Staubsaugen wird zum Problem: Eine Romanshorner Kantischülerin erzählt aus dem Lernalltag inmitten der Coronakrise

Ein Einblick ins laufende Homeschooling.

Sanna Neuhauser
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Telefon und Laptop: So eignet Sanna Neuhauser sich den Stoff von zu Hause aus an.

Telefon und Laptop: So eignet Sanna Neuhauser sich den Stoff von zu Hause aus an.

Andrea Stalder

Ausgefallene Kameras, funktionsunfähige Mikrofone und eine Maus, die nicht mehr reagiert: Plötzlich spielen die elektronischen Geräte verrückt. Da innerhalb weniger Tage fast die ganze Schweiz auf Homeoffice umgestellt hat, hatte auch so manches Internet zu Hause Probleme, dies zu tragen.

Als der Bundesrat vor drei Wochen verkündete, dass alle Schulen vorübergehend geschlossen werden, wusste bei uns an der Kanti noch niemand genau, was das bedeuten würde. Bald erreichte uns jedoch ein E-Mail mit Anweisungen.

Prüfungen fallen vorübergehend aus

Mittlerweile haben wir Fernunterricht. Die Lektionen finden überwiegend per Videochat statt. Ein Arbeitsauftrag wird vergeben und falls die Durchführung nicht möglich ist, fallen Lektionen weg. Die Prüfungen fallen vorübergehend aus.

Auf jeden Fall eine Umstellung sowohl für die Lehrer als auch für die Schüler. Der Übergang war aber fliessend, denn wir arbeiten auch im Präsenzunterricht hauptsächlich digital. Allerdings merkten wir schnell, welche Tücken Online-Schooling hat, wenn plötzlich ein Familienmitglied das ganze Haus staubsaugt und man kein Wort mehr versteht.

Das oft unterbrochene Internet hat mehr als einmal zur Frage geführt, ob man überhaupt anwesend sei, erhält der Lehrer keine Antwort. Der Unterricht sieht je nach Fach und Lehrer sehr unterschiedlich aus. Während die einen versuchen, ihn den Umständen anzupassen, probieren andere den ganzen Semesterstoff in eine Lektion zu packen.

Die Lehrer vermissen ihre Schüler

Nicht wenige Lehrer haben den Schülern gestanden, wie sehr sie einen vermissen würden, denn diese Art von Unterricht sei für für sie unbefriedigend. Doch nicht nur den Lehrern geht es so, auch wir lernen manchen Lehrer von einer andern Seite kennen und den Unterricht sowie die Bemühungen schätzen. Der Tag ist weniger strukturiert und entspricht nicht mehr dem gewohnten Ablauf. Anfangs war es gewöhnungsbedürftig, erst um sieben Uhr aufstehen zu können und wieder mit der Familie Mittag zu essen. Alle Familienmitglieder versuchen, den eigenen Arbeits- oder Schulalltag von zu Hause aus fortzuführen. Da lernt man auch Eltern und Geschwister von einer neuen Seite kennen.

Das eigene Zimmer habe ich zum Teilzeit-Schulzimmer umfunktioniert. Spaziergänge, Joggen und Radtouren ersetzten den Schulsport. Sogar die Ferien fühlen sich nicht mehr gleich an. Man kann die Situation als eine Art Slow-down-Prozess sehen, da man gezwungen ist, einen grossen Teil des Alltages hinter sich zu lassen.