Swiss League
Starke Leistung schlecht belohnt: Der HC Thurgau unterliegt Sierre im Penaltyschiessen

Der HC Thurgau zeigt auswärts gegen den Tabellenvierten Sierre wieder Zähne und betreibt einen grossen Aufwand. Das Kämpferherz beschert den Leuen in den Schlussminuten immerhin einen Punkt.

Matthias Hafen aus Sierre
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Verteidiger Joel Scheidegger (links, im Spiel gegen Winterthur) erzielte in Sierre beide Treffer des HCT.

Verteidiger Joel Scheidegger (links, im Spiel gegen Winterthur) erzielte in Sierre beide Treffer des HCT.

Bild: Mario Gaccioli (Winterthur, 11. Oktober 2020)

Wenn der HC Thurgau nur so gegen die Ticino Rockets gespielt hätte. Es ist der erste Gedanke nach der 2:3-Niederlage in Sierre, die erst im Penaltyschiessen besiegelt wurde. Natürlich sind Vergleiche müssig, denn jede Partie schreibt ihre eigene Geschichte. Doch gemessen am Auftritt vom Montagabend im Wallis steht eines fest: Der HC Thurgau ist noch lange nicht am Boden.

Gegen den Tabellenvierten zeigte die Mannschaft von Headcoach Stephan Mair einen beherzten Auftritt, riss das Spieldiktat früh an sich. Jede Aktion der Thurgauer hatte mehr «Wumms» als zuletzt. David Wildhabers Weitschuss brachte Sierre-Goalie Remo Giovannini aus dem Gleichgewicht (5.). T.J. Brennan zeigte wieder internationales Format, luchste Arnaud Montandon bauernschlau den Puck ab, scheiterte nach seinem Sololauf aber an Giovannini (8.).

Der grossartige Effort steckt das ganze Team an

Dieser HC Thurgau machte Freude. Und das, obwohl mit Jan Mosimann ein weiterer Leistungsträger verletzt fehlte. Selbst der junge David Baumann liess sich vom Teameffort anstecken und tanzte Routinier Maxime Montandon aus wie man es sonst nur auf YouTube findet. Joel Scheideggers Tor zum 1:0 (15.) war der Lohn dieses Auftritts – und hätte der Anfang eines grossen Abends werden können. Doch Sierre ist nicht per Zufall erster Verfolger von Kloten, Langenthal und Ajoie, besitzt in Goalie Giovannini einen sackstarken Rückhalt. Und Schiedsrichter Yann Erard hat nicht grundlos einen schlechten Ruf in dieser Liga. Doch so negativ das Gespann Erard/Jordi dieses tolle, faire Spiel beeinflusste, weil es in seinen Entscheiden keine Linie hatte, so sehr müssen sich die Thurgauer an der eigenen Nase nehmen, dass es am Ende nur zu einem Punkt reichte.

Denn im zweiten Drittel spielten fast nur noch die Gäste. Eine kurze, doppelte Überzahl läutete die Druckphase des HCT ein. Wetlis Nachschuss vergrub Giovannini mit viel Glück unter seinem Bauch (29.). Und als der Puck nach Brennans Schuss irgendwie von der Torlinie wegkullerte, hatte Sierre Hilfe von ganz weit oben. Als Janik Loosli in der 32. Minute endlich das 2:1 erzielte, annullierten es die Referees nach dem Videostudium wieder. Sie entschieden wohl im Zweifel für das Heimteam. Dennoch hätte der HCT viel mehr aus den ersten zwei Dritteln herausholen sollen. Entsprechend tief sass der Frust nach dem verlorenen Penaltyschiessen.

Scheideggers Weitschuss rettet den HCT in die Verlängerung

Immerhin wurden die Thurgauer für ihr grosses Kämpferherz mit einem Punkt belohnt. Denn Arnauds Montandons 2:1 aus der 41. Minute egalisierten die Gäste 77 Sekunden vor Spielende mit dem zweiten Treffer von Verteidiger Scheidegger. Sein Weitschuss stand für das «Wumms», das der HCT gerne auch am Mittwoch um 20 Uhr daheim gegen Langenthal an den Tag legen kann.

Sierre – Thurgau 3:2 n. P. (1:1, 0:0, 1:1)

Graben – Keine Zuschauer – SR Jordi/Erard, Dreyfus/Urfer.
Tore: 15. Scheidegger (Rundqvist, Janik Loosli) 0:1. 17. Dolana (Asselin, Maxime Montandon/Ausschluss Wildhaber) 1:1. 41. (40:25) Arnaud Montandon (Castonguay, Maxime Montandon/Ausschluss Fechtig) 2:1. 59. Scheidegger (Ausschluss Arnaud Montandon) 2:2.
Penaltyschiessen: Rimann 1:0, Hobi – (Giovannini wehrt mit Schoner ab); Castonguay – (Aeberhard wehrt mit Schoner ab), Rehak – (verzieht); Dolana – (Puck verspringt), Janik Loosli – (Giovannini hält); Asselin 2:0, Brändli 2:1; Arnaud Montandon 3:1.
Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Sierre, 7-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Sierre: Giovannini; Meyrat, Maxime Montandon; Bezina, Wyniger; Smons, Dozin; Brantschen; Dolana, Castonguay, Monnet; Rimann, Arnaud Montandon, Asselin; Kyparissis, Heinimann, Vouillamoz; Surdez, Jolliet, Dayer; Bernazzi.
Thurgau: Rüegger (ab 41. Aeberhard); Brennan, Wildhaber; Fechtig, Scheidegger; Schmuckli, Soracreppa; Schnyder; Bischofberger, Hobi, Spannring; Rehak, Rundqvist, Janik Loosli; Hinterkircher, Brändli, Wetli; Baumann, Fritsche, Lanz; Kellenberger.
Bemerkungen: Sierre ohne Fellay (verletzt), Vouardoux, Privet, In-Albon, Molinari, Bonvin und Berthoud (alle überzählig). Thurgau ohne Mosimann, Hollenstein, Hulak, Michael Loosli, Molina, Moor, Moser, Parati und Schmutz (alle verletzt). – Treffer von Janik Loosli aberkannt (Goaliebehinderung). – 58:16 Timeout Thurgau. - Thurgau von 58:40 bis 58:43 mit sechstem Feldspieler anstelle von Goalie Aeberhard.

Nächstes Spiel. Mittwoch, 20.00 Uhr: Thurgau – Langenthal

Geldbussen für Rundqvist und Wildhaber

(mat) Thurgaus Stürmer Adam Rundqvist wurde wegen Vortäuschen eines Fouls im Meisterschaftsspiel der Swiss League vom 23. Januar zwischen dem EHC Visp und dem HCT mit 400 Franken gebüsst. Rundqvist war zu Fall gekommen, nachdem Visps Topskorer Fabian Haberstich mit dem Stock bei ihm eingehängt hatte. Ebenfalls mit 400 Franken gebüsst wird Thurgaus Verteidiger David Wildhaber, weil er dem Schiedsrichter nach dem Heimspiel gegen La Chaux-de-Fonds am vergangenen Samstag angeblich nachrief: «Du bist so schlecht». Wildhaber kassierte dafür in der 60. Minute auch eine Spieldauerdisziplinarstrafe.