Swiss League
Vom 0:2 zum 3:2: Das Timing des HC Thurgau könnte nicht besser sein

Zwei Tage nach dem peinlichen 2:8 bei den GCK Lions zeigt der HC Thurgau wieder Herz und Leidenschaft. Daheim gegen den Tabellenvierten Sierre dreht er das Spiel nach einem Zweitorerückstand zu seinen Gunsten. Mit dem Sieg klettern die Ostschweizer in der Tabelle auf Platz fünf.

Matthias Hafen
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Auf und davon: Adrian Wetli (Mitte) setzt zum Sololauf an, wird dann aber von Goran Bezina (links) gefoult.

Auf und davon: Adrian Wetli (Mitte) setzt zum Sololauf an, wird dann aber von Goran Bezina (links) gefoult.

Mario Gaccioli

Da sage noch einer, das Powerplay des HC Thurgau sei nicht effizient. 50 Minuten lang betrug die Erfolgsquote in Überzahl 100 Prozent. Es war einer der entscheidenden Faktoren beim 3:2-Heimsieg am Dienstagabend gegen den HC Sierre. Die Thurgauer drehten das Spiel nach einem 0:2-Rückstand noch zu ihren Gunsten. Nur zwei Tage nach der peinlichen 2:8-Niederlage bei den GCK Lions herrschte im Spiel des HCT wieder Ordnung und Disziplin. Mit lediglich zwei Strafen offerierte das Heimteam dem Gegner kaum Powerplay-Möglichkeiten. Zum Glück.

Denn nach gut neun Minuten war Sierre in Überzahl durch den Kanadier Eric Castonguay 1:0 in Führung gegangen. Und das, obwohl der HC Thurgau zuvor das Spiel im Griff gehabt hatte, durch Topskorer Joel Scheidegger, Jonathan Ang und Mattia Hinterkircher zu grossen Torchancen gekommen war. Doch wie schon im letzten Aufeinandertreffen vor gut zwei Wochen in Sierre (2:3 n.P.) schien Goalie Remo Giovannini eine fast unüberwindbare Mauer zu sein für die Thurgauer.

61 Sekunden nach dem 0:2 findet der HC Thurgau zurück ins Spiel

Als die Gäste aus dem Unterwallis kurz nach Beginn des Mitteldrittels 2:0 in Führung gingen, schien wieder einiges gegen den HC Thurgau zu laufen. Rémy Rimann hatte den Puck im Tor von Nicola Aeberhard untergebracht, was die Schiedsrichter erst nach dem Videostudium bestätigten. Wie wichtig ein gutes Timing ist, bewiesen die Thurgauer nur eine Minute nach dem zweiten Gegentreffer. In einem beherzten Angriff der vierten Sturmlinie mit Adrian Wetli, Patrick Brändli und Jérôme Lanz lenkte Lanz einen Pass von Brändli zentimetergenau ins Gehäuse der Gäste. Giovannini war bezwungen, der HCT zurück im Spiel.

Jonathan Ang (Mitte) rückt Sierres Eric Castonguay (rechts) auf die Pelle.

Jonathan Ang (Mitte) rückt Sierres Eric Castonguay (rechts) auf die Pelle.

Mario Gaccioli

Mit diesem Treffer drehte der Wind in der Eishalle Güttingersreuti. Das Heimteam kam immer besser in Fahrt, Wetli in der 31. Minute gar zu einem Sololauf Richtung Giovannini. Der HCT-Stürmer wurde von Sierres Verteidiger Goran Bezina jedoch regelwidrig am Abschluss gehindert. Den 2:2-Ausgleich holte Adam Rundqvist im anschliessenden Powerplay nach. Die beiden Ausländer T.J. Brennan und Jonathan Ang hatten die Vorarbeit geleistet. Jetzt drückte der HC Thurgau auf den Führungstreffer, spielte mit Herz und Leidenschaft. Das wurde vier Sekunden vor Ende des Mitteldrittels belohnt. Topskorer Scheidegger hämmerte von der blauen Linie einen Puck durch Freund und Feind und erzielte so das 3:2.

Das Spiel, das 30 Minuten lang recht ausgeglichen war, hatte Thurgau komplett zu seinen Gunsten gewendet. Und das notabene gegen den Tabellenvierten, der am Sonntag im Walliser Derby Visp noch mit 8:5 aus der Halle geschossen hatte.

Eine Kür ohne Tore: So verwaltet man einen Vorsprung effizient

Im letzten Drittel lief der HCT zur Kür auf. Nicht etwa mit Toren, dafür mit einem hochpräzisen Spiel. Es war eine Lehrstunde, wie man einen knappen Vorsprung effizient verwaltet. Praktisch jeder Pass sass, was dazu führte, dass die Gäste kaum mehr ins Spiel fanden. Und in der Defensive räumten die Ostschweizer konsequent auf. Selten hat man einen so sicheren HCT gesehen wie in diesem Schlussdrittel. Erst mit der zweiten Strafe gegen Thurgau, dreieinhalb Minuten vor Schluss, wurde es nochmals eng. Doch Goalie Aeberhard entschärfte das letzte Geschoss von Castonguay bravourös.

Torjubel: Die aktuelle Woche ist für den HC Thurgau bislang ein voller Erfolg.

Torjubel: Die aktuelle Woche ist für den HC Thurgau bislang ein voller Erfolg.

Mario Gaccioli

Damit geht die Woche für den HC Thurgau erfolgreich weiter. Nicht nur stieg er mit dem 3:2-Sieg gegen Sierre auf Platz fünf der Swiss League empor, am Montag hatte er auch die Vertragsverlängerung mit dem derzeit verletzten Captain Patrick Parati um ein Jahr bekanntgegeben.

Thurgau –Sierre 3:2 (0:1, 3:1, 0:0)

Güttingersreuti, Weinfelden – Keine Zuschauer – SR Massy/Ströbel, Gurtner/Baumgartner.
Tore: 10. Castonguay (Maxime Montandon, Asselin/Ausschluss Spannring) 0:1. 24. (23:13) Asselin (Maxime Montandon, Meyrat) 0:2. 25. (24:16) Lanz (Brändli, Brennan) 1:2. 32. Rundqvist (Brennan, Ang/Ausschluss Bezina) 2:2. 40. (39:56) Scheidegger (Ang/Ausschluss Monnet) 3:2.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Thurgau, 4-mal 2 Minuten gegen Sierre.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Wildhaber, Fechtig; Scheidegger; Schmutz; Molina; Hinterkircher, Ang, Janik Loosli; Baumann, Hobi, Spannring; Rehak, Rundqvist, Hollenstein; Wetli, Brändli, Lanz; Fritsche.
Sierre: Giovannini; Meyrat, Maxime Montandon; Brantschen, Dozin; Bezina, Smons; Vouardoux; Dolana, Castonguay, Vouillamoz; Rimann, Arnaud Montandon, Asselin; Heinimann, Monnet, Kyparissis; Surdez, Jolliet, Bernazzi; Bonvin.
Bemerkungen: Thurgau ohne Bischofberger (gesperrt), Michael Loosli, Ness (beide zurück zu Rapperswil-Jona/NLA), Hulak, Moor, Moser, Mosimann, Parati, Rüegger, Schmuckli (alle verletzt), Kellenberger und Schnyder (beide überzählig). Sierre ohne Fellay, Wyniger (beide verletzt), Privet, Berthoud, Bürer, Dayer und Molinari (alle überzählig).

Nächstes Spiel. Donnerstag, 20.00 Uhr: Thurgau – Ticino Rockets.