Strenge Wochen für die Weinfelder Überfliegerin

Die Weinfelderin Joy Stiplovsek ist in ihrer Altersklasse die beste BMX-Fahrerin der Schweiz. Nun fährt sie an die Weltmeisterschaft.

Janine Bollhalder
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Joy Stiplovsek fliegt durch die Luft beim Training auf der BMX-Anlage in Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Joy Stiplovsek fliegt durch die Luft beim Training auf der BMX-Anlage in Weinfelden. (Bild: Mario Testa)

Für die meisten Schülerinnen und Schüler bedeuten die Sommerferien süsses Nichtstun. Nicht aber für Joy Stiplovsek. Die Zwölfjährige hat vor zwei Wochen an der Schweizer Meisterschaft teilgenommen, vergangenes Wochenende an den Europameisterschaften und nun bereitet sie sich auf die Weltmeisterschaft in Belgien vor

. «Ich trainiere drei bis viermal pro Woche», sagt Joy. In den Sommerferien trainiere sie jeweils am Morgen, fügt ihr Vater Manfred Stiplovsek an, «so hat sie am Nachmittag Zeit für ihre Freundinnen».

Joy fährt erst seit zwei Jahren BMX. Vorher habe sie getanzt. Aber: «Das hat mir einfach nicht gefallen», sagt die Weinfelderin. An der Wega habe sie dann das kleine Velo auf einem mobilen Pumptrack einmal ausprobiert und festgestellt, dass es voll ihr Ding sei.

Schneller Erfolg, schwierige Sponsorensuche

Bei Joy ist der Name Programm: Sie hat Freude am BMX-Fahren. Innert kürzester Zeit hat die Zwölfjährige mit den dunkelblonden Haaren und der gebräunten Haut grosse Erfolge eingefahren: dritter Platz bei der Europameisterschaft in Lettland und erster Rang bei der Schweizer Meisterschaft in Weinfelden.

«Joy hat keine Konkurrenz, daher fährt sie mit den Jungs und wird einfach separat gewertet»,

sagt Manfred Stiplovsek. Die Fünftklässlerin hat schon Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft: «Ich möchte Sport studieren», sagt sie. Ihr Vater denkt an eine Oberstufenzeit in der Sportschule Kreuzlingen. Der Österreicher engagiert sich sehr für das Hobby seiner Tochter: «Meine Frau und ich wechseln uns ab, um mit Joy an die Rennen zu fahren.»

Das Hobby sei sehr kostenintensiv, sagt Stiplovsek, Sponsoren zu finden schwierig. Joy aber ist im Internet auf die Plattform «I believe in you» (Ich glaube an dich) gestossen. «Da können Sportler einen Betrag publizieren und um Sponsoren werben. Jeder kann Geld spenden», erklärt sie. Ihr Ziel von 3200 Franken hat sie mit 23 Sponsoren sogar um 100 Franken übertroffen.

Weltmeisterschaft in Belgien

Joy Stiplovsek (Bild: Mario Testa)

Joy Stiplovsek (Bild: Mario Testa)

Am kommenden Sonntag fährt Joy nach Heusen-Zolder in Belgien. Dort wird sie gegen 50 andere Mädchen aus der ganzen Welt antreten. Besonders ausschlaggebend bei einem BMX-Rennen ist der Start, er entscheidet oft über den weiteren Verlauf des Rennens. Die Fahrerin muss sich genügend nach vorne über das Startgatter beugen, in Richtung der abfallenden Strecke – allerdings ohne hinunter zu fallen. Und dann entscheidet das Timing und der Spurt auf den ersten Metern. Joy übt diese Sprints im flachen Gelände.

Derzeit prangt auf ihrem Velo die Nummer 401. Kommende Saison wird bereits die Nummer 13 an dieser Stelle stehen. Diese zeigt, dass sie europaweit die Drittbeste in ihrer Altersklasse ist: «Je tiefer die Nummer, desto besser die Fahrerin», verrät Stiplovsek. Sollte sie an der WM in die Top Ten fahren, bekommt sie sogar eine einstellige Nummer.

Inzwischen hat Joy sich umgezogen, steht in Shorts neben ihrem Vater. Ihre Knie zeugen nicht von Prellungen oder Schürfungen. «Doch, doch. Ich falle in jedem zweiten Training», sagt sie und lacht.

Weinfelden: Einweihung des BMX-Parks

m Wochenende wurde der BMX und Bike Park in der Sportanlage Güttingersreuti eingeweiht. Zahlreiche Besucher verfolgten ein spektakuläres Showtraining und die 5. BMX Deutschschweizer Meisterschaft.
Desirée Müller