Amriswil
Stammgäste überraschen «Eufrat»-Besitzer Musa Tozman mit einem Check: «Für mich sind diese 2000 wie 20'000 Franken»

Weil die Brass Band Posaunenchor Amriswil während des Lockdowns nicht in ihrem Stammlokal einkehren kann, unterstützen die Blasmusiker den Wirt der Pizzeria Eufrat mit einer Spende.

Manuel Nagel
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Gernot Rettig und Walter Schindler flankieren das Wirteehepaar Fehime und Musa Tozman und übergeben den Check.

Gernot Rettig und Walter Schindler flankieren das Wirteehepaar Fehime und Musa Tozman und übergeben den Check.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 4. März 2021)

Eigentlich ist die Zahl auf dem Check bereits wieder Makulatur, als Walter Schindler und Gernot Rettig am Donnerstagnachmittag ins «Eufrat» eintreten. Statt 1850 Franken beträgt die Summe nun etwas mehr als 2000. Der Grund dafür liegt bei einem doppelten Namen, denn unter den Mitgliedern der Brass Band Posaunenchor Amriswil befinden sich gleich zwei Personen mit ein und demselben Vor- und Nachnamen, wie Walter Schindler, Präsident der Musiker, erklärt. «Das hat unseren Kassier wohl ein bisschen verwirrt», sagt Schindler mit einem Lächeln.

Ein Lachen, das wollen die rund zwei Dutzend Bläser des Posaunenchors auch den Wirtsleuten Fehime und Musa Tozman bescheren, bei denen sie jeweils nach der Probe am Dienstag und vor grösseren Auftritten auch am Freitag einkehren. Und weil das aktuell nicht möglich ist und die Musiker so auch weniger Geld ausgeben konnten, soll nun mit einem Teil dieser eingesparten Summe die Pizzeria «Eufrat» unterstützt werden.

«Die Idee ist natürlich nicht neu», sagt Gernot Rettig, der die Aktion initiierte und in den Vorstand einbrachte. Doch es ginge ihnen auch nicht darum, etwas Neues zu machen. «Wir wollten einfach ein positives Zeichen setzen», sagt Rettig.

Aus dem Hundertjährigen wird ein 102-Jahr-Jubiläum

Denn auch die Musiker sind von Corona betroffen. Es war auf den Tag genau vor einem Jahr, als sich die Brass Band im «Eufrat» am 6. März traf und schweren Herzens ihr 100-Jahr-Jubiläum absagen musste. Alles war schon vorbereitet und die Programme gedruckt. «Wir hofften, das Fest könne dann ein Jahr später steigen», sagt Walter Schindler, aber in der Zwischenzeit musste der Posaunenchor die Veranstaltung im Pentorama auf das Jahr 2022 verschieben.

Diese Probleme sind jedoch klein im Vergleich zu dem, was Musa Tozman oder auch andere Wirte durchmachen müssen. Zwar verkauft auch er einige Pizze im Take-away, «aber ich bin nicht spezialisiert auf Lieferdienste wie andere Pizzerias, zu mir kommen die Leute gewöhnlich ins Restaurant», sagt Tozman. Die Bestellungen zur Abholung seien manchmal wie ein Tropfen auf den heissen Stein.

Ob denn diese 2000 Franken nicht auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind, lautet die Frage an das überraschte Ehepaar Tozman. Musa Tozman verneint: «Diese 2000 sind für mich wie 20'000 Franken.» Es bedeute ihnen sehr viel, dass die Musiker vom Posaunenchor sie nicht vergessen würden.

Und Vereinspräsident Walter Schindler betont, dass die Summe nicht nur zugesagt sei, sondern bereits von allen innerhalb weniger Tage auf das Konto überwiesen wurde für ihren «Moses», wie Schindler ihn nennt – und das passt auch bestens, denn Musa ist die arabische Variante von Moses.