«Star Wars» auf der Orgel: Die Königin der Instrumente machte den Abschluss der zweiten Amriswiler Kulturnacht

Die Amriswiler Kulturnacht lockte zahlreiche Besucher zu den 40 Standorten der Künstler.

Manuel Nagel
Drucken
Teilen
Reinhard Böhmes Lichtinstallation auf dem Marktplatz verwandelte den Brunnen in ein spezielles Objekt.

Reinhard Böhmes Lichtinstallation auf dem Marktplatz verwandelte den Brunnen in ein spezielles Objekt.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 19. September 2020)

Für einmal sorgte die Königin der Instrumente für ungewohnte Klänge. «Eine kleine Nachtmusik» lautete der Titel des Orgelkonzerts. «Wer nun Mozart erwartet, der wird enttäuscht», sagte Organist Thomas Haubrich, der gleich zu Beginn die pompöse «Star Wars»-Titelmelodie in die Tasten haute – und etwas später den Rockklassiker «A Whiter Shade of Pale» von Procol Harum folgen liess. Rund ein Dutzend Zuhörer liessen eine halbe Stunde vor Mitternacht in der katholischen Kirche die zweite Ausgabe der Amriswiler Kulturnacht ausklingen.

Besucher mussten abgewiesen werden

Gwendoline Rouiller und Hermann Hess spielen Mozart im APZ-Saal.

Gwendoline Rouiller und Hermann Hess spielen Mozart im APZ-Saal.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 19. September 2020)

Vier Stunden zuvor gab es einen Steinwurf entfernt dennoch Mozart zu hören. Im APZ-Saal spielten Hermann Hess am Flügel und Violinistin Gwendoline Rouiller Sonaten des österreichischen Komponisten. Musikliebhaber kamen am Samstagabend auf ihre Kosten. An über einem Dutzend Standorten spielten Musiker aller Art live. Sei es Alphorn an der Bahnhofstrasse, Blasmusik im alten Schulhaus Räuchlisberg, jazzige Klänge auf dem Marktplatz, Panflöte im Ortsmuseum, oder wilde Trommelrhythmen im Kulturforum. Für letztere waren Drums2Street verantwortlich. Und hätten es keine Einschränkungen wegen Corona gegeben, so wäre das Kulturforum wohl dreimal rappelvoll gewesen. So aber mussten die Verantwortlichen bereits beim ersten Auftritt um 18.30 Uhr kurz nach Beginn viele Besucher auf die folgenden zwei Darbietungen vertrösten.

Drums2Street begeisterten ihre Zuhörer im Kulturforum.

Drums2Street begeisterten ihre Zuhörer im Kulturforum.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 19. September 2020)

Doch wie schon bei der ersten Kulturnacht im September 2018 musste man sich auch in diesem Jahr einen minutiösen Plan zurechtlegen, um möglichst viel zu erleben, oder aber Mut zur Lücke haben. Es war schlicht unmöglich, sämtliche 40 Standorte der Künstler aufzusuchen.

Dritte Ausgabe findet im Herbst 2022 statt

Die meisten Angebote gab es entlang der Bahnhofstrasse bis zum Marktplatz. Etwas abseits davon entstanden Bilder besonderer Art. Ephraim Bachmann sprayte beim Jugendtreff Yoyo ein Graffiti an die Wand, während Daniel Hebeisen in seinem Atelier an der Freiestrasse demonstrierte, wie eine Bleiverglasung entsteht. Der Amriswiler Kunstglaser ist der letzte Vertreter seiner Berufsgattung im Kanton Thurgau. Diese faszinierende Handwerkskunst könnte es schon bald nicht mehr geben.

Reinhard Böhmes Lichtinstallation auf dem Marktplatz verwandelte den Brunnen in ein spezielles Objekt.
13 Bilder
Für die einen ist das leckere Raclette wichtiger als die Alphornklänge.
Die Formation Drums2Street begeistern mit ihren Trommelrhythmen die Besucher im Kulturforum.
Der Sommerer Skulpteur Thomas Stadler präsentiert seine Werke im Villagarten.
Die Kulturnacht bietet nicht nur für die Erwachsenen etwas, auch die Kleinen kommen auf ihre Kosten.
An der Kulturnacht entstehen auch spontane Kunstwerke.
Gwendoline Rouiller und Hermann Hess spielen Sonaten von Mozart im Saal des Alters- und Pflegezentrums.
Ephraim Bachmann sprayt ein Graffiti an die Wand des Jugendtreffs Yoyo.
Beim alten Schulhaus in Räuchlisberg geniessen Blasmusikliebhaber die «Spuntämusig».
Der Brunnen auf dem Marktplatz mal anders.
In seinem Atelier zeigt Kunstglaser Daniel Hebeisen sein Handwerk.
Zum Orgelkonzert um 23 Uhr kommen immerhin noch ein Dutzend Besucher.
Kurz vor Mitternacht wird auch bei der Vollmondbar die letzte Runde ausgerufen.

Reinhard Böhmes Lichtinstallation auf dem Marktplatz verwandelte den Brunnen in ein spezielles Objekt.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 19. September 2020)

Ein Schicksal, das vorerst der Kulturnacht nicht droht. Stadträtin Madeleine Rickenbach, zuständig für Kultur, bekam zahlreiche positive Rückmeldungen von Besuchern und von Künstlern, sodass der dritten Ausgabe im September 2022 nichts im Weg stehen dürfte. Rickenbach sagte:

«Einige Besucher kamen auch von auswärts und viele haben sich bedankt, dass wir in diesen Zeiten etwas auf die Beine gestellt und das kulturelle Leben zurückgebracht haben.»
Kunstglaser Daniel Hebeisen demonstriert sein Handwerk.

Kunstglaser Daniel Hebeisen demonstriert sein Handwerk.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 19. September 2020)
Mehr zum Thema

«Endlich lebt die Stadt Amriswil»

Ungewohnt bevölkert war das Stadtzentrum am Samstagabend. Weisse Kübel mit Taschenlampen leuchteten den Besuchern der ersten Kulturnacht den Weg zu ganz unterschiedlichen Veranstaltungen.
Manuel Nagel

Mörderjagd in der Polizeischule in Amriswil

Die Partnerstadt Radolfzell hat sie schon – und heute Abend ziehen die Amriswiler gleich, wenn um 17 Uhr in der ganzen Stadt die erste Kulturnacht startet. Das Angebot könnte vielfältiger nicht sein.
Manuel Nagel