Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die drei Thurgauer IT-Musketiere machen Qualität schneller und günstiger

Ein Start-up aus Märstetten will mit einer Software zur Qualitätssicherung die Lebensmittelbranche umkrempeln.
Sabrina Bächi
Samuel Schmid, Philipp Osterwalder und Jonas Greminger gründeten das Start-up 1Lims. (Bild: Donato Caspari)

Samuel Schmid, Philipp Osterwalder und Jonas Greminger gründeten das Start-up 1Lims. (Bild: Donato Caspari)

Wer mit ihnen spricht, hört vor allem eines: Viele Abkürzungen, technische Begriffe, englische Wörter. Müssten sie ihren Grossmamis erklären, was genau sie tun, wäre wohl «digitale Qualitätssicherung» die erste Wahl einer Erklärung. Konkret helfen Philipp Osterwalder, Jonas Greminger und Samuel Schmid Firmen, eine bessere Qualitätskontrolle durchzuführen.

Ihre Vision geht aber noch viel weiter. Die drei Thurgauer haben mit ihrem Märstetter Start-up-Unternehmen 1Lims nämlich Grosses vor. «Wir wollen Transparenz für den Konsumenten», sagt Philipp Osterwalder. Der Weg dorthin soll über ihre Entwicklung führen. Und zwar so:

Osterwalder ist gelernter Chemielaborant. Qualitätssicherung von Produkten gehört für ihn zum kleinen Einmaleins. «Ich musste jedoch feststellen, dass vor allem in der Lebensmittelbranche die Sicherung rudimentär ist», sagt er. Will heissen: Mit Analysegeräten werden Werte gemessen, etwa der PH-Wert des Produkts. Dieser wird auf ein Blatt und von dort in eine Excelliste übertragen. Das kostet Zeit und ist fehleranfällig.

Simplere Alternative auf die Benutzer abgestimmt

All diese Daten werden anschliessend manuell in sogenannten Labor-Informationsmanagement-Systemen, kurz Lims, zusammengefasst (siehe Kasten). Solche Systeme kosten in der Anschaffung schnell einmal 100000 Franken. «Dann hat die Firma erst das Standardprodukt, das noch nicht optimal an ihre Bedürfnisse angepasst ist», sagt Schmid.

Die drei Thurgauer wollen eine günstigere und simplere Alternative entwickeln. Sie suchen das Gespräch mit potenziellen Kunden und passen das Lims nach deren Bedürfnissen an. «Mussten die Mitarbeiter früher also die Messgeräte, den Stift, das Klemmbrett und schliesslich den Computer zu Hilfe nehmen, gelangen nun die Daten dank 1Lims direkt vom Messgerät in die Cloud, wo die Daten gesichert und ersichtlich sind», sagt Osterwalder.

Durch die Speicherung der Daten könnten die Firmen diese auch für den Konsumenten sichtbar machen. So wollen die Thurgauer die Transparenz im Lebensmittelmarkt umkrempeln. Sie stehen jedoch noch am Anfang.

Micarna als Kunden

Erst vor einem Jahr kam ihre Entwicklung 1Lims auf den Markt und zog gleich einen ersten grossen Kunden an: Micarna. «Wir dachten eigentlich, dass unsere Entwicklung vor allem für KMU interessant ist, weil sie benutzerfreundlicher und günstiger ist als Angebote der Konkurrenz», sagt Greminger. Doch angebissen hat die Fleischverarbeitungsfirma der Migros.

«Ein grosser Teil der Fleischprodukte, die man in der Migros kaufen kann, wird mit unserem System erfasst und kontrolliert», sagt Samuel Schmid. Dieser grosse Kunde half den Jungunternehmern, weitere Kunden dazuzugewinnen. Derzeit sind es über zehn. Wenn es nach den Dreien geht, sollen es schon bald 10000 sein.

Durchhaltewillen und Glück braucht es

«Wir haben unheimlich viel dazugelernt», sagt Osterwalder. Für ein Start-up brauche es Disziplin, Durchhaltewillen und auch ein bisschen Glück, sind sie sich einig. «Zudem merkten wir, dass Firmen sich nicht von einem Logo oder einer guten Website überzeugen lassen, sondern vor allem von persönlichen Gesprächen», sagt Philipp Osterwalder.

Die drei Thurgauer lernten sich vor drei Jahren über einen vierten gemeinsamen Kollegen kennen. Jeder von ihnen hat eine andere Ausbildung und bringt anderes Wissen und Können in das Start-up ein. Wie die drei Musketiere handeln sie ganz nach dem Motto: Alle für einen und einer für alle. Auch das Eins in 1Lims steht dafür. Alles in einem. Und schliesslich soll 1Lims auch eines für alle sein. Ein Produkt für Qualitätssicherung jeglicher Art.

«Jedes Unternehmen, das Produkte herstellt und deshalb eine Qualitätssicherung durchführen muss, kann 1Lims nutzen», sagt Jonas Greminger. Die drei Thurgauer IT-Musketiere arbeiten mit viel Motivation dafür, eines Tages eine komplett digitale und transparente Wertschöfpungskette zu ermöglichen. Für alle.

Computerprogramm

Labor-Informations- und Management-Systeme (Lims) sind Computerprogramme, die hauptsächlich in Labors, in der Qualitätssicherung oder im Qualitätsmanagement genutzt werden – etwa bei der Medikamentenherstellung oder in der Lebensmittelindustrie. In einem Lims laufen die Daten verschiedener Messgeräte zusammen oder werden manuell erfasst. Diese Daten dienen der Überwachung und Kontrolle und müssen festgelegte Spezifikationen erfüllen. Mit einem Lims werden Arbeitsabläufe vereinfacht und automatisiert, um die erhobenen Messwerte zentral zu verwalten sowie eine transparente und vollständige Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. (sba)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.