Reportage

Die Suche nach dem Kitz im Grashaufen

Die Jagdgesellschaft Amlikon hat diese Woche erstmals mit Drohnen nach Rehkitzen gesucht. So rettet sie die Helfer Tiere vor dem Mäher.

Mario Testa
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Jagdrevier-Obmann Karl Schlierenzauer landet die Drohne mit der Infrarotkamera nach dem Flug über die Futterwiese.

Jagdrevier-Obmann Karl Schlierenzauer landet die Drohne mit der Infrarotkamera nach dem Flug über die Futterwiese.

(Bild: Mario Testa)

In 60 Metern Höhe zieht die Drohne ihre Bahn. Am Boden überwacht Jagdobmann Karl Schlierenzauer mit der Fernsteuerung das Fluggerät und verfolgt dabei auch das Videosignal der Infrarotkamera. «Halt stopp. Flieg ein bisschen zurück», ruft ihm Jagdaufseher Sandro Wellauer zu, der ebenfalls einen Monitor in den Händen hält. «Siehst du dort denn hellen Fleck?» – «Ja.» – «Ich schau’ mir das mal an.»

Die Fernsteuerung zeigt die vorprogrammierte Route der Drohne auf. Der obere Monitor zeigt das Videobild der Infrarotkamera.

Die Fernsteuerung zeigt die vorprogrammierte Route der Drohne auf. Der obere Monitor zeigt das Videobild der Infrarotkamera.

(Bild: Mario Testa)

Ziel des Teams ist es, Rehkitze aus den Futterwiesen zu holen, bevor diese gemäht werden. Den Kitzen droht im hohen Gras der Tod und die Bauern laufen Gefahr, dass das Futter vom verwesenden Kadaver vergiftet wird.

Schutz vor dem Mäher

Wellauer stapft los durchs hohe Gras. Begleitet wird er von Helfer Ernst Michel, der eine lange Stange mitträgt. «Mit dieser Stange markieren wir ein Rehkitz, wenn wir es finden. Kurz bevor der Bauer dann das Feld mäht, holen wir das Tier aus dem hohen Gras und setzen es am Waldrand ab, wo es seine Mutter wieder finden kann», erklärt Wellauer. Mit einem Harass, der über das Kitz gestellt wird, soll verhindert werden, dass es gleich wieder zurück ins hohe Gras flüchtet.

Sandro Wellauer und Franz Michel durchkämmen ein Feld, in dem sie aufgrund der Bilder der Infrarotkamera ein Rehkitz vermuten.

Sandro Wellauer und Franz Michel durchkämmen ein Feld, in dem sie aufgrund der Bilder der Infrarotkamera ein Rehkitz vermuten.

(Bild: Mario Testa)
«Wenn der Bauer dann gemäht hat, entfernt er den Harass und die Rehgeiss kann sich mit ihrem Kitz in ein neues Lager begeben.»
Sandro Wellauer, Jagdaufseher Revier Amlikon.

Sandro Wellauer, Jagdaufseher Revier Amlikon.

(Bild: Mario Testa)

Wellauer nähert sich dem weissen Punkt auf dem Bildschirm, plötzlich sind er und Michel selbst als weisse Punkte auf dem Bild zu sehen. «Das ist ein Lager eines Rehs, aber es ist verlassen», funkt er Karl Schlierenzauer zu, als er den Punkt erreicht. «Du kannst also weiterfliegen.» Weitere weisse Punkte auf dem Videosignal stellen sich im Verlauf der folgenden Minuten als weitere Nachtlager von Rehen, Dohlendeckel oder Wildschweinschäden heraus.

Ein junges Reh schaut aus dem hohen Gras. Es ist alt genug, um selber vor dem Mäher zu flüchten.

Ein junges Reh schaut aus dem hohen Gras. Es ist alt genug, um selber vor dem Mäher zu flüchten.

(Bild: Mario Testa)

Rehkitze findet die Gruppe in der Futterwiese unterhalb von Leutmerken keine. Drei Rehe spähen durchs hohe Gras in Richtung der Menschengruppe, dann nehmen sie Reissaus. «Das sind einjährige Jungtiere. Wenn sie noch da sind, ist es ein Zeichen dafür, dass die Rehgeiss ihr Kitz noch nicht gesetzt hat. Sonst hätte sie die älteren Jungtiere bereits vertrieben», sagt Karl Schlierenzauer und macht sich mit dem Suchtrupp auf zur nächsten Parzelle.

Jagdgesellschaft kauft zwei Drohnen

Zwei Drohnen zur Rehkitz-Suche hat sich die Jagdgesellschaft auf diese Saison hin angeschafft und zwei Suchtrupps gebildet. Die Drohnen sind mit Infrarotkameras ausgerüstet und kosten über 6000 Franken pro Stück. «Karl ist unser Drohnenpionier. Er hat sich das Fliegen in den vergangenen Monaten beigebracht und nun geht es los», sagt Sandro Wellauer. «Wir haben auch Instruktionen von Konstantin Fuchs und Martin Baumgartner bekommen, die diese Methode zur Rehkitz-Rettung schon länger einsetzen.»

Die Drohne ist auf der Unterseite zusätzlich mit einer Wärmebildkamera des Herstellers Flir ausgerüstet.

Die Drohne ist auf der Unterseite zusätzlich mit einer Wärmebildkamera des Herstellers Flir ausgerüstet.

(Bild: Mario Testa)

An diesem Morgen findet das Team keine Rehkitze. «Wegen der vergangenen kalten Tage haben die meisten Rehgeissen wohl noch gar nicht gesetzt», sagt Sandro Wellauer. «Aber in den nächsten Tagen ist es so weit.» Die Arbeit geht den Jägern und Helfern also nicht aus. Noch einige Wochen werden sie mit der Drohne losziehen, wenn ein Bauer ankündigt, eine Wiese mähen zu wollen.

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