SULGEN
Die Gemeinde geht mit gutem Beispiel voran und kooperiert fortan mit der Sonne

Das Elektrizitätswerk Sulgen hat für Einwohner der Gemeinde mit dem «Sulger Solarstrom» ein neues Produkt auf den Markt gebracht. Zu den ersten Kunden gehören die politische Gemeinde sowie die evangelische und die katholische Kirchgemeinde.

Hannelore Bruderer
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Walter Berger, Andreas Opprecht und Joseph Schurtenberger vor dem Begegnungshaus, auf dem eine Photovoltaikanlage installiert ist.

Walter Berger, Andreas Opprecht und Joseph Schurtenberger vor dem Begegnungshaus, auf dem eine Photovoltaikanlage installiert ist.

Bild: Hannelore Bruderer (Sulgen, Mai 2021)

Das Grundprinzip des neuen Angebots ist einfach: Solarstrom, der in Sulgen erzeugt wird, soll auch in der Gemeinde verbraucht werden. Nebst einigen Gross­anlagen auf den Dächern von Industrieunternehmen, die ihren Strom selbst ­vermarkten, sind in Sulgen derzeit rund 60 Photovoltaik-Kleinanlagen in Betrieb.

Sie produzieren in erster Linie Strom für den Eigenbedarf, den Rest kauft das EW Sulgen ein. Gemeindepräsident Andreas Opprecht rechnet damit, dass in Sulgen in Zukunft jährlich etwa zehn zusätzliche Kleinanlagen in Betrieb gehen werden.

Ab sofort ist der Solarstrom erhältlich

«Damit die Wertschöpfung im Ort bleibt, möchte unser Elektrizitätswerk diesen Solarstrom primär in Sulgen verkaufen und nicht zu Tiefstpreisen an die internationalen Strombörsen weitergeben», sagt Opprecht. «Den ökologischen Mehrwert von Solarstrom vergütet das EW Sulgen den Besitzern von Kleinanlagen, die sich meist auf Einfamilienhäusern und Gewerbebetrieben befinden, momentan mit 15 Rappen pro Kilowattstunde.»

Bei Stromkunden, die den sauberen Strom aus heimischer Produktion beziehen, fällt ein Mehrpreis von 5 Rappen pro Kilowattstunde an. Der «Sulger Solarstrom» kann von allen Einwohnern der Gemeinde ab sofort beim Elektrizitätswerk bezogen werden.

Auf einen entsprechenden Flyer, der Mitte April versandt wurde, sind schon erste Bestellungen eingegangen. Selbstredend fliesst nun auch bei allen gemeindeeigenen Liegenschaften «Sulger Solarstrom» aus den Leitungen.

Kirchgemeinden bevorzugen nachhaltige Energie

Bei den Kirchgemeinden setzt man schon länger auf nachhaltige Energie. «Wir haben im Oberdorf einen Holzschnitzel-Wärmeverbund in Betrieb, an den nun mit entsprechendem Ausbau auch die Schulliegenschaften angeschlossen werden, und auf dem Dach des Kirchgemeindehauses befindet sich eine Photovoltaikanlage», sagt Walter Berger, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Sulgen-Kradolf. «Mit dem neuen Produkt des EW Sulgen stammt nun auch der restliche Stromverbrauch für alle unsere Liegenschaften zu 100 Prozent aus Sonnenenergie.»

Auch für seinen Amtskollegen der katholischen Kirchgemeinde, Josef Schurtenberger, stand von Anfang an fest, dass man das Angebot «Sulger Solarstrom» nutzen wird. «Als öffentliche Körperschaft haben wir eine Vorbildfunktion. Betrachtet man den ökologischen Nutzen, so bewegt sich der Mehrpreis in einem bescheidenen Rahmen», ist Schurtenberger überzeugt.

Die Kirchendächer sind ungeeignet

Obwohl sich die grössten Dachflächen der kirchlichen Liegenschaften auf den Gotteshäusern befinden, sucht man dort Photovoltaikanlagen vergebens. Dies hat aber auch gute Gründe. Die evangelische Kirche in Sulgen sei in der Denkmalpflege als besonders schützenswertes Objekt ausgewiesen, erklärt Walter Berger. Aus diesem Grund habe die Kirchenvorsteherschaft eine solche Option nie ins Auge gefasst.

Die Vorsteherschaft der katholischen Kirchgemeinde hatte sich erst kürzlich im Zuge der Heizungssanierung intensiv mit dem Thema Energie befasst. «Da der grösste Teil der Dachfläche unserer Kirche von der Sonneneinstrahlung abgewandt ist, eignet sich das Dach nicht zur Gewinnung von Solarenergie», sagt Josef Schurtenberger. «Eine Kleinanlage befindet sich hingegen auf dem Pfarrhaus.» Zur Wärmeerzeugung in der Kirche und im Pfarrhaus ist eine Wärmepumpenheizung mit Erdgas-Kleinanlage in Betrieb.