Streit auf dem Bodensee bei Romanshorn: «Es werden Einzelinteressen verfolgt, ohne auf langjährige Nutzungsrechte anderer Beteiligter Rücksicht zu nehmen»

Wakeboarden bei Romanshorn: Zwei Sportvereine haben ein Konzessionsgesuch für dieselbe Wasserfläche eingereicht.

Tanja von Arx
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Auf dem Wasser in den Sonnenuntergang: Hier vergnügt sich ein Wakeboarder auf dem Bodensee bei Berlingen.

Auf dem Wasser in den Sonnenuntergang: Hier vergnügt sich ein Wakeboarder auf dem Bodensee bei Berlingen.

Bild: PD

Zwei Anläufe für den geplanten Wakepark in Romanshorn sind bereits gescheitert. Das, obschon via Crowdfunding über 30000 Franken Sponsorengelder zusammengekommen sind (unsere Zeitung berichtete). Und es ist alles andere als sicher, ob es im dritten Anlauf dieses Jahr klappt. Wie Recherchen zeigen, hat der betreffende Wakeparkverein ein Konzessionsgesuch für eine Wasserfläche eingereicht, die sich mit der Betriebsfläche eines anderen Vereins überschneidet – der des alteingesessenen Wasserskiclub Romanshorn (WSCR). WSCR-Präsidentin Michaela Daffner sagt: 

«Im Moment fürchten wir um unsere Konzession.»

«Unser Gesuch um Verlängerung der seit über 50 Jahren immer wieder verlängerten Konzession, das wir bereits am 24. Juni vergangenen Jahres eingereicht haben, wartet noch immer auf Bewilligung und reist wohl von einem Amt zum anderen.»

Heinz Ehmann, Leiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung, Amt für Umwelt TG.

Heinz Ehmann, Leiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung, Amt für Umwelt TG.

Nana do Carmo

Vor dem Hintergrund stellen sich mehrere Fragen: Wer besitzt eine Konzession, und wer erhält die Konzession für die strittige Fläche? Heinz Ehmann, Leiter der Abteilung Gewässerqualität und -nutzung beim kantonalen Amt für Umwelt zuständig für die Konzessionsvergabe, sagt auf Anfrage: «Nachdem die auf zehn Jahre befristete Konzession für den WSCR Ende letzten Jahres abgelaufen ist und der Wakeparkverein nur eine Konzession für die Saison 2019 besass, verfügt momentan keiner der Vereine über eine Konzession.» Allerdings seien über die Stadt Romanshorn von beiden Vereinen Mitte Dezember neuerliche Gesuche eingegangen. «Diese befinden sich bei den einzelnen Fachstellen in Zirkulation zur Beurteilung», sagt Ehmann.

Kanton bittet an Runden Tisch

Abteilungsleiter Ehmann sagt, beide Vereine seien Mitte letzten Jahres unter Vermittlung der Stadt zusammengesessen und hätten die Situation miteinander besprochen.

«Sofern seitens der kantonalen Fachstellen gegen die Konzessionsgesuche keine Vorbehalte gemacht werden, sind wir bestrebt, beide Konzessionsgesuche zu bewilligen.»

Dies setze allerdings voraus, dass erstens ein Parallelbetrieb beider Anlagen möglich sei. «Dies werden wir im Rahmen der Konzessionsgesuche prüfen und mit den Vereinen und der Stadt am Runden Tisch anschauen.» Und dass zweitens während der öffentlichen Auflage keine Einsprachen eingehen würden. Ehmann sagt: «Die Frage, wer eine Konzession erhält, wenn ein Parallelbetrieb beider Anlagen nicht möglich ist, können wir momentan nicht beantworten, da die Stellungnahmen der kantonalen Fachstellen und der Gemeinde noch nicht vorliegen.»

WSCR-Präsidentin Daffner sagt auf Nachfrage: «Wir stellen fest, dass die jetzigen Eingaben und das Vorgehen der Wakeparker nicht den ursprünglichen Abmachungen der beiden Vereine entsprechen.» Es stelle sich die Frage, was die Initianten des Wakeparks mit diesem Vorgehen bezwecken würden.

«Offensichtlich werden Einzelinteressen verfolgt, ohne auf die langjährigen Nutzungsrechte anderer Beteiligter Rücksicht zu nehmen.»

«Wakepark-Eröffnung auf April geplant»

Auf die Rückfrage beim Wakeparkverein hin liest sich in einer automatisch weitergeleiteten Mail: «Wir sind aktuell in der Realisierungsphase – die Eröffnung des Wakeparks ist auf April 2020 geplant.» Die Fragen, weshalb der Wakeparkverein genau die zur Diskussion stehende Wasserfläche braucht, ob die Anlage nicht an einem anderen Ort aufgebaut werden könne und ob die Initianten denn kein schlechtes Gewissen gegenüber dem WSCR haben, weil es letztlich um die Existenz gehe, beantwortet der Verein anonym wie folgt: «Wir haben uns an der Generalversammlung des WSCR darauf verständigt, dass eine nachbarschaftliche Lösung angestrebt werden soll, die für beide Vereine genügend öffentlichen Raum zur Ausübung des Sports bereitstellt.»

Man sei überzeugt, dass beide Vereine voneinander profitieren würden, da sich die wassersportlichen Bedürfnisse über die Zeit verändert hätten. «Der WSCR hat die Sprungschanze seit Jahren nicht mehr installiert und den Wasserski-Slalom sehr selten bis gar nicht mehr.» Dafür werde mehr Wakesurfen und Wakeboarden mit dem Booten ausgeübt.

«Die Vorstandsmitglieder des Wakeparkvereins, gleichzeitig Vereinsmitglieder des WSCR, haben ein grosses Interesse daran, dass es ein breites öffentliches Wassersportangebot in Romanshorn gibt.» Die wassersportlichen Angebote des WSCR mit Bootsbetrieb und der Wakepark mit elektrisch betriebenem Lift würden sich sehr gut ergänzen.

Wasserskiclub Romanshorn: Mehr als Wasserski

Die Mitglieder des Wasserskiclubs Romanshorn fahren seit über fünfzig Jahren vor dem Gelände des Seeparks mit Booten Wasserski und Wakeboard. Sie wakesurfen auch und verbringen spasseshalber Zeit auf der Banane oder dem Tube, ebenso ihre Gäste. Die Aktivitäten sind umweltverträglich für See, Land und Bevölkerung, für das Areal gelten strenge Auflagen. (tva)

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