Swiss League
Das dritte Auge auf der Tribüne: Wie Goalietrainer Tim Bertsche das Spiel des HC Thurgau beeinflusst

Tim Bertsche beliefert den Trainerstab des HC Thurgau in jedem Spiel mit Videosequenzen. Noch während der Partie. Auch im Playoff gegen Langenthal ist das technische Know-how des erst 22-jährigen Assistenzcoachs hilfreich.

Matthias Hafen
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Tim Bertsche sieht von der Tribüne aus Dinge, die man auf der Bank so nicht mitbekommt.

Tim Bertsche sieht von der Tribüne aus Dinge, die man auf der Bank so nicht mitbekommt.

Mario Gaccioli (Küsnacht, 14. Februar 2021)

Wer glaubt, die Drittelspause im Eishockey diene den Spielern primär dazu, einen warmen Tee zu trinken und sich auszuruhen, hat eine folkloristische Vorstellung vom Profisport. Wenn die Eismaschine auf dem Spielfeld ihre Runden dreht, sitzen die schwitzenden Profis in ihren Ausrüstungen vor dem Tablet. Die Analyse der Partie geschieht heutzutage praktisch in Echtzeit. Beim HC Thurgau etwa will T.J. Brennan in den Pausen jeweils sehen, wie die gegnerischen Spieler sein Powerplay verteidigen. Die Videobilder dienen Headcoach Stephan Mair, seinem Assistenten Beni Winkler und Goalietrainer Tim Bertsche dazu, wichtige Szenen mit einzelnen Spielern sofort anzusprechen und korrigierend einzugreifen. Mair sagt: «Die Bilder verdeutlichen das besser, als wenn ich etwas auf die Tafel zeichne.»

Bis zu drei Kameras nehmen die Bilder auf

Die Bewegtbilder liefert Goalietrainer Tim Bertsche von der Medientribüne aus, wo er nennenswerte Szenen laufend mit digitalen Buchzeichen kennzeichnet. Wenn die ersten Journalisten eine Stunde vor Spielbeginn eintrudeln, stehen seine Bildschirme, die an ein Regiepult des Schweizer Fernsehens erinnern, schon da. Und natürlich das Stativ, das die Kamera festhält, die permanent auf Thurgaus Torhüter zielt. Bei allen Spielen hat Bertsche auch das Signal der Kamera auf seinem Screen, die das ganze Geschehen filmt. Bei Heimspielen zusätzlich die Hintertorkamera.

Auf dem Eis arbeitet Tim Bertsche individuell mit den Goalies des HC Thurgau, wie hier mit Bryan Rüegger.

Auf dem Eis arbeitet Tim Bertsche individuell mit den Goalies des HC Thurgau, wie hier mit Bryan Rüegger.

Mario Gaccioli (Weinfelden, 13. Januar 2021)

Dafür hat er eigens eine Leitung durchs halbe Stadion gezogen. Bertsche ist ein Freak – ganz im positiven Sinne. Seine Leidenschaft für die Technik spiegelt sich in seiner Arbeit. Der ehemalige U16-Nationalgoalie hat seinen Fanghandschuh und seine Beinschoner vor zwei Jahren, im Alter von 20 Jahren, gegen die Trillerpfeife eingetauscht. Mit 22 Jahren eilt ihm sein guter Ruf als Trainer schon weit voraus. Stephan Mair und Beni Winkler schätzen seine Arbeit ebenso wie die zwei Torhüter Nicola Aeberhard und Bryan Rüegger. Für Rüegger war Bertsche mit ein Grund, weshalb er zum HCT gestossen ist.

Einsame Nächte in der Güttingersreuti

Eigentlich wurde Tim Bertsche beim HC Thurgau als Goalietrainer eingestellt. Doch daneben ist er noch Videocoach – wie Mair und Winkler auch. «Das lässt sich nicht mehr trennen», sagt Bertsche. «Wenn ich am Morgen ins Stadion komme, schaue ich mir Videos an, um das Training mit den Goalies vorzubereiten.» Es kam schon vor, dass Bertsche nach einem Abendspiel im Stadion übernachtete, um am nächsten Morgen früh wieder bei der Arbeit zu sein. «Mein Job macht mir extrem viel Freude, deshalb investiere ich gerne etwas dafür.»

Fürs Playoff gegen Langenthal hat der HCT das Videocoaching forciert. In diesen Spielen ist Bertsche per Knopf im Ohr mit Assistenzcoach Winkler verbunden. So können sie bei Bedarf sofort reagieren. Etwa bei einer Coaches-Challenge. Nicht ausgeschlossen, dass sich das noch auszahlen wird.