Stadtplanung
«Dieses Projekt löst einen wirtschaftlichen Schub aus»: Warum die Stadt Kreuzlingen die Ortsplanungsrevision pusht

Nach fünf Jahren Arbeit in der Verwaltung folgt nächste Woche ein Meilenstein: Der Kreuzlinger Gemeinderat soll den neuen Zonenplan und das Baureglement erlassen. Die Rahmennutzungsplanung soll zahlreiche Knoten in der Stadtentwicklung lösen.

Urs Brüschweiler
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Eine Luftaufnahme der Stadt Kreuzlingen.

Eine Luftaufnahme der Stadt Kreuzlingen.

(Bild: PD)
«Kreuzlingen ist grün.»
Anthony SarnoStadtplaner Kreuzlingen

Anthony Sarno
Stadtplaner Kreuzlingen

(Bild: PD/Caroline Leuch)

Dieser Satz stammt von Stadtplaner Anthony Sarno. Er meint ihn aber nicht politisch, sondern rein optisch. Das Luftbild zeigt, die dominierende Farbe über das Stadtgebiet ist tatsächlich Grün. Und dies soll auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten so bleiben. Dem Erhalt von Natur und Landschaft habe man bei der aktuellen Ortsplanungsrevision grosses Gewicht beigemessen. Deutlich wird das nicht nur daran, dass keine einzige Einzonung auf Kosten von Kulturland vorgenommen wird. «Das ist das erste Mal, seit Einführung des Zonenplans 1958», betont Sarno.

Ein Mammutprozess über fünf Jahre

Seit 2016 arbeitet die Kreuzlinger Bauverwaltung an dem Mammutwerk der Rahmennutzungsplanung, welche die Revision des Zonenplans und des Baureglements umfasst. Stadtpräsident Thomas Niederberger sagt:

Thomas NiederbergerStadtpräsident Kreuzlingen

Thomas Niederberger
Stadtpräsident Kreuzlingen

(Bild: PD)
«Es gibt wahrscheinlich keinen intensiveren Prozess für eine politische Gemeinde.»

Es gehe letztlich um nichts weniger als die Entwicklung Kreuzlingens in den nächsten 10 bis 20 Jahren. Die immense Arbeit von Fachplanern, Juristen und der gemeinderätlichen Spezialkommission, die alleine 26 Sitzungen abhielt, und die öffentlichen Auflagen, die zahlreichen Infoabende und Vernehmlassungen münden nun am Donnerstag in der Sitzung des Stadtparlamentes. «Das ist ein Meilenstein. Wir hoffen auf eine grosse Zustimmung für unser Paket», sagt Niederberger. Stadtrat Ernst Zülle bezeichnet den 6. Mai sogar als den «grossen Tag».

Ernst ZülleStadtrat Departement Bau

Ernst Zülle
Stadtrat Departement Bau

(Bild: PD)
«Wir sind überzeugt, wir haben etwas sehr Gutes geschaffen.»

Stimmt der Gemeinderat der Botschaft zu, und ergreift niemand das Referendum, geht der Aktenberg zur Genehmigung an das kantonale Departement für Bau und Umwelt nach Frauenfeld. Dieses wird auch über allfällige Rekurse zu den vom Stadtrat abgelehnten Einsprachen befinden. «Wir hoffen, dass die neue Ortsplanung so schnell wie möglich in Kraft treten kann», sagt der Stadtpräsident. Das Projekt habe beim Stadtrat höchste Priorität. Entsprechend hätte man es auch gepusht. Niederberger betont auch die wirtschaftliche Bedeutung. Es führe zu Planungssicherheit für Investoren, Grundeigentümer und Architekten.

«Das wird einen wirtschaftlichen Schub auslösen.»

Gerade in der aktuell schwierigen Zeit seien Aufträge für das Gewerbe wichtig.

Die Investoren warten

Die Ortsplanungsrevision soll zahlreiche Knoten lösen. Etwa bei den Überbauungen beim Löwenareal, beim Wolfacker und bei der Hauptpost warten die Investoren darauf, ihre Projekte realisieren zu können, erklärt Ernst Zülle. Dort sind nämlich höhere Häuser oder Hochhäuser vorgesehen. Erstere bis 30 Meter und Letztere bis 40 Meter würden die neuen Vorschriften in definierten Gebieten und unter hohen Qualitätskriterien nämlich erlauben.

Verdichtung nach innen, statt Zersiedelung

Der wichtigste Leitgedanke in der Ortsplanungsrevision ist die Verhinderung der weiteren Zersiedlung. Damit aber das prognostizierte Bevölkerungswachstum gemäss kantonalem Richtplan auf 30'000 Raumnutzer aufgefangen werden könne, brauche man eine Verdichtung nach innen, erklärt Anthony Sarno. Mehr in die Höhe zu bauen, sei dabei aber nur eines von vielen Mitteln.

Genauso viel Wert legte man dabei aber auf die Stärkung der Siedlungs- und Freiraumqualität. In den neuen Strukturerhaltungszonen im Quartier Bodan, zwischen der Rosgarten- und Stählistrasse und um die Weinbergstrasse werden die ortstypischen Strassenzüge mit speziellen Vorschriften gesichert. Die Einführung einer minimalen Grünflächenziffer ist ein weiteres Beispiel für Massnahmen in diese Richtung.

Schlosswiese wird definitiv nicht überbaut

Die Wiese vor dem Schloss Brunnegg in Kreuzlingen darf nicht bebaut werden.

Die Wiese vor dem Schloss Brunnegg in Kreuzlingen darf nicht bebaut werden.

(Bild: Andrea Stalder)

Im Speziellen wird auch der schon ein Jahrzehnt dauernde Streit um die Freihaltung der Schlosswiese im Westen der Stadt geklärt. Das einst als teuerste Kuhwiese der Schweiz verschriene Land beim Schloss Brunnegg wird zur Freihaltezone. Für die Eigentümer bestünde dann die Möglichkeit, eine Entschädigung einzufordern.

Zu spät für das neue Stadthaus

Diskussionsstoff bieten wohl auch zwei weitere Punkte im Dossier: Auf dem Areal Ziegelhütte beim Autobahnanschluss Süd ist eine «Deponiezone Typ A» vorgesehen. Die Lagerung von sauberem Aushub will man dort künftig möglich machen.

Und die maximale Gebäudelänge in der Zone für öffentliche Bauten wird von 50 auf 180 Meter vergrössert. Für das Stadthaus auf der Festwiese kommt diese Erhöhung bekanntlich zu spät. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass es bereits heute zahlreiche viel längere Gebäude gebe, sei diese Neuregelung absolut sinnvoll, erklärt Stadtrat Ernst Zülle.