SVP-Frau mit grüner Ader wird höchste Kreuzlingerin

Am 13. Juni wird Judith Ricklin zur Präsidentin des Gemeinderats gewählt. In ihrem fünften Jahr im Parlament wird sie die Legislative präsidieren. Sie freut sich auf die Aufgabe.

Nicole D'Orazio
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Judith Ricklin wird die neue Präsidentin des Kreuzlinger Gemeinderats. Die Wildsauenhütte ist einer ihrer Lieblingsplätze. (Bild: Andrea Stalder)

Judith Ricklin wird die neue Präsidentin des Kreuzlinger Gemeinderats. Die Wildsauenhütte ist einer ihrer Lieblingsplätze. (Bild: Andrea Stalder)

Bei der Wildsauenhütte im Bernrainer Wald ist nur das Plätschern des Brunnens zu hören. Judith Ricklin mag den Ort und dessen Idylle. Sie kommt auf ihren Walkingrunden oder Spaziergängen oft hier vorbei. «Schwer vorstellbar, dass gleich hinter uns Autos und LKWs über die ‹Spange Bätershausen› brettern sollen», sagt sie und schaut auf die grosse Wiese. Die Kantonsstrasse soll eines Tages den Kreisel bei der Autobahn Kreuzlingen-Süd mit der geplanten Oberlandstrasse verbinden.

«Ich werde dem Projekt nur zustimmen, wenn die Strasse tiefergelegt oder überdacht wird. Ich denke, sonst hat es auch keine Chance», sagt sie.

«Es wäre sehr schade, wenn dieses Erholungsgebiet verloren ginge. Und an die Tiere muss man auch denken.»

Mit dieser Meinung überrascht die SVP-Gemeinderätin bestimmt den einen oder anderen Parteikollegen. Das ist jedoch typisch für die 47-Jährige, die im Rat schon öfter durch eine eigene Meinung aufgefallen ist. Sie ist eine Querdenkerin und lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Sie vertritt ihre Werte und weicht von der Parteimeinung auch mal ab.

Zum Beispiel war sie es, die vorschlug, den Jungbürgern ein Gratis-Busabo zu übergeben, und damit einen Vorschlag der CVP abänderte. «Ich fand es nicht fair, dass nur diejenigen eines erhalten sollen, die am Anlass teilnehmen.» Wenn man will, dass die Jungen den ÖV nutzen, müsse man auch etwas dafür tun.

Als Präsidentin wird sie mehr aufs Maul sitzen

Mit ihrer Meinung wird Ricklin in der neuen Legislatur allerdings etwas zurückhaltender sein. Denn in der ersten Sitzung am kommenden Donnerstag soll die bisherige Vize- zur Präsidentin gewählt werden. Diese soll vor allem die Sitzungen leiten und für Ordnung sorgen. «Es gibt sicher Themen, bei denen es mir schwer fällt, aufs Maul zu sitzen. Aber es ist ja nur für ein Jahr», sagt sie und lacht.

Auf das Amt freut sie sich und empfindet es als eine Ehre. «Ich hätte nie gedacht, dass ich überhaupt und dann noch so schnell zum Zug komme.» Für die Primarlehrerin ist es das fünfte Jahr im Gemeinderat. Sie ist gespannt, wie sich das neue Parlament präsentiert und wie viel sie zu tun haben wird. Der SVP ist sie ursprünglich beigetreten, weil sie angefragt wurde, ob sie als Mitglied der Sekundarschulbehörde kandidieren würde. Dann wurde es aber ein Mandat im Parlament.

«Ich habe schon immer mit der Partei sympathisiert», sagt sie. «Ich bin schon am richtigen Ort.»

Sie liebäugelt zudem mit einem Sitz im Grossen Rat. «Ich werde kandidieren», verrät Judith Ricklin. «Denn ich würde gerne vor allem bei Bildungsthemen auf kantonaler Ebene mitbestimmen.» Das Wissen hat sie. Die Kindergärtnerin bildete sich zuerst zur Primarlehrerin und Schulleiterin weiter, studierte Bildungswissenschaften und hat bald einen Master in Schulentwicklung. «Die Ausbildung in Managementfragen und Krisenintervention kommt mir nun bestimmt auch im Gemeinderat zu Gute», meint sie.

Sie ist sportlich und spielt Saxofon

Privat mag es Ricklin abwechslungsreich. Vor zwei Jahren hat sie als Leiterin bei der Gymnastik-Gruppe aufgehört. Um dennoch fit zu bleiben, turnt sie nun bei der Frauengruppe mit, ist im Wald unterwegs und macht Stepptanz. Zudem spielt sie seit bald 30 Jahren Saxofon bei den «Thunderbirds». Sie engagiert sich auch seit vielen Jahren bei der Rettung von Amphibien.

Aufgewachsen ist sie als Tochter eines Grenzwächters am Emmishofer Zoll. Für sie ist es daher normal, auch mal nach Konstanz zu gehen. «Ich finde es krass, dass man sich heute dafür fast schon rechtfertigen muss», bedauert sie. «Aber ich finde auch, dass Kreuzlingen im Umgang mit Konstanz selbstbewusster sein sollte. Wir sind mehr als deren Parkplatz.»

Erst zum vierten Mal eine Präsidentin

Judith Ricklin wird seit 1946 erst die vierte Frau an der Spitze des Kreuzlinger Gemeinderates sein, wie es aus der Statistik hervorgeht. Hanni Knüsel (1993/94, CVP) war die erste Präsidentin. Danach folgten nur Helene Eisenhut (2001/02, Freie Liste) und Edith Wohlfender (2006/07, SP).