Steinach
Neuer Kunstrasen auf der «Bleiche»: Nach 17 Jahren Betrieb sollten die Steinacher 540'000 Franken für den Ersatz der Spielfläche genehmigen

Auf der Sportanlage in Steinach ist der Kunstrasen veraltet. Für eine moderne Unterlage müssen die Stimmbürger 540'000 Franken sprechen. Die Chancen auf ein «Ja» am 11. April stehen gut, doch seit vor 20 Jahren die erste Vorlage für den Fussballplatz vom Stimmvolk den Bach hinab gekippt wurde, ist sich keiner mehr sicher.

Diego Müggler
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Der Sportplatz Bleiche in Steinach an der Grenze zu Arbon ist in die Jahre gekommen. Speziell der Kunstrasen (rechts im Bild) hat seit der Eröffnung vor 17 Jahren an Qualität eingebüsst.

Der Sportplatz Bleiche in Steinach an der Grenze zu Arbon ist in die Jahre gekommen. Speziell der Kunstrasen (rechts im Bild) hat seit der Eröffnung vor 17 Jahren an Qualität eingebüsst.

Bild: Manuel Nagel (Steinach, 28. März 2021)

Der zwei Natur- und der eine Kunstrasen sind für die 356 Mitglieder des FC Steinach essenziell. Die Vorteile des Letzteren sind speziell im Winter gut sichtbar: Er kann bei jeder Witterung bespielt werden. Zusätzlich hält er bis zu fünfmal mehr jährliche Spielzeit aus als ein konventioneller Rasen.

René Akermann von der Arbeitsgruppe Kunstrasenplatz Bleiche.

René Akermann von der Arbeitsgruppe Kunstrasenplatz Bleiche.

Bild: PD

Doch die starke Belastung im Laufe der Jahre machten dem 17 Jahre alten Kunstrasen zu schaffen. «Die Plastikhalme sind kaputt und geben so keine Stabilität mehr. Teilweise spielt man fast nur noch auf Granulat», sagt René Akermann von der Arbeitsgruppe Kunstrasenplatz Bleiche. Die erwartete Lebensdauer von bis zu 15 Jahren sei nun definitiv überschritten.

Viel Geld für die Attraktivität von Steinach

Kunstrasenplätze mit Plastikgranulat wie hier in Steinach sind immer seltener zu sehen. Ein grosser Kritikpunkt ist die mangelnde ökologische Verträglichkeit.

Kunstrasenplätze mit Plastikgranulat wie hier in Steinach sind immer seltener zu sehen. Ein grosser Kritikpunkt ist die mangelnde ökologische Verträglichkeit.

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Aus diesem Grund hat der FC Steinach eine Erneuerung des Kunstrasens per Sommer 2022 bei der Gemeinde Steinach beantragt. Von den 800'000 Franken Gesamtkosten sollte die Gemeinde als Eigentümer 540'000 Franken tragen. Die restlichen 260'000 Franken decken der FC Steinach und die Sport-Toto-Gesellschaft, die den Schweizer Sport unterstützt. Da der Kredit der Gemeinde Steinach 300'000 Franken überschreitet, muss die Bürgerversammlung in einem separaten Gutachten dem Vorhaben zustimmen. Diese ist aber pandemiebedingt abgesagt und wird durch eine Urnenabstimmung am 11. April 2021 ersetzt.

Ein Blick in die Vergangenheit

Eine Urnenabstimmung ist für die «Bleiche» nichts Neues: Vor 20 Jahren stimmten die Steinacher über einen 6-Millionen-Kredit für die Errichtung des Sportplatzes ab. Nachdem das Anliegen bei der Bürgerversammlung im Juni 2000 auf eine Urnenabstimmung vertagt worden war, befürchteten die Mitglieder des FC Steinach bereits das Schlimmste. Doch als an diesem Novembersonntag alle Stimmen ausgezählt und das Resultat verkündet wurde, war die Enttäuschung grenzenlos. Die Vorstellung eines neuen, modernen Fussballplatzes war so schön ‒ doch für 63 Prozent der Steinacher zu teuer.

Ein Jahr später und mit abgespecktem Konzept im Gepäck trat der Gemeinderat erneut vor die Bürgerversammlung. Und mit wenigen Gegenstimmen genehmigte diese den Kredit von 4,8 Millionen Franken für die Sportanlage Bleiche.

Die festliche Einweihung der Sportanlage Bleiche dauerte vom 20. bis zum 22. August 2004.

Die festliche Einweihung der Sportanlage Bleiche dauerte vom 20. bis zum 22. August 2004.

Bild: PD

Der Steinacher Gemeinderat stehe geschlossen hinter dem Anliegen, sagt Gemeindepräsident Michael Aebisegger. Auch aus der Bevölkerung habe er keinen Widerstand wahrgenommen. Den grossen Zuspruch erklärt er sich folgendermassen:

Der Steinacher Gemeindepräsident Michael Aebisegger.

Der Steinacher Gemeindepräsident Michael Aebisegger.

Bild: PD
«Es ist viel Geld, das die Gemeinde Steinach für den FC bezahlt. Aber dies steigert wiederum die Attraktivität des Dorfes.»

So zahle der Steuerzahler auch Geld für Strassen, den Öffentlichen Verkehr oder wie vor zwei Jahren beim 1250-Jahr-Jubiläum für Kultur ‒ Dinge, die eine Gemeinde attraktiv machen, sagt Aebisegger. «Der FC ist nicht der einzige Verein, der von der Gemeinde profitiert.» Eine allfällige neue Turnhalle würde dann beispielsweise dem Turnverein zugutekommen.

Der neue Kunstrasen ‒ ökologisch und regional

Die Arbeitsgruppe Kunstrasenplatz Bleiche hat sich für einen Kunstrasen entschieden, der im Gegensatz zum bisherigen auf Kunststoffgranulat verzichtet. Dadurch ist er deutlich umweltfreundlicher. Hinzu kommen weitere Vorteile wie eine tiefere Verletzungsgefahr, natürlicheres Aussehen und ein Ballverhalten, welches dem eines Naturrasen ähnlicher ist. Eine Urnäscher Firma produziert den neuen Kunstrasen. «Wir haben uns trotz der höheren Kosten für dieses Produkt entschieden, da wir davon überzeugt sind und die Wertschöpfung in der Region bleibt», sagt Akermann.

Mit beflügelnder Vergangenheit in die Zukunft

Attraktivität hat der 4,8 Millionen Franken teure Sportplatz in den vergangenen 17 Jahren zur Genüge ins Seedorf gebracht. Als einer der ersten Fussballvereine in der Region erhielt der FC Steinach einen solch modernen Kunstrasen. Auch deswegen meldeten sich in den letzten Jahren immer mehr fussballbegeisterte Kinder, auch aus umliegenden Gemeinden, beim grössten Steinacher Verein an.

Sogar den Profifussball konnte die «Bleiche» erfolgreich anlocken: Der FC St. Gallen trainierte in den ersten Jahren im Winter regelmässig auf dem Kunstrasenplatz in Steinach. Ebenso trug er diverse Freundschaftsspiele auf der Anlage aus. Ein weiterer Höhepunkt war das viertägige Trainingslager des italienischen Erstligisten Atalanta Bergamo, welches 2017 in Steinach stattfand. Dass der FC Steinach das Freundschaftsspiel mit 17:0 verlor, war Nebensache.

Der Kunstrasen der Sportanlage Bleiche hat seit dem Wintertraining des FC St. Gallen im Januar 2005 deutlich an Farbe und Qualität verloren.

Der Kunstrasen der Sportanlage Bleiche hat seit dem Wintertraining des FC St. Gallen im Januar 2005 deutlich an Farbe und Qualität verloren.

Bild: Ralph Ribi

René Akermann gibt sich im Hinblick auf die Abstimmung am 11. April zuversichtlich: «Es würde mich überraschen, wenn das Steinacher Stimmvolk den Kunstrasen ablehnt.» Ein Nein hätte zur Folge, dass der FC Steinach weiter auf dem veralteten Kunstrasen spiele, sagt Akermann. «Daraufhin würden wir dasselbe Projekt erneut zur Abstimmung bringen. Denn wir sind überzeugt, damit den bestmöglichen Vorschlag gefunden zu haben.»