elo) 2:4. 40. (39:57) Brennan (Rehak) 3:4. 53. Torquato (Kläy) 3:5.
Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 1-mal 2 Minuten gegen Langenthal.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Parati, Wildhaber; Scheidegger, Molina; Schmutz; Hobi, Ang, Rehak; Janik Loosli, Rundqvist, Mosimann; Wetli, Brändli, Baumann; Hinterkircher, Hollenstein, Spannring; Bischofberger.
Langenthal: Caminada; Müller, Christen; Guggenheim, Maret; Büsser, Pienitz; Higgins; Kläy, Kummer, Küng; Kämpf, Torquato, Elo; Gerber, Himelfarb, Rüegsegger; Nyffeler, Schläpfer, Dähler; Derungs.
Bemerkungen: Thurgau ohne Hulak, Moor, Moser, Schmuckli (alle verletzt), Fechtig, Fritsche, Kellenberger, Lanz, Schnyder (alle überzählig), Ness und Michael Loosli (beide Rapperswil-Jona/NLA). Langenthal ohne Tschannen, Chanton, Weber, Wyss (alle verletzt), Törmänen, Dobryskin, Wigger (alle überzählig) und Bircher (Langnau/NLA). – Thurgau ab 57:00 mit sechstem Feldspieler anstelle des Goalies. – 58:44 Timeout Thurgau. – 60. Pfostenschuss Torquato.3. Runde. Sonntag, 17.30 Uhr: Langenthal - Thurgau.