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Still sterben die Schmetterlinge

44 Prozent der Sommervögel stehen auf der Roten Liste. Es gibt Regionen im Thurgau, da sind sie fast nicht mehr existent. Trotzdem hat Experte Manfred Hertzog noch Hoffnung.
Ida Sandl
Immer mit der Kamera unterwegs: Schmetterling-Experte Manfred Hertzog. (Bild: Reto Martin)

Immer mit der Kamera unterwegs: Schmetterling-Experte Manfred Hertzog. (Bild: Reto Martin)

Manchmal ist Manfred Hertzog zum Weinen zumute. Wenn er ein paar Stunden zwischen Altnau und Uttwil unterwegs war. Bodensee, schönste Landschaft, aber kein einziger Schmetterling. Obwohl alles stimmt, die Temperatur, das Wetter. Es gibt Tage, da sehe er nicht mal eine Heuschrecke. Auch sie ist wichtig. Die einen können nicht sein ohne die anderen, so ist das nun mal in der Natur.

Manfred Hertzog aus Scher-zingen kennt sich aus mit Insekten. Er ist einer von sechs Experten, die im Auftrag des Kantons dokumentieren, wo im Thurgau welche Schmetterlinge vorkommen. Er erhält eine bestimmte Fläche zugeteilt, zwei Quadratkilometer gross. Die schreitet er regelmässig ab und notiert, was er entdeckt. Biodiversitätsmonitoring nennt sich das. Unter den Schmetterling-Experten ist Hertzog der Einzige, der nicht Biologie studiert hat. Sein Wissen hat er sich selber angeeignet. Er kann Libellen alleine aufgrund ihres Flugverhaltens unterscheiden.

Von den Schmetterlingen kennt er alle 60 Arten, die es im Thurgau gibt. Es sind kapriziöse Wesen. Sie kommen nur, wenn sie Nahrung finden. Jede Art hat ihre spezielle Pflanze, auf der sie die Eier ablegt. Darin liegt das Problem: Es gibt zu wenig Vielfalt auf den Wiesen. Überall nur noch Gelb. «Löwenzahn und Hahnenfuss, soweit man sieht», sagt Hertzog. Menschen mag das reichen, Schmetterlinge brauchen mehr.

Am Bodensee ist es besonders schlimm

196 verschiedene Tagfalter gibt es in der Schweiz. 44 Prozent davon stehen auf der Roten Liste oder sind ganz verschwunden. Bis letztes Jahr war Hertzog für das Gebiet zwischen Altnau und Uttwil zuständig. Vom Bodensee bis zum Waldrand. Es sei schlimm gewesen. «Alles kahl», fast keine Schmetterlinge. Er war schon froh, wenn er einen Weissling gesehen hat. Eine robuste Art, die nicht gefährdet ist. Die Schmetterlinge sterben still. Erst wenn sie lange fort sind, fällt den Menschen auf, welche Schönheit ihnen verloren gegangen ist. Doch mit den Faltern und anderen Insekten verschwinden auch die Vögel. Der Niedergang der Schmetterlinge fing an, als die Siloballen aufkamen, so sieht es Hertzog. Die Wiesen werden immer früher gemäht, bevor sich die Blumen richtig entwickeln können. Und in den Gärten sorgen die Rasenroboter dafür, dass kein Gänseblümchen überlebt.

Will Hertzog heute Schmetterlinge beobachten, dann geht er ins Hudelmoos bei Amriswil, in eine stillgelegte Kiesgrube oder eine der Blumenwiesen, die Landwirte, unterstützt vom Kanton, angesät haben. Hier findet er seltene Arten wie den himmelblauen Bläuling, den Hufeisenklee-Gelbling oder den Feurigen Perlmutterfalter. Letztes Jahr haben die Experten sogar zwei neue Arten im Thurgau entdeckt: Den Kurzschwänzigen Bläuling und den Mauerfuchs.

Das stimmt Hertzog zuversichtlich. «Wir können das Steuer herumreissen.»

Der Kanton habe in den letzten Jahren sehr viel in Sachen Renaturierung unternommen. Nun sei es an der Zeit, dass Private mitziehen. Wenn auf Böschungen, um Hecken und vor Waldrändern Wildblumen ungestört wachsen könnten, wäre viel gewonnen.

Hier und da eine Blumenwiese würde die Schmetterlinge zurückbringen und dem Auge guttun.

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