Interview

«Es zieht wieder an»: Die Unterstützungsleistungen von «Kreuzlingen hilft» werden vermehrt in Anspruch genommen

Einkaufshilfe, mit dem Hund spazieren oder Medikamente besorgen: Das Vermittlungsangebot von freiwilligen Helfern an Menschen, die wegen Corona Unterstützung brauchen, besteht seit März und auch weiterhin. Der Stadtrat befürchtet, dass es mit der Verschärfung der Massnahmen bald wieder häufiger genutzt werden wird.

Urs Brüschweiler
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Markus BrüllmannStadtrat, Departement Soziales (SP)

Markus Brüllmann
Stadtrat, Departement Soziales (SP)

(Bild: Donato Caspari, 7.2.2020)

Herr Brüllmann, die Anlaufstelle für hilfsbedürftige Personen im Begegnungszentrum Trösch wurde doch im Mai geschlossen, weil das Angebot nicht mehr benötigt wurde.

Ja. Allerdings haben wir nach der Aufhebung des Lockdowns nur die Anlaufstelle vor Ort aufgehoben. Und auch die Abgabe von Lebensmittelgutscheinen haben wir, nachdem Angebote wie «Tischlein deck dich» wieder aufgenommen werden konnten, eingestellt. Das Angebot, freiwillige Helfer zu vermitteln, besteht bis heute nahtlos weiter. Per Telefon oder E-Mail können sich nach wie vor Menschen, die Unterstützung bei Besorgungen benötigen, beim Team von «Kreuzlingen hilft» melden.

Wie intensiv wird denn das Angebot derzeit in Anspruch genommen?

Über den Sommer waren es tatsächlich nur eine Handvoll Menschen, die Hilfe benötigten. Doch mit der Verschärfung der Schutzmassnahmen hat es auf tiefem Niveau wieder angezogen. Etwa 20 bis 30 freiwillige Helfer sind derzeit für vorwiegend ältere Menschen im Einsatz und übernehmen kleinere Besorgungen, wie etwa Einkaufen, Medikamente abholen oder auch mal mit dem Hund Gassi gehen.

Befürchten Sie, dass der Bedarf nun weiter zunimmt?

Ja. Sollte der Bundesrat weitere Einschränkungen machen, könnte die Situation für viele Personen wieder schwieriger werden und das Hilfsangebot wieder vermehrt genutzt werden.

«Kreuzlingen hilft» vermittelt freiwillige Helfer. Gibt es noch genug von ihnen?

Wir hatten im Frühling eine grossartige Solidaritätswelle, rund 300 Personen haben Hilfsdienste angeboten. Knapp 100 haben dann tatsächlich Einsätze gemacht. Und es ist mir wichtig zu betonen, das hat alles immer wunderbar und ohne Probleme geklappt. Wir haben nun alle freiwilligen Helfer erneut angeschrieben. Wir merken, die Hilfsbereitschaft ist in der zweiten Welle etwas kleiner geworden, aber wir haben derzeit genügend Helfer. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir nicht Wissen, wie sich die Situation entwickelt, freuen wir uns über alle, die auch gerne helfen wollen.

Kreuzlingen hilft: Weiterhin aktiv

Mit Ausbruch der Coronapandemie im Frühjahr 2020 schuf der Stadtrat im Begegnungszentrum Trösch eine Drehscheibe für Personen, die Hilfe benötigen oder anbieten. Seither versorgen freiwillige Helferinnen und Helfer zahlreiche Personen mit Einkäufen oder erledigen Besorgungen. In Anspruch nehmen können das Angebot alle in Kreuzlingen wohnhaften Personen. Seit dem letzten Frühjahr koordiniert und organisiert das Team «Kreuzlingen hilft» die Einsätze im Begegnungszentrum Trösch. Im Verlauf der Pandemie konnte das Angebot dank des bestehenden Netzwerks von freiwilligen Helferinnen und Helfern nahtlos aufrechterhalten werden. Insbesondere Personen, die zur Risikogruppe zählen, sind auf Hilfe für den Einkauf oder andere Besorgungen angewiesen. Die Einkaufshilfen und die Lieferungen sind dank freiwilliger Helferinnen und Helfer kostenlos. Die Übergabe erfolgt unter Einhaltung der BAG-Schutz- und Hygienemassnahmen und findet ohne Zutritt in die Wohnbereiche statt. (red)

Benötigen Sie Hilfe?

«Kreuzlingen hilft» ist montags bis freitags, 9.00 bis 11.00 Uhr, erreichbar. Telefon: 071 677 65 50, E-Mail: kreuzlingen-hilft@kreuzlingen.ch.

Möchten Sie helfen?

Je nach Bedarf erledigen Sie pro Monat ein bis zwei Einkäufe für eine bedürftige Person. Wer kann und möchte, darf auch mehreren Personen helfen. Sie erhalten eine Einweisung über den Ablauf und die Aufgaben. Für allfällige Fragen oder bei Problemen steht Ihnen eine Ansprechperson zur Seite. Informationen per Telefon: 071 677 65 50 oder E-Mail: kreuzlingen-hilft@kreuzlingen.ch.

Stadtpräsident Thomas Niederberger und Stadtrat Markus Brüllmann enthüllen im Trösch den Prix Kreuzlingen 2020. Dieser geht an alle Kreuzlinger Coronahelden.

Stadtpräsident Thomas Niederberger und Stadtrat Markus Brüllmann enthüllen im Trösch den Prix Kreuzlingen 2020. Dieser geht an alle Kreuzlinger Coronahelden.

(Bild: Donato Caspari, 23.11.2020)