SULGEN
Steuerfuss steht auf solider Basis: Trotz Corona sind die Finanzen in der evangelischen Kirchgemeinde noch im Lot

Die Rechnung 2020 der Evangelischen Kirchgemeinde Sulgen-Kradolf schliesst nur wenig schlechter ab als erwartet. Sie wurde an der Gemeindeversammlung einstimmig genehmigt.

Georg Stelzner
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Im historischen Sulger Dorfzentrum ist ein Wärmeverbund entstanden.

Im historischen Sulger Dorfzentrum ist ein Wärmeverbund entstanden.

Bild: Donato Caspari (Sulgen, 14. September 2018)

Wird die Pandemie das finanzielle Fundament der Kirchgemeinde erschüttern? Die Befürchtung war gross und sie war berechtigt. An der Gemeindeversammlung konnte Pfleger Joël Röthlisberger am Mittwochabend in der evangelischen Kirche im Sulger Oberdorf jedoch Entwarnung geben.

Fremdbestimmte Faktoren auf der Ausgabenseite

Die vom Coronavirus verursachte Krise hat in der Kasse zwar Spuren hinterlassen, dies aber in einem noch verkraftbaren Ausmass. So weist die Jahresrechnung zwar einen Aufwandüberschuss von 47'683 Franken aus, übersteigt den budgetierten Verlust damit aber lediglich um 4243 Franken. Der Pfleger lobte denn auch die erreichte Budgetgenauigkeit.

«Es war finanziell ein herausforderndes Jahr», stellte Röthlisberger unter Hinweis auf die fremdbestimmten Faktoren auf der Ausgabenseite fest. Zum Mehraufwand hätten vor allem die Übertragungen per Livestream im Internet sowie die Drucksachen für eine ursprünglich nicht geplante briefliche Abstimmung beigetragen. Auch beim Personal seien die Kosten wegen zusätzlicher Einsätze gestiegen.

Einhellige Zustimmung zur Jahresrechnung

Röthlisberger, der in den nächsten Jahren mit tieferen Steuererträgen rechnet, betonte, dass die Kirchgemeinde trotz der schwierigen Rahmenbedingungen «grundsätzlich gut aufgestellt» sei. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die positive Liquiditätssituation sowie die geringe Verschuldung.

Eine Notwendigkeit, den Steuerfuss anzupassen, besteht seiner Einschätzung nach derzeit nicht. Die von 51 Stimmberechtigten (Beteiligung: 2,6 Prozent) besuchte Gemeindeversammlung genehmigte die Jahresrechnung einstimmig. Der Verlust wird durch das Eigenkapital gedeckt. Dieses reduziert sich damit auf 638'731 Franken.

Disziplin während der Pandemie

Angesichts der aussergewöhnlichen Zeit mit ihren Herausforderungen bei der Bewältigung der Coronapandemie ging Kirchenpräsident Walter Berger auf einige Punkte in seinem schriftlich vorliegenden Jahresbericht nochmals kurz er. Die Vorsteherschaft sei durch die Krise auf eine harte Probe gestellt worden, räumte er ein. Bei allen Entscheidungen seien mehr denn je Qualitäten wie Ausdauer und Augenmass nötig gewesen.

Walter Berger, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Sulgen-Kradolf.

Walter Berger, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Sulgen-Kradolf.

Bild: PD
«Corona hat uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig der persönliche Austausch für das Gemeindeleben ist», sagt Kirchenpräsident Walter Berger.

Berger bezeichnete es als Gebot der Stunde, mit den vorhandenen finanziellen Mitteln haushälterisch umzugehen. Den Kirchbürgern dankte er für die Disziplin bei der Einhaltung der Covid-19-Schutzmassnahmen. Das vergangene Jahr habe zudem gezeigt, wie wichtig ein gutes Personal und ein gutes Pfarrteam sei.

Erneuerbare Energie: Wärmeverbund im Sulger Oberdorf

In einem separaten Traktandum informierte Walter Berger an der Gemeindeversammlung in seiner Eigenschaft als Leiter des Ressorts Liegenschaften über den Stand beim Ausbau des Wärmenetzes. «Es waren viele und intensive Verhandlungen nötig», sagte Berger eingedenk des Umstandes, dass mitten im historischen Dorfzentrum von Sulgen Leitungen verlegt werden mussten. Zu den bestehenden fünf Anschlüssen (Kirche, Kirchgemeindehaus, Poststrasse 26, Kirchstrasse 21 und Kirchstrasse 24) mit einer Gesamtleistung von 229 kW sind bis Oktober 2020 die folgenden Anschlüsse neu hinzugekommen: Liegenschaft Schulstrasse 1, die beiden Primarschulhäuser und die Mehrzweckhalle sowie – als Reserveanschluss im Hinblick auf eine spätere Realisierung – die Liegenschaft Poststrasse 18. Die zusätzliche Anschlussleistung beläuft sich auf 224 kW. Berger räumte ein, dass die Kirche mit 142 kW die Spitzenposition einnehme, intensiv geheizt werde jedoch nur vor Gottesdiensten. Um für jeden Bedarf gerüstet zu sein, könne ausser der Holzschnitzelheizung auch noch eine Gasheizung eingesetzt werden. Die zu erwartenden Projektkosten bezifferte Berger mit netto 201'841 Franken. Der Kostenvoranschlag hatte auf 232'000 Franken gelautet. (st)