Swiss League
1:4 gegen La Chaux-de-Fonds: Thurgaus Kampf um einen Playoff-Platz verschiebt sich in den Kopf

Der HC Thurgau kassiert im Spiel gegen La Chaux-de-Fonds die dritte Heimniederlage in Serie. Damit rückt Platz sechs, der als letzter für einen direkten Playoff-Platz garantiert, langsam in die Ferne. Wieder erzielen die Ostschweizer zu wenig Tore. Chancen wären mehr als genug vorhanden gewesen.

Matthias Hafen
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Thurgaus Adrian Wetli wird gleich von zwei Chaux-de-Fonniers bedrängt.

Thurgaus Adrian Wetli wird gleich von zwei Chaux-de-Fonniers bedrängt.

Mario Gaccioli

So läuft's, wenn's nicht läuft. Fast 30 Minuten lang war der HC Thurgau drückend überlegen im Heimspiel gegen den HC La Chaux-de-Fonds. Die Mannen von Headcoach Stephan Mair feuerten Schuss um Schuss aufs Tor von Stéphane Charlin. Zählbares kam dabei aber nicht heraus. Der ausgeliehene Nachwuchs-Goalie des NLA-Klubs Genf-Servette war nicht zu bezwingen. Cyrill Bischofberger backhand (8.), Captain Dominic Hobi mit einem verdeckten Schuss (10.), Adrian Wetli mit der grössten dieser Chancen (12.), Jason Fritsche mittels verzögertem Schlenzer (14.) oder Mattia Hinterkircher im Zusammenspiel mit Adam Rundqvist (17.): Die Thurgauer waren nicht nur aktiv, sie waren auch kreativ. Manchmal fehlte die Genauigkeit, doch meist war ihnen an diesem Samstagabend das Glück nicht hold.

14:9 lautete das Schussverhältnis nach dem ersten Drittel. Zu Gunsten des HC Thurgau. Hätte man die gefährlichen Torchancen gezählt, hätte es 14:0 gestanden. Und dennoch führten die Gäste aus La Chaux-de-Fonds nach 20 Minuten 2:0. Schon nach 51 Sekunden lag der Puck im Netz von HCT-Torhüter Nicola Aeberhard. Der Weitschuss von Verteidiger Yanick Stampfli schien von der Tribüne aus haltbar. Den frühen Schock verdaute das Heimteam gut, kam wie erwähnt zu zahlreichen Topchancen und war auf bestem Weg, trotz 0:1-Rückstand mit einem guten Gefühl in die erste Drittelspause zu gehen. Doch 94 Sekunden vor Drittelsende musste Bernhard Fechtig wegen Behinderung auf die Strafbank. Und La Chaux-de-Fonds nutzte sein erstes Powerplay zum 2:0 - 57 Sekunden vor der rettenden Sirene. Topskorer Timothy Coffman hatte einen Ablenker im Netz versenkt.

La Chaux-de-Fonds strotzte vor Selbstvertrauen und Selbstsicherheit

Oft heisst es, nicht immer gewinne das bessere Team. Doch die Frage lautet: Welches ist denn das bessere Team? Jenes, das optisch und spielerisch überlegen ist, aus seinen Chancen aber keinen Profit schlägt? Oder jenes, das in vielerlei Hinsicht unterlegen ist, dafür aber seine wenigen Chancen nutzt? Die Neuenburger jedenfalls waren nach fünf Siegen aus den vergangenen sechs Begegnungen an Effizienz nicht zu übertreffen. Und der HC Thurgau musste einsehen, dass im Kampf um Rang sechs und den letzten direkten Playoff-Platz, das Selbstvertrauen ein entscheidender Faktor sein wird.

Nach einem frühen Gegentreffer zeigte Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard mehrere starke Paraden.

Nach einem frühen Gegentreffer zeigte Thurgaus Goalie Nicola Aeberhard mehrere starke Paraden.

Mario Gaccioli

Thurgaus Sturmlauf stoppte auch im Mitteldrittel nicht. Topskorer Frantisek Rehak probierte es mit einem Weitschuss, Sebastiano Soracreppa provozierte mit einem Tempovorstoss beinahe ein Eigentor der Neuenburger und schliesslich hexte auch noch Goalie Aeberhard, indem er Jérémie Bärtschi mit einem Hechtsprung im Stile eines Fussballgoalies stoppte.

Captain Hobi geht mit gutem Beispiel voran

Gegen Spielmitte nahm das Tempo im Spiel des HCT jedoch merklich ab. Kein Team kann eine solche Intensität über 60 Minuten durchziehen. Und prompt stand der lauernde HC La Chaux-de-Fonds bereit. Als ein Wechsel der Thurgauer nicht ausgeführt werden konnte, wurden die Beine der Spieler schwerer und schwerer. Die Gäste zogen bei fünf gegen fünf ein Powerplay auf und kamen durch Arnaud Jaquet zum 3:0. Das war absehbar.

Die Pappnasen auf der Zuschauertribüne liessen sich die Laune auch vom Resultats nicht verderben.

Die Pappnasen auf der Zuschauertribüne liessen sich die Laune auch vom Resultats nicht verderben.

Matthias Hafen

Mit der zweiten Powerplay-Chance hielt der HCT die Hoffnung auf einen Punktgewinn am Leben. Captain Hobi ging mit gutem Beispiel voran und lenkte die Vorarbeit von David Wildhaber zum 1:3 ins gegnerische Tor. Das Überzahlspiel war so eigenartig genial, dass es eingeübt worden sein muss. Thurgau war also auch im Schlussdrittel noch im Spiel. Doch jetzt reichte die Kraft nicht mehr, um nochmals eine Dominanz wie im ersten Drittel auszuüben.

Bei Spannrings Konter stockt der Atem

Es brauchte einen Lucky Punch. Und diesen hatte Rückkehrer Patrick Spannring in der 48. Minute auf dem Stock. Der Stürmer luchste Stampfli in Unterzahl (!) an der eigenen blauen Linie den Puck ab, lief solo auf Goalie Charlin los und scheiterte, nachdem er wohl nicht ganz regelkonform bedrängt worden war. Und so brachte der HC La Chaux-de-Fonds den Vorsprung über die Zeit, erhöhte 73 Sekunden vor Schluss mit Mathias Trettenes' Tor ins leere Gehäuse gar noch auf 4:1. Einmal mehr scheiterte der HCT an seiner fehlenden Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor. Wenngleich er an diesem Abend ein bisschen mehr Glück verdient gehabt hätte.

Thurgau – La Chaux-de-Fonds 1:4 (0:2, 1:1, 0:1)

Güttingersreuti, Weinfelden – Keine Zuschauer – SR Fausel/Ruprecht, Dufner/Nater.
Tore: 1. (0:51) Stampfli (Trettenes) 0:1. 20. (19:03) Coffman (Achermann, Delémont/Ausschluss Fechtig) 0:2. 30. Jaquet (Hasani, Achermann) 0:3. 38. Hobi (Wildhaber, Fechtig/Ausschluss Coffman) 1:3. 59. Trettenes (Achermann) 1:4 (ins leere Tor).
Strafen: 3-mal 2 Minuten plus Spieldauer (Wildhaber) gegen Thurgau, 2-mal 2 Minuten gegen La Chaux-de-Fonds.
Thurgau: Aeberhard; Brennan, Wildhaber; Fechtig, Scheidegger; Schmuckli, Soracreppa; Schnyder; Spannring, Hobi, Rehak; Hinterkircher, Rundqvist, Mosimann; Baumann, Brändli, Janik Loosli; Bischofberger, Fritsche, Lanz; Wetli.
La Chaux-de-Fonds: Charlin; Jaquet, Barbero; Delémont, Stampfli; Prysi, Ahlström; Zubler; Hasani, Coffman, Augsburger; Bogdanoff, Trettenes, Sopa; Dubois, Privet, Bärtschi; Volejnicek, Achermann, Bouchareb.
Bemerkungen: Thurgau ohne Hollenstein, Hulak, Michael Loosli, Molina, Moor, Moser, Parati, Schmutz (alle verletzt) und Kellenberger (überzählig). La Chaux-de-Fonds ohne Kühni, Voirol, Iglesias, Karaffa, Ritz und Wyss (alle verletzt). – 37. Schuss von Trettenes ans Lattenkreuz. – Thurgau von 57:09 bis 58:47 ohne Goalie. – 57:43 Timeout Thurgau.

Nächstes Spiel. Montag, 18.30 Uhr: Sierre – Thurgau.