Standortfrage des Historischen Museums Thurgau: Kantonsräte nehmen Stellung

Stadtpräsident Dominik Diezi hat verschiedene Kantonsräte ins Schloss Arbon eingeladen. Thema war die Standortfrage des Historisches Museum Thurgau. Arbon möchte dereinst den neugeschichtlichen Teil des Museums beherbergen.

Rosa Schmitz
Hören
Drucken
Teilen
Die Kantonsräte und der Stadtpräsident nahmen zum möglichen Umzug Stellung.

Die Kantonsräte und der Stadtpräsident nahmen zum möglichen Umzug Stellung.

Bild: Rosa Schmitz

«Arbon ist ein geschichtsträchtiger Ort», sagte Stadtpräsident Dominik Diezi am Donnerstag an einer Medienorientierung zur Standortfrage des Historischen Museums Thurgau. Und zählte die Gründe auf, warum Arbon den neugeschichtlichen Teil des Museums dereinst beherbergen könnte: «Pfahlbauersiedlung, römische Stadt, im Mittelalter von Bedeutung und Anfang des 20. Jahrhunderts sozusagen sinnbildlich für die Industrialisierung der Region.»

Der Stadtpräsident hatte verschiedene Kantonsräte eingeladen, um zum möglichen Umzug Stellung zu nehmen. Diezi selber hat die Stossrichtung, die der Kanton in seiner Museumsstrategie 2016-2019 verfolgte, begrüsst.

«Der Thurgau hat ein klares Zentrum. Umso sinnvoller wäre es, wenn man die kantonalen Museen über den ganzen Kanton verteilen würde.»

Seine Polit-Kollegen aus dem Oberthurgau sind ähnlicher Meinung.

Eine verdiente Gelegenheit

«Die Stadt Arbon hat diese Gelegenheit verdient, ihr touristisches Angebot zu bereichern», sagt Kantonsrat Urs Martin (SVP). Für ihn ist «sonnenklar», dass das der richtige Standort fürs Historische Museum sei.

Davon ist auch Brigitte Kaufmann, FDP-Kantonsrätin, überzeugt. «Ich bin eine bekennende Museumsbesucherin.» Sie habe viele der Ausstellungen besucht, die man in dieser Region anböte.

«Ich bin mir sicher, dass diese Stadt ein super Angebot hat, das es wert ist, vergrössert zu werden.»

Ausserdem sei sie sicher, dass Arbon der Herausforderung gewachsen sei, das Projekt Wirklichkeit werden zu lassen – da die Stadt bereits etwas begriffen habe, das andere im Oberthurgau noch lernen müssten: «Man fragt nicht. Man fordert klar.»

Kantonsrätin Inge Abegglen (SP) weist darauf hin, dass Arbon auch ein Museumscluster habe. Und dass das Argument von Frauenfeld, dass nur sie eine grössere Sammlung von Attraktionen an einem Ort hätten, daher irrelevant sei. Kantonsrätin Doris Günter (EVP) nickt zustimmend. «Die Stadt hat genauso die Atmosphäre die Leute anzulocken.»

Die Kantonsräte Norbert Senn (CVP) und Hanspeter Heeb (GLP) sagen, dass Steuerzahler viel Geld für Dinge zahlen müssten, die sehr weit von ihnen entfernt seien. «Aus Solidaritätsgründen sollte mal etwas zurückkommen», so Senn. Heeb: «Der Wert des Oberthurgaus wird häufig vollkommen unterschätzt. Das hat zu einem Ungleichgewicht bei Investitionen geführt.»

Abrundend sagt Kantonsrat Didi Feuerle (GP), dass Arbon ihnen allen viel bedeuten würde. «Wir würden uns wünschen, dass die Stadt die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient.»

Arbon hat zwei Gebäude zur Verfügung

Aktuell ist neben Frauenfeld nur noch Arbon im Rennen, nachdem Romanshorn seinen Verzicht erklärt hat. Laut Diezi bieten sich in der Stadt zwei Standorte fürs Historische Museum an: das Schloss und die Webmaschinenhalle. «Das Schloss gehört der Stadt, wäre also sofort verfügbar und bietet eine Fläche von 3500 Quadratmetern – mit der Möglichkeit, auf 4500 Quadratmeter zu erweitern.» Die Räume wären ausserdem schon in einem super Zustand, sodass die Ausbaukosten relativ gering sein sollten.

«Die historische Webmaschinenhalle bietet sogar 8000 Quadratmeter.» Aber beide Gebäude würden die optimalen Anforderungen erfüllen. Diezi sagt:

«Bis zum Frühling wird die sich mit der Standortfrage befassende Arbeitsgruppe einen Bericht veröffentlichen.»

Natürlich würde die Stadt Arbon letztendlich tun, was der Kanton wolle. Es soll aber deutlich gemacht werden, dass ihnen alle Möglichkeiten in Arbon zur Verfügung stehen. Der Stadtpräsident sagt:

«Der Oberthurgau will, kann und soll ein kantonales Museum kriegen.»
Mehr zum Thema

Thurgau: Historisches Seilziehen ums Museum

Wo soll künftig das Historische Museum stehen? Oberthurgauer Parlamentarier machen Druck für einen baldigen Standortentscheid und bringen Arbon in Stellung. Regierungsrätin Monika Knill fordert Geduld.
Christian Kamm