Steinach nach zwölf Jahren Roland Brändli

In diesen Tagen endet die Amtszeit von Gemeindepräsident Roland Brändli. In Steinach hat er markante Spuren hinterlassen.

Rudolf Hirtl
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Roland Brändlis Zeit als Steinacher Gemeindepräsident ist bald vorbei.

Roland Brändlis Zeit als Steinacher Gemeindepräsident ist bald vorbei.

Bild: PD

Auf die Frage, ob er seine zwölfjährige Amtszeit nun gemütlich ausklingen lässt, hat Gemeindepräsident Roland Brändli wenige Tage vor dem Jahreswechsel nur ein gequältes Lächeln übrig. «Im Gegenteil, so hart waren meine Arbeitstage noch nie. Ich muss auch einen Grossteil der Arbeiten erledigen, die im Zuständigkeitsbereich des Gemeindeschreibers liegen würden.»

Kein Blick zurück im Zorn

Der 41-Jährige pfeift vor allem deshalb sozusagen aus dem letzten Loch, weil besagter Gemeindeschreiber seit dem 13. November in Untersuchungshaft sitzt (die «Thurgauer Zeitung» berichtete). Es sind nicht die ersten turbulenten Zeiten, die Steinachs scheidender Gemeindepräsident durchmacht.

2012 und 2016 wurde versucht, Brändli aus dem Amt zu hebeln. Aber weder CVPler Christian Ledergerber noch vier Jahre später ein IG-Zweigespann mit Michael Aebisegger und Andreas Müller konnten seine Wiederwahl verhindern.

«Die Hängebrücke und das Festspiel zur 1250-Feier», so seine Antwort auf die Frage, zu seinen persönlichen Amts-Highlights. Sein Blick zurück fällt trotz aller Querelen versöhnlich aus.

Zuerst Australien, dann St. Gallen

«Ich bin erfüllt von dem, was ich in den vergangenen zwölf Jahren hier in Steinach erlebt habe. Ich bin aber auch erfüllt, wenn ich in meine Zukunft schaue», sagt Brändli. Wenn diese Zeilen erscheinen, dann befindet er sich mit seiner Familie bereits in Australien.

Während sieben Monaten wird er mit Frau und den zwei Kindern den Kontinent bereisen und sein altes Leben definitiv hinter sich lassen. Danach heisst die Zukunft Divid Unternehmensagentur in St. Gallen.

Als Firmenpartner wird Roland Brändli dort seine Erfahrung als Gemeindepräsident einbringen, wenn es heisst, bei Unternehmen oder Verbänden Strategie und weitsichtige Planung zu entwickeln.

Hängebrücke

Seit Juli 2011 müssen Fussgängerinnen und Fussgänger nicht mehr auf die Hauptstrasse ausweichen, wenn sie am Seeufer entlang wandern möchten. Im Rahmen des Hafenfestes wurde die neue Hängebrücke in der Steinachmündung eingeweiht. Im Jahr 2008 war eine Anfrage des Gemeinderates Steinach bezüglich einer Brücke beim zuständigen kantonalen Amt und der Kantonsregierung auf offene Ohren gestossen sei. Auslöser für den Brückenneubau war die Idee, den internationalen Bodenseewanderweg von der stark befahrenen Kantonsstrasse an die Steinachmündung zu verlegen. Die Hängebrücke gehört nun zum 3500 Kilometer langen regionalen und kantonalen Wanderwegnetz. (rtl)

1250-Jahr-Jubiläum

Dieses Jahr feiert die Gemeinde ihr 1250-Jahr-Jubiläum. Die Idee, Steinachs Geschichte rund um den tausend Jahre alten, heute verschwundenen Hafen in ein zugängliches Theater zu packen, stammt vom Gemeindepräsidenten Roland Brändli. Das Festspiel unter freiem Himmel am Seeufer beim Gredhaus wurde denn auch ein voller Erfolg. Unter den Laienschauspielern, die den Profis in Nichts nachstanden, befand sich übrigens auch der Gemeindepräsident persönlich. Die Gemeinde schenkt sich selbst zum 1250-Jahr-Jubiläum zudem eine Chronik mit dem Titel: «Zwölfeinhalb Jahrhunderte – zwölfeinhalb Geschichten». Die Kinder erhielten den Bildband «Es war einmal Steinach». (rtl)

Einheitsgemeinde

Die Zusammenführung der Schulgemeinde Steinach mit der Politischen Gemeinde Steinach wurde unter der Führung von Roland Brändli per 1. Januar 2013 umgesetzt. Schulrat und Gemeinderat hatten zur Vorbereitung der Einheitsgemeinde ein Kernteam eingesetzt, das die Leitplanken für die Zusammenarbeit ausarbeitete. Gestützt darauf wurden die Schulordnung, das Schulleiterreglement und das Reglement Freihandbibliothek erarbeitet. Auch die organisatorischen Arbeiten wurden soweit vorbereitet, dass die Einheitsgemeinde ihren Betrieb wie geplant aufnehmen konnte. (rtl)

Poststelle

«Freude herrscht», sagte Roland Brändli am 31. Januar dieses Jahres. Auslöser war die Mitteilung der Post, die Filiale in der Gemeinde vorerst weiterbetreiben zu wollen. Die Mitteilung, die Poststelle doch erhalten zu wollen, kam insofern überraschend, als der Konzern im Juni 2018 bekannt gab, die Steinacher Filiale aufheben zu wollen. «Wir haben uns stark für den Erhalt unserer Post- stelle eingesetzt, haben alles für uns Mögliche dafür getan», so der Gemeindepräsident. Er habe den Schliessungsentscheid der Post nie nachvollziehen können, zumal es der Konzern unterlassen habe, an der Veranstaltung im Juni die scheinbar mangelnde Wirtschaftlichkeit mit Zahlen zu belegen. (rtl)

Fluss Steinach

Eine «sehr grosse Kiste» für die Gemeinde ist die Sanierung der Steinach, die 17 Millionen Franken kosten wird, wobei die Gemeinde gegen 6 Millionen zu tragen hat. Ein Projekt, das Roland Brändli bereits während seiner ersten von drei Amtsperioden angestossen hat. Wie dringlich der Hochwasserschutz ist, zeigte sich auch am 1. August 2018, als ein heftiges Gewitter mit Starkregen den Bach innert Minuten anschwellen liess. Der Fluss trat über die Ufer und verursachte Schäden von rund 13 Millionen Franken. Mittlerweile ist das Vorprojekt abgeschlossen. Für die Planung des Bauprojekts hat die Bürgerversammlung im Frühling einen Betrag von 1,6 Millionen Franken gesprochen. (rtl)