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Steinacher Gemeinderat bewilligt Familienzeit

Kritik wegen unbezahlten Vaterschaftsurlaubs: Gemeindepräsident Roland Brändli bezieht Stellung. Bewusst habe er die Ferien auf laue Sommertage gelegt. Ausserdem spare die Gemeinde Geld.
Tanja von Arx

«Das muss in der heutigen Gesellschaft möglich sein», sagt der Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli. «Vielleicht ist es etwas unüblich, unbezahlten Vaterschaftsurlaub zu beantragen. Das Reglement sieht diesen Fall jedoch explizit vor.» Brändli hat im Sinn, in Kürze zweieinhalb Monate Ferien zu machen, nachdem er Anfang Jahr zum zweiten Mal Vater geworden ist. Laut «die Ostschweiz» ruft das allerdings Kritiker auf den Plan. In Zuschriften soll es geheissen haben: Wer so lange weg sein könne, den brauche es gar nicht. Ein Leser meinte sogar: «Offenbar bereitet Brändli mit Riesenschritten seine Abwahl vor.»

"Ich nehme Kritik immer ernst"

Das Online-Portal führt aus, dass Brändli seit seiner Wahl 2007 immer wieder mit Anfeindungen zu kämpfen gehabt habe. 2012 und 2016 hätten seine Gegner versucht, ihn mit einem Gegenkandidaten aus dem Amt zu kegeln. Allerdings ohne Erfolg. Vorgeworfen wurde ihm eine sehr allgemeine Kritik, punktuell bemängelt wurden Führungsschwäche und Kommunikationsprobleme. Brändli sagt: «Kritik ist normal und ich nehme sie immer ernst.» Dennoch stehe er zu seinem Entscheid. «Ich will meine Frau entlasten und ein gutes Fundament für die Beziehung zu meinen Kindern aufbauen.»

Grossenteils stehen Brändli die freien Tage zu. Einerseits aus seinem Ferienguthaben für 2018, andererseits aus seiner Treueprämie nach rund zehn Dienstjahren. Ausserdem ist es keine Seltenheit, dass der 13. Monatslohn in Form von Ferien bezogen wird. Der Gemeinderat hat denn die Pause unterdessen auch bewilligt. «Ich freue mich sehr darauf, einige Wochen nur mit meiner Familie zu verbringen. Nach fast elf Jahren im Amt freue ich mich zudem auf die Auszeit, um die Batterien aufzutanken und voller Elan und mit Freude ins Amt zurückzukehren», sagt der Gemeindepräsident.

Eine Belastungsprobe für die Verwaltung

Brändli sagt indes, dass seine Abwesenheit eine gewisse Belastungsprobe für die Verwaltung und den Gemeinderat sei. «Ich kann das nur machen, weil ich grosses Vertrauen in meine Mitarbeiter und Kader habe.» Diese seien bereit, die Zeit zu überbrücken. «Die Verwaltung wie auch der Gemeinderat sind so gut und professionell organisiert, dass sie die Aufgaben und Probleme der bevorstehenden paar Wochen auch ohne mich und dennoch nach den gesetzlichen Vorgaben sowie in meinem Sinn und Geist erfüllen respektive lösen werden.» Auch in finanzieller Hinsicht entstehe für die Gemeinde kein Schaden. Im Gegenteil. «Steinach spart Geld.» Denn seine Treueprämie müsse nicht ausbezahlt werden und ein Monatslohn für den unbezahlten Anteil seiner Auszeit werde vorbehalten. «Den grossen Teil der Arbeit muss ich trotzdem selber erledigen.»

Für die Familienzeit habe er bewusst die Sommermonate gewählt, sagt Brändli. «Dann ist auf der Gemeinde ‹Nebensaison›.» Da die meisten Steinacher in den Ferien weilten, sei wenig los. So betreffe seine Auszeit lediglich zwei Gemeinderatssitzungen. «Durch die frühe Planung habe ich viele Arbeiten vorgeholt oder werde sie dann nach meiner Rückkehr nachholen.»

Roland Brändli freut sich auf eine ungestörte Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern. Bild: Ruedi Hirtl

Roland Brändli freut sich auf eine ungestörte Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern. Bild: Ruedi Hirtl

"Die Gemeinde ist so gut organisiert, dass sie die Aufgaben auch ohne mich und dennoch nach den gesetzlichen Vorgaben sowie in meinem Sinn lösen wird." Roland Brändli, Gemeindepräsident Steinach

Brändli betont: «Es ist mir sehr wichtig, dass ich einmal als Vater eine intensive und ungestörte Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau erleben darf.» Gemeindepräsident sei man fast sieben Tage die Woche 24 Stunden lang und man sei einer starken Belastung ausgesetzt. «An den Abenden und an den Wochenenden fallen sehr viele Termine an, die man wahrnehmen muss. Ich mache das gerne und meine Familie unterstützt mich sehr. Dennoch müssen Ehefrau und Kinder sehr oft auch Entbehrungen auf sich nehmen.»

Die Situation sei ähnlich wie bei der St.Galler Stadträtin Sonja Lüthi. «Nach einem halben Jahr im Amt ist sie jetzt schwanger und wird ab November 14 Wochen abwesend sein.»

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