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Störche bleiben im Winter lieber im Thurgau - dieses Jahr so viele wie noch nie

Neun von zehn Storchenpaaren überwintern im Thurgau, anstatt in den Süden zu ziehen. Klimawandel und spanische Mülldeponien könnten ein Grund dafür sein.
Dinah Hauser
Ein Storch bezieht sein Nest in Sulgen. (Bild: Andrea Stalder, 26. April 2017)

Ein Storch bezieht sein Nest in Sulgen. (Bild: Andrea Stalder, 26. April 2017)

Mit dem Frühling kommen die Störche aus dem Süden zurück. Zumindest war das einmal so. Ob auf dem alten Turm des Brauhauses Sternen in Frauenfeld oder in Sulgen auf dem Sendemast: Überall im Thurgau waren Störche den ganzen Winter über präsent.

Gemäss der Gesellschaft Storch Schweiz sind neun von zehn Thurgauer Brutpaaren nicht weggezogen. «Es ist eigentlich nicht normal, dass Störche in der Schweiz überwintern. Aber wir beobachten dieses Verhalten in den letzten Jahren vermehrt», sagt Peter Enggist, Geschäftsführer von «Storch Schweiz».

Deswegen führt die Gesellschaft seit drei Jahren auch eine Winterzählung der Tiere durch. Wurden 2017 288 Störche gezählt, so waren es im Januar 2019 bereits 459. Besonders in der Ostschweiz würden verhältnismässig viele Störche nicht wegziehen. Laut Enggist ist dieses Phänomen aber nicht begründbar.

Viele Störche bleiben in Spanien hängen

Wenn die Störche denn wegziehen, so kommen sie früher wieder zurück. In der Vergangenheit trafen die Störche im März oder April ein. «Die ersten Störche sind nun aber bereits wieder hier», sagt Enggist. Zudem würden viele Störche nicht mehr bis nach Afrika ziehen. «In offenen Mülldeponien in Südspanien finden die Vögel viel Nahrung», sagt Enggist.

In den letzten Jahren sei damit begonnen worden, Deponien zu schliessen. Enggist vermutet darin einen möglichen Grund, warum Störche vermehrt in der Schweiz überwintern. «Auch der Klimawandel kommt den Störchen zugute», sagt Enggist.

«Sie finden hierzulande im Winter mehr Nahrung.»

Aber selbst wenn der Boden für ein paar Wochen gefroren wäre, sei dies für die Tiere kein Problem. «Beim Zug in den Süden frisst ein Storch teilweise einen Monat lang fast gar nichts», sagt Enggist. Wenn es aber zwei, drei Monate gefriere, werde es kritisch für den Storch: Die Nahrung geht ihm dann aus.

«Störche sind eigenwillig»

Auch die Egnacher Störche, welche sich nun wieder auf der Luxburg gemütlich gemacht haben (Ausgabe vom 26. Februar), sind über Winter geblieben. Das Paar hatte die Nisthilfen abgelehnt.

So auch ein Storch in Sulgen. Der Natur- und Vogelschutz-Verein Aach-Sitter-Thur hatte vor zwei Jahren eigens einen Horst aufgestellt. «Im Normalfall nehmen Störche Nisthilfen gerne an, aber der Platz muss ihnen passen», sagt Peter Enggist.

Dafür muss unter anderem eine Nahrungsquelle vorhanden sein. Der Storch ernährt sich von fleischlicher Kost. Von Würmern und Käfern bis hin zu Mäusen und Ratten landet alles auf dem Speiseplan. «Daher bevorzugen Störche Flächen, auf denen extensive Landwirtschaft betrieben wird. Ein grosses Biotop wäre aber auch eine Option», sagt Enggist.

Hitze stellt kein Problem dar

Der heisse und trockene Sommer 2018 kam den Störchen entgegen. «Die Jungvögel hatten bessere Überlebenschancen», sagt Enggist. Über 1000 Jungvögel hat die Gesellschaft gezählt – ein neuer Rekord. Auch mit dem warmen Februar kommen die Störche gut klar.

Falls es aber kalt sein sollte, nachdem die Jungen geschlüpft sind und nicht mehr genügend von den Eltern gedeckt werden können, gibt es Probleme. Vor vier Jahren sei genau dies eingetroffen. «Innerhalb von drei Tagen sind 80 Prozent der Jungvögel verendet.»

Das Bier von Meister Adebar

Im St. Gallischen Uznach nahe am Obersee finden sich die meisten Störche der Ostschweiz ein. 40 Brutpaare sind in der Gemeinde registriert und ziehen dort Jahr für Jahr ihre Jungvögel gross. Der Storch gehört in Uznach fest zum Landschaftsbild.

Aber auch im Thurgau ist Meister Adebar ein gerngesehener Gast. So hat etwa das Brauhaus Sternen in Frauenfeld ein eigenes Storchenbier – das Adebar Amber – im Angebot. Dies passt gut zum Storchenpaar, welches auf dem stillgelegten Braukamin nistet.

«Ein Storch war den ganzen Winter über hier», sagt Geschäftsleiter Stefan Mühlemann vom Sternen-Brauhaus. Er hofft, dass der andere wie jedes Jahr bald wieder zurückkehren wird. Ein Teil des Erlöses des Bierverkaufs geht an die Gesellschaft Storch Schweiz. Vor kurzem fand die erste Scheckübergabe in Höhe von 8000 Franken statt. (dh)

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