Susanne Dschulnigg wieder an der Spitze der Evangelischen Kirche Kreuzlingen

Die ehemalige Präsidentin setzt sich in der Kampfwahl gegen den amtierenden Thomas Leuch durch.

Martina Eggenberger Lenz
Merken
Drucken
Teilen
Susanne Dschulnigg am Wahlsonntag im Garten ihres Zuhauses.

Susanne Dschulnigg am Wahlsonntag im Garten ihres Zuhauses.

Andrea Stalder

Nach vier Jahren Absenz kehrt Susanne Dschulnigg zurück an die Spitze der evangelischen Kirchgemeinde Kreuzlingen. Sie konnte am Sonntag im zweiten Wahlgang ihren Konkurrenten, den amtierenden Kirchenpräsidenten Thomas Leuch, abhängen.

Lag Dschulnigg nach dem ersten Wahlgang Mitte März nur gerade eine Stimme vor Leuch, so war das Ergebnis dieses Mal umso klarer. Die 71-Jährige konnte 379 Stimmen für sich gewinnen. Leuch kam auf 329. «Das ist ein tolles Resultat, das mich natürlich sehr freut», kommentiert die Wahlsiegerin das Ergebnis.

Behördenmitglieder schreiben Leserbriefe

Die Deutlichkeit des Resultats kommt nach der Pattsituation des ersten Wahlgangs überraschend. Auch Susanne Dschulnigg sagt, sie sei zuletzt unsicher gewesen, ob es ihr reichen würde. Der Wahlkampf hat sich auf Leserbriefe konzentriert, wobei die Voten für beide Seiten ausgeglichen waren. Ungewöhnlich ist, dass sogar aktive Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft sowie ehemalige und frisch gewählte Werbung für ihren favorisierten Kandidaten gemacht hatten. Auf die Frage, wie schwierig es sein wird, die Behörde zu einen, sagt Dschulnigg:

«Die unterschiedlichen Strömungen sind sichtbar. Die Kunst ist, allen ihren Raum zu geben und keinen zu erdrücken.»

Dass die Vorsteherschaft bei der ersten Sitzung einen Mediator beiziehen muss, glaubt die neue Präsidentin nicht. «Eine Behörde muss sich finden. Das braucht sicher Zeit. Aber: Aufgabe der Vorsteherschaft ist es, zu schauen, dass der Laden läuft. Fürs Geistliche sind die Pfarrer zuständig.» Susanne Dschulnigg macht deutlich, dass für sie das Wahlresultat auch eine Verpflichtung ist. Sie betont:

«Ich fange gleich morgen an.»

Als erstes will sie die Mitarbeitenden kontaktieren. Dann gehe es ans Aktenstudium und schliesslich will die neue Präsidentin auch auf die Mitglieder der Vorsteherschaft zugehen. Viel Zeit bis zum Amtsantritt im Juni bleibt nicht. «Glauben Sie mir, ich bin voll motiviert.»

Traditionalisten sind nicht in der Mehrheit

Dass es am Ende doch für sie gereicht hat und Thomas Leuch das Nachsehen hatte, führt die Wahlsiegerin darauf zurück, dass Kreuzlingen eine Stadt ist mit einer sehr vielfältigen Zusammensetzung der Kirchbürger. «Viele Steuerzahler wollen keine eng geführte Kirche, sind keine Traditionalisten. Es geht darum, zu definieren, welche Rolle Kirche heute noch spielt.»

Thomas Leuch ist nur noch bis Ende Mai im Amt.

Thomas Leuch ist nur noch bis Ende Mai im Amt.

(Bild: Donato Caspari)

Merklich enttäuscht reagiert der abgewählte Präsident. Eigentlich sei er zuversichtlich gewesen, meint Thomas Leuch. «Aber die Gegenseite hat offensichtlich mit Gewalt mobilisiert.» Dass er nicht weitermachen dürfe, sei schade für die Kirchenvorsteherschaft und die neu rekrutierten Leute. «Ich habe es gemacht, wie ich es gut fand. Ich war überzeugt von meiner Linie.» Leider habe er während der letzten Legislatur zu wenig Zeit für kreative Ansätze gehabt. Leuch hält fest:

«Ich werde gespannt und kritisch beobachten, wie viel besser nun plötzlich alles gemacht wird.»