Stadtrat reagiert auf Kritik und ermöglicht der «Kreuzlinger Zeitung» ein Comeback als Publikationsorgan

Die «Kreuzlinger Zeitung» wird wieder amtliches Publikationsorgan der Stadt Kreuzlingen.

Urs Brüschweiler
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Ob als Newsletter-Versand oder in Zusammenarbeit mit den beiden Lokalzeitungen: Kreuzlingen hat zuletzt einiges ausprobiert in der Kommunikation.

Ob als Newsletter-Versand oder in Zusammenarbeit mit den beiden Lokalzeitungen: Kreuzlingen hat zuletzt einiges ausprobiert in der Kommunikation.

(Bild: Reto Martin)

Innert drei Jahren nimmt der Stadtrat schon die vierte Umstellung bei den offiziellen Bekanntmachungen vor. Wie die Exekutive am Donnerstag bekannt gab, hat sie die «Kreuzlinger Zeitung» wieder zum amtlichen Publikationsorgan ernannt. Der neue Vertrag läuft ab Anfang des kommenden Monats und ist bis Ende 2022 terminiert.

Ab dem 6. März werden in der regionalen Wochenzeitung somit die städtischen Mitteilungen, wie etwa Baugesuche oder Ankündigungen, abgedruckt. Stadtpräsident Thomas Niederberger sagt:

«Mit diesem Entscheid reagieren wir auf die Kritik zahlreicher Einwohner, dass die Informationen nicht mehr in einer Zeitung zu finden waren.»

Seit dem 1. Januar 2019 hatte die Stadt Kreuzlingen auf eine Zeitung als amtliches Publikationsorgan verzichtet . Stattdessen verschickt sie ihre Mitteilungen per Post oder E-Mail an jene Einwohner, welche diese bestellt hatten. Rund 600 Briefe habe man seither wöchentlich verpackt und versandt, sagt der Stadtpräsident. Die vor etwas mehr als einem Jahr eingeführte Neuorganisation habe zwar gut funktioniert, aber die Informationen hätten eben nicht einer breiten Bevölkerung uneingeschränkt und automatisch zur Verfügung gestanden.

Die Chronologie der Ereignisse

  • 2016
    Nach rund 15 Jahren mit der «Kreuzlinger Zeitung» (KZ) als amtliches Publikationsorgan schreibt die Stadt Kreuzlingen den Auftrag per 1. Januar 2017 neu aus.
  • 2017
    Bei der Vergabe passiert der Stadt ein Fehler. Sie vergibt den Auftrag deshalb an die KZ und die «Kreuzlinger Nachrichten» (KN).
  • 2018
    Der Stadtrat setzt wieder nur noch auf die KZ. Die KN werden nach dem Verkauf an Christoph Blocher nicht mehr berücksichtigt. Die KZ wird vom Konstanzer Südkurier übernommen.
  • 2019
    Der Stadtrat beschliesst künftig ganz auf Zeitungen zu verzichten. Die amtlichen Publikationen werden per Post oder Email an jene Bürger verschickt, die den Newsletter abonnieren.
  • 2020
    Der Stadtrat reagiert auf Kritik und vergibt die amtlichen Publikationen wieder an die KZ. 

Die SP startete eine Petition für die gedruckte Zeitung

Kritik an diesem System ohne gedruckte Zeitung übten auch die Sozialdemokraten. Die Ortspartei lancierte im Dezember 2018 eine Petition, welche die Rücknahme des Stadtratsentscheides forderte. Laut SP-Gemeinderätin Charis Kuntzemüller sei der Zuspruch aus der Bevölkerung sehr gross gewesen. Eingereicht hat die SP ihr Begehren jedoch nie.

«Nach Gesprächen mit dem Stadtrat hat sich herauskristallisiert, dass er seine Strategie schon bald in unserem Sinne anpassen wird.» Und genau so ist nun auch gekommen. Kuntzemüller sagt:

«Wir begrüssen den Entscheid
des Stadtrats sehr.»

Gratis-Angebot von den «Kreuzlinger Nachrichten»

Enttäuscht ist man hingegen bei den «Kreuzlinger Nachrichten». Die andere regionale Wochenzeitung hatte der Stadt Kreuzlingen im Dezember 2018 ein Angebot unterbreitet. Man wollte die amtlichen Publikationen sogar unentgeltlich veröffentlichen. Darauf ist der Stadtrat aber nicht eingegangen.

Die Zeitung kommt die Stadt günstiger als der Postversand

Es habe keine Ausschreibung stattgefunden, erklärt Stadtpräsident Niederberger. Aufträge für Dienstleistungen unter 37500 Franken jährlich könne der Stadtrat freihändig vergeben. Und hier liege man deutlich unter diesem Betrag. Für die Stadt komme die Lösung mit der Zeitung gar günstiger als die aktuelle mit dem Briefversand. Dieser findet künftig nämlich nicht mehr statt, der elektronische Versand wird aber beibehalten.

Der Stadtrat setzt künftig voll auf die «beliebte Lokalzeitung», so die Formulierung in der Medienmitteilung. Niederberger betont, dass die «Kreuzlinger Zeitung» regional stark verankert sei, alle Pressekonferenzen besuche und auch über die Gemeinderatssitzungen aktuell berichte.

Ein Beirat mit Tägerwilen, Kemmental und Lengwil

Ausserdem hätten die Nachbargemeinden Tägerwilen, Kemmental und Lengwil ebenfalls in der «Kreuzlinger Zeitung» ihre eigenen Seiten. Niederberger hat mit den drei Gemeindepräsidenten einen Beirat gegründet. Dieser werde sich regelmässig mit dem Verlag austauschen, «um die inhaltlichen Qualitäten aufrechtzuerhalten».

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