Sulgen
Männer stellen sich in Schutzanzügen zur Verfügung: Die Selbstverteidigungskurse von Barbara Holzer dienen auch als Ventil

Seit zwanzig Jahren setzt sich die Sulgerin Barbara Holzer mit Selbstverteidigungskursen dafür ein, dass sich Mädchen und Frauen sicherer fühlen. Aus diesem Grund beteiligt sie sich auch an der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen».

Monika Wick
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Barbara Holzer (Mitte) und einige Teammitglieder der Organisation «WoA».

Barbara Holzer (Mitte) und einige Teammitglieder der Organisation «WoA».

Bild: PD

Vor dreizehn Jahren lancierte die feministische Friedensorganisation cfd erstmals die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» in der Schweiz. Seither koordiniert sie die Umsetzung der Kampagne in der Deutschschweiz und Liechtenstein und arbeitet dafür mit bis zu hundert Menschenrechts- und Frauenorganisationen zusammen. Die Kampagne startet jedes Jahr am 25. November, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, und endet am 10. Dezember mit dem Tag der Menschenrechte. Während der 16 Tage, die dazwischen liegen, finden unzählige Aktionen statt, die die Sicherheit von Frauen und Mädchen fördern oder für die Thematik sensibilisieren sollen.

Eine Frau, die sich an der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» beteiligt, ist die Sulgerin Barbara Holzer. Am 4. Dezember von 14 bis 16 Uhr führt ­ihre Organisation «Weg ohne Angst» (WoA) im Dojo der alten Turnhalle des Sekundarschulzentrums Thomas Bornhauser in Weinfelden einen Selbstverteidigungsschnupperkurs durch.

Selbstbewusstsein stärken

«Als junge Frau habe ich selber einen Kurs in Selbstverteidigung besucht und war sofort begeistert davon», erklärt Barbara Holzer. Einen ausschlaggebenden Grund, der sie dazu veranlasste, ein solches Angebot zu nutzen, gab es nicht. «Es war rein präventiv. Da ich sowieso eine sportbegeisterte Frau bin, habe ich es einfach ausprobiert», sagt die 52-Jährige.

Schnell hat Barbara Holzer gemerkt, dass ihr die Selbstverteidigungskurse auch als Ventil dienen, die ihr erlauben, Gefühle und Emotionen auszuleben, anstatt sie zu unterdrücken. Ein weiterer positiver Nebeneffekt war, dass sie sich fortan nicht mehr fürchtete, wenn sie spätabends im Zug fuhr oder laufen ging. «Die Kurse haben mein Selbstbewusstsein in Alltagssituationen gestärkt. Trotzdem ist es wichtig, immer wachsam und vorsichtig zu sein», erklärt Barbara Holzer. Da sie kritische Situationen immer frühzeitig erkannte, musste sie die in den Kursen erlernten Fähigkeiten in der Realität noch nie anwenden.

Professionelle Betreuung

Der Wunsch, die Power, die sie in den Kursen gespürt hat, an andere weiterzugeben, reifte in Barbara Holzer schon vor über zwanzig Jahren. Realität wurde er 2001 mit der Übernahme der Organisation WoA von Simone Kauth. Seit Beginn hat Barbara Holzer die Kurse mit Corinne Stuber geleitet. «Es ist uns wichtig, die Kurse zu zweit zu leiten, so können die Trainerinnen schwierige Situationen auffangen sowie auch Frauen mit Gewalterfahrungen professionell betreuen», erklärt sie. Heute engagieren sich über zehn Frauen und Männer für die Organisation WoA.
Während die Frauen die Kurse leiten, stellen sich die Männer in Schutzanzügen zur Verfügung, damit Übergriffsszenen realitätsgetreu dargestellt und Selbstverteidigungsmechanismen geübt werden können. «Die Übungen dienen nicht nur der Verhinderung von Übergriffen, sondern auch der Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins», stellt Barbara Holzer klar und fügt hinzu: «Denn schon ein selbstbewusstes und furchtloses Auftreten kann einen Übergriff oder einen Entreissdiebstahl verhindern.»

Barbara Holzer ist es wichtig, dass die Selbstverteidigungskurse bei WoA für alle Mädchen und Frauen erschwinglich sind. Dank der beinahe ehrenamtlichen Tätigkeit der Trainerinnen und Trainer können die Kosten niedrig gehalten werden. Auch bietet das Team Workshops und Referate für Firmen und Institutionen an. Unumstritten ist, dass Barbara Holzer und ihr Team ihre Arbeit für die Sicherheit von Mädchen und Frauen mit sehr viel Herzblut ausführen.

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