Swiss League
Bittere 30 Sekunden: Der HC Thurgau gibt das Spiel gegen Ajoie in der 58. Minute aus der Hand

Der HC Thurgau läuft gegen Swiss-League-Leader Ajoie dem fünften Sieg in Serie entgegen – und kassiert kurz vor Schluss ein Doppelpack. Sekunden der Unachtsamkeit führen zur 3:4-Niederlage statt zu einem verdienten 3:2-Sieg. Denn einmal mehr hatten die Ostschweizer vieles richtig gemacht.

Matthias Hafen
Merken
Drucken
Teilen
Mit vollem Einsatz dabei: Thurgau Janik Loosli (rechts) tankt sich an Ajoies Arnaud Riat vorbei.

Mit vollem Einsatz dabei: Thurgau Janik Loosli (rechts) tankt sich an Ajoies Arnaud Riat vorbei.

Bild: Mario Gaccioli

Mit dem Heimspiel gegen den HC Ajoie tauchte der HC Thurgau in die richtig heisse Phase der Qualifikation ein. In den letzten sechs Runden spielen die Ostschweizer nur noch gegen die Top vier der Swiss League und gegen zwei der direkten Konkurrenten um Platz sechs. Schwieriger könnte das Schlussprogramm für den HCT im Kampf um die direkte Playoff-Qualifikation kaum sein.

Doch der HC Thurgau ist in Form, war am Mittwochabend auf bestem Weg, auch Leader Ajoie zu besiegen. Dank einer formidablen Laufarbeit und einem effizienten Überzahl- und Unterzahlspiel führte der Tabellenfünfte bis 158 Sekunden vor Schluss 3:2. Doch der HC Thurgau ist auch labil. 30 schwache Sekunden reichten, um gegen die Jurassier den schon fast sicher geglaubten Heimsieg aus den Händen zu geben. In der 58. Minute machte Ajoie durch Treffer von Reto Schmutz und Alain Birbaum aus dem 2:3 ein 4:3 und fügte dem HCT damit die erste Niederlage nach vier Siegen zu. Beide Male war die Defensive des Heimteams zu wenig bei der Sache, liess den Gegner schon zu einfach ins eigene Drittel eindringen.

Vier ausgeglichene Reihen bringen Ajoie in Bedrängnis

So bitter das Resultat für die Thurgauer ist: Sie können aus dieser Partie viel Wertvolleres schöpfen als den Frust von verschenkten drei Punkten. Gegen den Swiss-League-Leader Ajoie zeigte sich einmal mehr die grosse Stärke des HCT in dieser Saison. Keine der vier Linien ragt aus dem Kollektiv heraus, weil alle vier Reihen gleich abwehrstark und torgefährlich sind. Diese Ausgeglichenheit, die sich andere Teams nur wünschen können, macht den HC Thurgau sehr schwierig auszurechnen. Wenn die nimmermüden Ausländer T.J. Brennan und Jonathan Ang für einmal nicht treffen, springen andere in die Bresche. Wie Adrian Wetli beim 1:0-Führungstreffer in der zweiten Minute (auf Zuspiel von Patrick Brändli und Martin Ness). Oder Frantisek Rehak, der mit dem 2:2 kurz nach Spielmitte die zwischenzeitliche Führung Ajoies zunichte machte. Die herrliche Vorarbeit war von Adam Rundqvist gekommen.

Der HC Thurgau kann wieder Powerplay

Thurgaus Treffer, der den Sieg hätte bedeuten können, erzielte Joel Scheidegger in der 47. Minute im Powerplay mit einem satten Schuss von der blauen Linie. Mattia Hinterkircher hatte Ajoies Goalie Tim Wolf die Sicht verdeckt. Es war dies die zweite und letzte Überzahlgelegenheit der Thurgauer in diesem Spiel. Und es machte deutlich, wie der HCT eine lange Zeit verlorene Waffe zurückgewonnen hat.

Die bittere Note nach dem 3:4 bleibt. Auch weil die oft so überzeugenden Jurassier müder als sonst auftraten und auch deswegen zu packen gewesen wäre. Doch in diesem Spiel entschieden nicht die schnelleren Beine der Thurgauer sondern der wachere Geist der Ajoulots, die dank des Doppelpacks am Schluss Platz ein gegenüber Kloten verteidigen. Für den HCT hat die Niederlage keine Auswirkungen auf den Tabellenplatz. Dennoch schrumpfte der Vorsprung auf Platz sieben auf sieben Punkte. Das Schlussprogramm hat es definitiv in sich.

Rundqvist bleibt bis 2023 - Rapperswil-Jona löst B-Lizenzen

(mat) Adam Rundqvist bleibt dem HC Thurgau vorerst bis 2023 erhalten. Der 30-jährige Schwede mit Schweizer Lizenz hat seinen Vertrag mit dem Swiss-League-Klub aus Weinfelden vorzeitig um zwei weitere Saisons verlängert. Der HC Thurgau hatte den Center 2018 unter Vertrag genommen, nachdem er von La Chaux-de-Fonds als zu wenig gut eingestuft worden und in die My Sports League zu Uni Neuchâtel abgeschoben worden war. Rundqvist (138 Spiele, 27 Tore, 41 Assists) ist bekannt für seine Bullystärke und ein wichtiger Eckpfeiler in den Überzahl- und vor allem den Unterzahlsituationen. Zudem gehört der Sohn des zweifachen schwedischen Weltmeisters und früheren NHL-Profis Thomas Rundqvist der Captainsgruppe des HC Thurgau an. Im Hinblick auf das Playoff/Playout in der NLA hat sich Thurgaus Partnerteam Rapperswil-Jona die B-Lizenz von sechs HCT-Spielern gesichert: Stürmer Jonathan Ang (CAN), Dominic Hobi und Mattia Hinterkircher, Verteidiger Joel Scheidegger sowie die beiden Goalies Nicola Aeberhard und Bryan Rüegger. Die Thurgauer werden den Lakers nach dem Playoff-Ende des HCT in der Swiss League zur Verfügung stehen.

Thurgau – Ajoie 3:4 (1:2, 1:0, 1:2)

Güttingersreuti, Weinfelden – Keine Zuschauer – SR Eichmann/Weber, Bachelut/Meusy.
Tore: 2. Wetli (Brändli, Ness) 1:0. 6. Hofmann (Macquat, Riat) 1:1. 15. Devos (Hazen) 1:2. 33. Rehak (Rundqvist) 2:2. 47. Scheidegger (Ang/Ausschluss Pouilly) 3:2. 58. (57:22) Schmutz (Hazen, Devos) 3:3. 58. (57:51) Birbaum (Joggi) 3:4.
Strafen: 3-mal 2 Minuten plus 10 Minuten (Janik Loosli) gegen Thurgau, 2-mal 2 Minuten gegen Ajoie.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Soracreppa; Wildhaber, Fechtig; Scheidegger; Molina; Schmutz; Hinterkircher, Ang, Janik Loosli; Bischofberger, Hobi, Spannring; Wetli, Ness, Brändli; Rehak, Rundqvist, Baumann; Hollenstein.
Ajoie: Wolf; Pouilly, Birbaum; Joggi, Rouiller; Eigenmann, Stemer; Hofmann; Reto Schmutz, Devos, Hazen; Huber, Mäder, Roberts; Schnegg, Frossard, Frei; Zwissler, Macquat, Riat; Camichel.
Bemerkungen: Thurgau ohne Hulak, Moor, Moser, Mosimann, Parati, Rüegger, Schmuckli (alle verletzt), Fritsche, Kellenberger, Lanz, Schnyder (alle überzählig) und Michael Loosli (Rapperswil-Jona/NLA), dafür mit Ness (Rapperswil-Jona/NLA). – Ajoie ohne Casserini, Hauert und Muller (alle verletzt). – 11. Hazen schiesst Penalty an die Latte. – 24. Pfostenschuss Brennan. – 39. Pfostenschuss Huber. – 42. Lattenschuss Joggi. – Thurgau ab 58:35 ohne Goalie. – 59:55 Timeout Thurgau.

Nächstes Spiel. Samstag, 17.30 Uhr: Langenthal – Thurgau.