Profi-Camp mit Thurgau Indien Ladies: Swiss Ice Hockey setzt stärker auf die Frauen und weckt damit Olympiaträume

Der Schweizer Verband stärkt das Fraueneishockey mit einer Academy in Cham. Zum neuen Förderpool von zwölf Spielerinnen gehören auch zwei des NLA-Teams Thurgau Indien Ladies. Sie schwärmen von den professionellen Bedingungen, sehen sich aber gleichzeitig in der Verantwortung.

Matthias Hafen aus Cham
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Die zwölf Förderpool-Spielerinnen sowie vereinzelt Gastspielerinnen trainieren gemeinsam in Cham.

Die zwölf Förderpool-Spielerinnen sowie vereinzelt Gastspielerinnen trainieren gemeinsam in Cham.

Bild: Jonathan Vallat/Swiss Ice Hockey Federation

Der Montag war ein besonderer Tag für das Schweizer Fraueneishockey. Im kleinen Rahmen und mit bescheidenem öffentlichem Interesse lud der natio­nale Verband Swiss Ice Hockey zum Kick-off der Women’s Hockey Academy. Zwölf der talentiertesten Schweizer Eishockeyanerinnen trainieren unter Colin Muller an drei Tagen pro Woche im OYM in Cham. Zu ihnen gehören auch Stefanie ­Wetli und Nicole Vallario vom NLA-Team Thurgau Indien Ladies sowie als Gastspielerinnen deren Teamkolleginnen Ladina Staub und Janine Alder.

Das komplett neu erstellte Trainingscenter OYM (steht für «On your marks»), quasi ein privat finanziertes Magglingen, bietet nebst einer Eishalle, einer Dreifachturnhalle und spezialisierter Infrastruktur für Athletiktraining und Rehabilitation auch 25 Doppelzimmer im gehobenen Hotel-Standard.

Verband erhofft sich eine Signalwirkung

Mit der Einmietung der zwölf Förderpool-Spielerinnen in Cham will Swiss Ice Hockey den Stellenwert des Schweizer Fraueneishockeys nachhaltig stärken. «So können wir unsere Spielerinnen gezielt und individuell fördern, um mittel- und längerfristig auf Stufe der Nationalmannschaften zur Weltspitze aufzuschliessen», sagt Daniela Diaz, Leiterin des Projekts. Nationalteam-Direktor Lars Weibel ergänzt: «Wir schlagen mit der Swiss Women’s Hockey Academy einen Anker ein. Er soll auch Signalwirkung haben.»

Denn noch fehlt es dem Schweizer Fraueneishockey an Breite. Und die Rekrutierung an der Basis durch die Klubs kann auch eine Akademie des nationalen Verbands nicht einfach so ersetzen. «Aber wir wollen als Verband den Anfang machen», sagt Patrick Bloch, ehemaliger Geschäftsführer des HC Thurgau und seit einem Jahr CEO von Swiss Ice Hockey. «Wir schaffen Voraussetzungen, damit die Frauen und Mädchen hohe Ziele vor Augen haben können.» Kurzfristig wird eine Qualifikation für die Olympischen Spiele 2022 in Peking angestrebt. Hingegen geht es mit der Swiss Women’s Hockey Academy primär darum, im professioneller werdenden Fraueneishockey international den Anschluss nicht zu verpassen.

300'000 Franken pro Saison

Gemäss Lars Weibel ist das grosse Fernziel, das Schweizer Fraueneishockey auf Stufe Nationalteams so linear zu strukturieren wie bei den Männern – und zwar von der Spitze bis zur Basis. 300'000 Franken pro Saison lässt sich der nationale Verband das Projekt kosten. Ohne Hilfe von Swiss-Olympic-Fördergeldern und einer Selbstbeteiligung durch die Spielerinnen wäre das nicht möglich.

Die zwölf Schweizer Förderpool-Spielerinnen

Lara Christen (2002/ZSC Lions)
Mara Frey (2002/Langenthal, Bomo Thun)
Janine Hauser (2001/ZSC Lions)
Lena-Marie Lutz (2001/Reinach)
Alina Marti (2004/ZSC Lions)
Lisa Poletti (2004/Lugano)
Lisa Rüedi (2000/ZSC Lions)
Noemi Ryhner (2000/Lugano)
Caroline Spies (2002/Langenthal)
Nicole Vallario (2001/Thurgau Indien Ladies)
Stefanie Wetli (2000/Thurgau Indien Ladies)
Laura Zimmermann (2003/Bomo Thun)

Gastspielerinnen
Janine Alder (1995/Thurgau Indien Ladies)
Nele Bachmann (2003/ZSC Lions)
Zoe Merz (2002/Bassersdorf)
Nadine Hofstetter (1994/Reinach)
Evelina Raselli (1992/Lugano)
Ladina Staub (2002/Thurgau Indien Ladies)
Aurela Thalmann (2003/GCK Lions)

Stefanie Wetli: «Ich bin gerne ein Vorbild»

Stefanie Wetli, Verteidigerin, Thurgau Indien Ladies

Stefanie Wetli, Verteidigerin, Thurgau Indien Ladies

SIHF

Thurgaus Stefanie Wetli ist eine von zwölf Eishockeyspielerinnen, die in die Swiss Women’s Hockey Academy aufgenommen wurden. Die 20-Jährige trainiert am Montag und Dienstag ganztags in Cham, am Mittwoch- und Freitagabend mit dem NLA-Team Indien Ladies.

Was macht das Trainingsleben in Cham so besonders?

Stefanie Wetli: Ich habe so etwas noch nirgends erlebt. Es ist wie in einem Camp. Pro Tag haben wir normalerweise drei Off-Ice-Trainings und ein Eistraining. Dazu kommt eine professionelle Rundumbetreuung während der restlichen Zeit. Das ist perfekt.

Fühlen Sie sich dadurch auch als Vorbild für Ihre Teamkolleginnen bei den Thurgau Indien Ladies?

Primär fühle ich mich höchst geehrt, dass ich für diese Academy ausgesucht wurde. In unserem jungen Thurgauer Team bin ich schon aufgrund meiner Olympia-Teilnahme 2018 und der WM-Einsätze 2019 ein Vorbild. Das bin ich aber gerne.

Was nehmen Sie aus der Academy ins NLA-Team mit?

Das ist noch schwierig zu sagen, weil wir ja erst gerade angefangen haben in Cham. Es spricht aber nichts dagegen, dass ich gute Ideen aus der Academy auch in meinem Klubteam einbringen werde.

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