SULGEN
Dritte Oberstufe der Sekundarschule Befang thematisiert häusliche Gewalt

In Kurzreferaten präsentierten die Jugendlichen in den letzten Wochen ihre Vertiefungsarbeiten ihren Mitschülerinnen und Mitschülern der unteren Klassen. Ein Hauptaugenmerk galt der Prävention.

Hannelore Bruderer
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Die referierenden Jugendlichen stellen sich den Fragen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.

Die referierenden Jugendlichen stellen sich den Fragen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.

Bild: Hannelore Bruderer (Sulgen, 22. Januar 2021)

Blaue Flecken und blutende Lippen – die körperliche häusliche Gewalt schwappt am ehesten sichtbar an die Oberfläche. Es gibt aber weitere Formen, die oft verborgen bleiben, so die soziale, sexuelle und verbale häusliche Gewalt.

Im Oktober starteten die Klassen der dritten Oberstufen der Volksschulgemeinde Region Sulgen mit dem Projekt «Prävention häusliche Gewalt». Wie erkennt man sie? Wie kann man ihr vorbeugen? Wo kann sich ein Opfer Hilfe suchen? Solche und ähnliche Fragen standen im Fokus.

Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei

«Unsere Präventionsarbeit haben wir breit abgestützt», sagt Barbara Dudli, Schulsozialarbeiterin bei der VSG Region Sulgen. «Zusammen mit der Offenen Jugendarbeit Common haben wir auf das Projekt ‹Keine Daheimnisse› des National Coalition Building Institute (NCBI) zurückgegriffen. Viel Arbeit ist schulintern von der Schulleitung, den Lehrpersonen und der Schulsozialarbeit geleistet worden. Zwei Lektionen gestaltete zudem die Fachstelle Häusliche Gewalt der Kantonspolizei Thurgau.»

Da häusliche Gewalt nicht nur Jugendliche, sondern die ganze Gesellschaft betrifft, liegt der Schulsozialarbeiterin viel daran, das Umfeld der Jugendlichen einzubeziehen und auf das Thema zu sensibilisieren. Umso mehr bedauert sie, dass der geplante Elternabend mit dem Referat einer Fachperson und den Präsentationen der Jugendlichen aus ihren Vertiefungsarbeiten aufgrund des Versammlungsverbotes nicht wie geplant durchgeführt werden konnte.

Verteilt auf sechs Klassenzimmer

Zumindest ihre Präsentationen durften die Jugendlichen in der letzten Woche dann doch noch halten, und zwar vor den Schülerinnen und Schülern der ersten und zweiten Sekundarklassen.

Zeitgleich in sechs Klassenzimmern traten die Referierenden vors Publikum. So auch im Schulzimmer der 1NC von Markus von Siebenthal. Die jungen Referentinnen und Referenten brachten nicht nur unterschiedliche Themen auf den Punkt, sondern nutzten auch die vielfältigen Präsentationsmöglichkeiten, die ihnen zur Verfügung standen.

Nachdem Shakir alle begrüsst und den Ablauf der Referate erläutert hatte, stellte Pascale den Flyer mit dem Slogan «Lieber laut und mit Courage als alleine mit ’nem Schlag» vor. Auf der Rückseite des Flyers sind die Kontaktdaten der wichtigsten Anlaufstellen für häusliche Gewalt aufgeführt.

Kritik an Willkür der Erwachsenen

Mit «Kinder- und Menschenrechte» erläuterte Nils, dass Kinder- und Jugendliche einen besonderen Schutz geniessen, der in der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten ist. Er wies aber auch darauf hin, dass viele Minderjährige trotz dieser Konvention der Willkür Erwachsener weiterhin ausgesetzt sind. Amel präsentierte der Klasse einen selbst gedrehten Werbespot.

«Wir sind gegen häusliche Gewalt!»

wiederholen darin zwei Jugendliche eindringlich und überzeugend mit geradem Blick in die Kamera.

Mit den Schicksalen der Sängerinnen Rihanna und Melanie Brown zeigt Sara auf, dass auch Berühmtheit nicht vor häuslicher Gewalt schützt. Die beiden Sängerinnen hatten ein weitverbreitetes Tabu gebrochen und publik gemacht, dass sie von ihren Partnern geschlagen wurden.

In der Präsentation grün unterstrichen waren die Gemeinsamkeiten in den beiden Schilderungen. Sie decken sich mit den Mustern der meisten solcher Taten, wie zum Beispiel das Leugnen und die Uneinsichtigkeit des schlagenden Partners.

Rollenspiel zum Thema Liebesbeziehung

Michelle kündigte das selbst gedrehte Video zum Thema «Gesunde und ungesunde Liebesbeziehungen» an. In ihrem Rollenspiel, das mit einigen Klischees behaftet war, zeigten vier Schülerinnen die Mechanismen einer ungesunden Liebesbeziehung auf, aber auch, wie man die Beziehung mit Hilfe von aussen auflösen kann.

Ramon ging in seinem Referat auf die Rolle der Polizei ein. Die Zahlen aus der Statistik sind eindrücklich. So verzeichnete die Schweiz im Jahr 2019 total 11'058 Geschädigte durch häusliche Gewalt. In 29 Fällen endeten die Übergriffe sogar tödlich.

88 Prozent der Täter sind Männer. Mit der Erklärung der Begriffe Antrags- und Offizialdelikt legte er dar, warum die Polizei nicht in jedem Fall eingreifen kann. Eine Intervention der Polizei spielten Jugendliche dann im folgenden Film nach, der von Janis angekündigt wurde.

Austausch mit Öffentlichkeit derzeit limitiert

Die Schulsozialarbeiterin hofft, dass die Eindrücke aus den Referaten zu weiteren Diskussionen anregen und dass die Jugendlichen diese auch nach aussen tragen. Das sei gerade jetzt besonders wichtig, da der Austausch zwischen Schule und Öffentlichkeit eingeschränkt ist. Barbara Dudli sagt:

«Als Schule ist es uns wichtig, dass unsere Haltung zum Thema häusliche Gewalt allen bewusst wird.»