Sulgen
Für die Sulger Mountainbike-Brüder Walter war es eine Saison mit Unsicherheiten

Es war eine verkürzte Saison mit vielen Unsicherheiten. Die Mountainbiker Andrin und Simon Walter haben im Pandemiejahr den Rahmen der gebotenen Rennmöglichkeiten möglichst gut ausgenützt.

Hannelore Bruderer
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Andrin und Simon Walter.

Andrin und Simon Walter.

Bild: Hannelore Bruderer

Andrin und Simon Walter hatten sich gut auf die Saison 2020 vorbereitet. Doch dann kam im Frühling der Lockdown. Rennen um Rennen wurde abgesagt. «Da wir nicht wussten, ob und wann die Saison starten würde, mussten wir unser Training der neuen Situation anpassen. Konkret heisst das, körperlich so fit zu bleiben, dass man innert kurzer Zeit rennbereit ist. Man darf aber nicht zu viel Energie verbrauchen, damit man am Renntag noch Reserven abrufen kann. Wie man das erreicht, ist bei jedem Sportler individuell», erklärt Andrin Walter, der jüngere der beiden. Auch Simon Walter hat aus der aufgezwungenen längeren Trainingsphase das Beste gemacht und die Zeit ­genutzt, um an seinen Schwächen zu arbeiten.

Im Juli ging es endlich los

Anfang Juli ging es dann mit den ersten Testrennen los. «Normalerweise fahre ich so um die fünfzehn Rennen im Jahr, 2020 waren es nur sieben. In Deutschland waren zum Beispiel alle Rennen mit internationaler Besetzung abgesagt. Das einzige Weltcup-Rennen, das ich im Ausland bestreiten konnte, fand Ende September in Tschechien statt», sagt Simon Walter. Diese internationalen Rennen seien für das eigene Gefühl und die weitere Karriere enorm wichtig, betont er. Der Weltcup in Tschechien verlief für ihn allerdings nicht optimal. Im ersten Rennen kam er nicht richtig auf Touren und im zweiten machte ihm ein Kettenbruch einen Strich durch die Rechnung. Mit dieser Leistung reichte es nicht für einen fixen Platz der Schweizer U23-Fahrer für die Europameisterschaft im eigenen Land. Simon Walter wurde als Ersatzfahrer selektioniert.

Als Ersatzfahrer nachgerückt

Während sich sein Bruder Andrin in Rivera im Tessin für seinen EM-Einsatz bei den U19-Fahrern vorbereitete, blieb Simon Walter in Sulgen und ging seiner Arbeit und seinem normalen Training nach. «Alle selektionierten Fahrer waren negativ auf das Coronavirus getestet worden und auch sonst ist es recht unwahrscheinlich, dass ein Ersatzfahrer bei einer Meisterschaft nachrückt. So eine Chance gibt man nur auf, wenn es gar nicht anders geht», sagt Simon Walter. Völlig überraschend erhielt er 24 Stunden vor dem Rennen an seinem Arbeitsplatz einen Anruf des Nationaltrainers. Ein Fahrer war ausgefallen, Simon Walter durfte an der EM teilnehmen.

Nun musste alles schnell gehen. Die aufkommende Hektik legte sich beim Radsportler dann aber bei der Anfahrt ins Tessin. «Wider Erwarten konnte ich mich gut entspannen. Die Zeit reichte noch für eine Testfahrt und ich war froh, dass ich die Strecke von früheren Rennen her schon kannte», sagt der 20-Jährige. Am Rennen hätten sich seine Beine in den ersten zwei Runden noch müde angefühlt, doch dann sei er immer besser ins Rennen gekommen. Simon Walter erreichte den 21. Schlussrang. «Damit bin ich sehr zufrieden», sagt er. Am nächsten Tag verfolgte er das Rennen seines Bruders.

Technisch anspruchsvoll

Andrin Walter fuhr in Rivera sein erstes Europameisterschaftsrennen. «Anders als die Teilnehmenden aus dem Ausland hatte das Schweizer Team die Möglichkeit, bereits die ganze Woche vor dem Rennen auf der Strecke zu trainieren. Die Strecke ist steinig und technisch schwierig», sagt er. Da er in diesem Jahr nur wenige Weltcup-Punkte sammeln konnte, musste Andrin Walter weit hinten im Feld starten. Mit Können, aber auch dem nötigen Glück, wich er den gestürzten Fahrern aus, die vor ihm gestartet waren, und machte Boden gut. Am Schluss landete er auf dem 23. Rang. Ein grosser Erfolg, wie er sagt. Besonders begeisterte ihn auch die grosse Unterstützung durch den Verband, die die Fahrer an der EM genossen. Er habe in der Vorbereitungswoche viel gelernt und Erfahrungen sammeln können, blickt Andrin Walter auf seinen Saisonhöhepunkt zurück. Von diesen Erfahrungen will er profitieren, wenn er im nächsten Jahr in der U23 starten wird.

In der nächsten Saison werden die beiden Brüder weiterhin im eigenen Team Rennen bestreiten. «Wir haben mit mehreren Teams verhandelt. Eines hat kurzfristig abgesagt, andere boten uns zu wenige Vorteile oder es passte einfach nicht», erklärt Simon Walter. Ihr eigenes Team wollen sie nun professioneller ausbauen und suchen dafür weitere Sponsoren.