Swiss League
«Dass wir sie auswärts besiegen konnten, beschäftigt die Langenthaler»: HC-Thurgau-Trainer Stephan Mair sagt, weshalb Vertrauen im Playoff besonders wichtig ist

Anstatt vor dem Playoff-Aus steht der HC Thurgau am Dienstag um 19.45 Uhr vor der grossen Chance, daheim die Viertelfinalserie gegen den SC Langenthal auszugleichen. Während die Berner bislang mit individueller Stärke punkteten, setzt der HCT weiterhin konsequent aufs Kollektiv.

Matthias Hafen
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Trainer Stephan Mair sieht davon ab, einzelne Linien seiner Mannschaft stark zu forcieren.

Trainer Stephan Mair sieht davon ab, einzelne Linien seiner Mannschaft stark zu forcieren.

Mario Gaccioli (24. Februar 2021)

Der Playoff-Viertelfinal zwischen dem SC Langenthal und dem HC Thurgau geht unter die Haut. Und immer mehr in die Tiefe. Ein gutes Zeichen für den Aussenseiter aus der Ostschweiz. Der 3:2-Auswärtssieg am Sonntag im Schoren verleiht ihm Schnauf. Anstatt Thurgaus Playoff-Aus steht am Dienstagabend in der Weinfelder Güttingersreuti plötzlich Langenthals Führung in der Best-of-7-Serie auf dem Spiel. Und ein 2:2 nach vier Runden ist alles andere als utopisch. Weil Aussenseiter Thurgau in seinem Kader mehr Tiefe aufweist als Langenthal.

Während der Drittplatzierte aus dem Oberaargau versucht, seine individuell bessere Klasse auszuspielen, setzt Thurgau konsequent aufs Kollektiv. Es gibt kaum einen Spieler in Stephan Mairs Equipe, der nicht mindestens zehn Minuten Eiszeit bekommt pro Spiel. Das ist aussergewöhnlich fürs Playoff, hat aber einen einfachen Grund. «Bei uns kommt der Erfolg nur übers Kollektiv zustande», sagt der Headcoach des HCT. Für alles andere fehlt den Ostschweizern die individuelle Klasse.

«Jetzt wird's auch ein mentales Spiel»

«Ich habe heuer keinen Gamebreaker wie Michael Loosli oder Andri Spiller», sagt Mair. Er meint damit Spieler, die mit einer Einzelleistung eine Partie entscheiden können. Die fehlende individuelle Klasse im Angriff macht der HC Thurgau mit seiner Systemtreue wett – und dem Vertrauen des Trainers in alle Spieler bis in die vierte Linie. «Sobald wir anfangen, zwei oder drei Linien stark zu forcieren, sind wir sowieso tot», sagt Mair. Eine Playoff-Serie gegen Langenthal ist eben ein Abnützungskampf.

Mair setzt deshalb voll auf die Karte Geduld. Sowohl im Spiel, wie auch in der Best-of-7-Serie. Der Südtiroler sagt: «Ich habe lieber das dritte Spiel in Langenthal gewonnen als das zweite in Weinfelden. Dass wir sie auswärts besiegen konnten, wird die Langenthaler beschäftigen. Und jetzt wird diese Serie auch ein mentales Spiel.» Gerade beim 3:2-Erfolg am Samstag zahlte sich Thurgaus Geduld aus. Zwei Drittel lang waren die Gäste unterlegen, klammerten sich an einen dünnen Strohhalm, um in der Partie und in der Playoff-Serie zu bleiben. Trotzdem machte das Trainerduo Mair/Winkler keine Anstalten, das enge Korsett seines Systems zu lösen.

«Wir müssen immer abwägen: Wie viel Mehrertrag bringt es, wenn wir mehr riskieren?»

Auch bei diesen Überlegungen spielt die fehlende individuelle Klasse im Kader eine Rolle. Mair setzte auf eine emotionale Pausenansprache nach 40 Minuten. «Wir können uns dem Schicksal ergeben, uns über vieles aufregen und die Serie frustriert verlieren. Oder wir können raus aufs Eis und das Heft wieder in die Hand nehmen.» Der HCT entschied sich für Letzteres und bewies Moral.

Raffinierte Rochaden

Der Favorit Langenthal liess es allerdings auch zu, dass Thurgau ins Spiel zurückfand. Die Passivität, die die Berner am Sonntag nach der 2:1-Führung an den Tag legten, war nicht zu erklären. Mair aber verlieh seinem Team mit raffinierten Rochaden neue Kraft. Zum Beispiel nahm er Frantisek Rehak von der vierten Linie in die erste zurück. «Ich reagiere im Laufe des Spiels auf den Energielevel meiner Spieler», sagt Mair. «Und am Sonntag strotzte Rehak vor Energie.» Weil der HC Thurgau so stark auf sein eigenes Spiel fokussiert, spielt es auch kaum eine Rolle, ob bei Langenthal der zuletzt verletzte Stefan Tschannen, seines Zeichens Teamcaptain und viertbester Skorer des SCL, zum Einsatz kommt oder nicht. Thurgau wird ohnehin mit vier Linien durchspielen. Weil Trainer Stephan Mair lieber auf sein System und seine Spieler vertraut als auf Dinge, die er nicht beeinflussen kann.