Stadtfest hob die Stimmung in Bischofszell

Stadtpräsident Thomas Weingart wähnt die Rosenstadt auf einem guten Weg. Priorität hat für ihn der Abschluss laufender Projekte.

Georg Stelzner
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Thomas Weingart, seit 2015 Stadtpräsident von Bischofszell, im Rosenklanggarten bei der Johanneskirche.

Thomas Weingart, seit 2015 Stadtpräsident von Bischofszell, im Rosenklanggarten bei der Johanneskirche.

Bild: Andrea Stalder

Das nach zehnjähriger Pause erstmals wieder durchgeführte Stadtfest setzte dem Jahr 2019 in Bischofszell die Krone auf. Dieser Meinung sind nicht nur viele Einwohner, sondern auch Stadtpräsident Thomas Weingart: «Das Fest wirkte euphorisierend. Ein solcher Anlass ist wichtig für die Identifikation mit dem Wohnort.»

Besonders erfreut ist Weingart über den reibungslosen und unfallfreien Verlauf der Grossveranstaltung. Es habe keine Reklamationen gegeben, was bei einer Veranstaltung dieser Grössenordnung nicht selbstverständlich sei.

Zwei Altersheime arbeiten zusammen

Positive Erwähnung finden in Weingarts Jahresbilanz aber auch Projekte, die zum Teil einer langen Vorarbeit bedurften wie der Anschluss der ARA Halden an die ARA Bischofszell mit dem nötigen Zusammenschluss der beiden Abwasserverbände.

Angetan ist der Stadtpräsident auch von der heuer begonnenen Kooperation zwischen den beiden Alters- und Pflegeheimen in der Stadt, dem Bürgerhof und dem Sattelbogen: «Hier ist ein grosses Potenzial vorhanden. Ich würde es begrüssen, wenn die Zusammenarbeit über die zweijährige Versuchsphase hinaus Bestand hätte.»

Fokus liegt auf aktuellen Aufgaben

Es befänden sich derzeit recht viele Projekte in der Realisierungsphase, nicht bei allen sei aber der Fortschritt sofort zu erkennen, führt Weingart aus. Die Zukunft des Bürgerhofs und der von einem Hangrutsch bedrohten Haldenstrasse sowie den Abschluss der Ortsplanungsrevision nennt er als Beispiele.

«Der Stadtrat möchte zunächst vorhandene Pendenzen abarbeiten, bevor er neue grosse Vorhaben in Angriff nimmt», erklärt Weingart. Er kennt die Krux seines Metiers: «In der Politik braucht man viel Geduld.» Dennoch sieht der Stadtpräsident Licht am Ende des Tunnels.

Man biege in diversen Bereichen auf die Zielgerade ein. Gut unterwegs seien etwa die verselbständigten Technischen Gemeindebetriebe, in deren Verwaltungsrat qualifizierte Personen Einsitz genommen hätten. Schneller als erwartet hat laut Weingart das Modell des Coworking-Space Fuss gefasst.

Klare Absage an Entlastungsstrasse

Die Weichenstellung mit dem nachhaltigsten Effekt datiert vom 19. Mai. Damals sprachen sich die Stimmbürger an der Urne gegen eine Entlastungsstrasse aus. Das deutliche Nein habe ihn aufgrund der Argumentationslinie der Gegner nicht überrascht, räumt Weingart ein.

«Enttäuschend war, dass die Bürger das langfristige Denken des Stadtrates nicht gewürdigt haben», sagt der Stadtpräsident. Es sei bei dieser Frage nicht um einen unmittelbar bevorstehenden Strassenbau, sondern um eine strategische Entscheidung gegangen.

Klagen wegen zu lauter Kirchenglocken

Das Jahr 2019 war auch in anderer Hinsicht kein gewöhnliches. So löste die Kontroverse über die zu nächtlicher Stunde schlagenden Kirchenglocken eine Diskussion aus, in der Fingerspitzengefühl gefragt war. Er habe aufgrund der Gesetzeslage «contre coeur» entscheiden müssen, gesteht Weingart.

Lob zollt der Stadtpräsident den Kolleginnen und Kollegen in der Bischofszeller Exekutive Stadtrat. «Wir hätten nicht so viel erreicht, wenn es im Stadtrat nicht so gut klappen würde.» Die beiden neuen Mitglieder hätten sich gut eingearbeitet. «Ich bin mit der Zusammensetzung glücklich», sagt Weingart.

Neujahrsbegrüssung der Stadt Bischofszell: Mittwoch, 1. Januar 2020, 15 bis 17 Uhr; Bürgersaal im Rathaus, Marktgasse 11.

Persönliche Highlights

Am 10. Februar und am 27. Mai erlebt Thomas Weingart zwei, wie er es selber nennt, «Hühnerhautmomente». Bei den Erneuerungswahlen zu Jahresbeginn wird der Stadtpräsident eindrucksvoll im Amt bestätigt. Als Einziger übertrifft er die Marke von 1000 Stimmen. Mit einem solchen Resultat habe er nicht gerechnet, gesteht Weingart zehn Monate später, zumal es im Vorfeld mehrere umstrittene Entscheide gegeben habe. An der Rechnungsgemeinde danken ihm über 200 Stimmberechtigte mit einem langen Applaus für die geleistete Arbeit. «Da fühlt man sich als Politiker getragen», stellt Weingart erfreut fest. (st)

Ausblick auf das Jahr 2020

Die Revision der Ortsplanung, eines zeit- und arbeitsintensiven Projekts, sollte im nächsten Jahr zum Abschluss gebracht werden. Gemäss Bischofszeller Gemeindeordnung ist dazu eine Abstimmung an der Urne erforderlich. «Vermutlich wird es im November 2020 so weit sein», erklärt Thomas Weingart.

Gespannt verfolgen wird der Stadtpräsident auch, wie sich die Technischen Gemeinde- betriebe Bischofszell nach der Verselbständigung entwickeln. Die Tragweite dieser Massnahme, welche vor dem Hin­tergrund der sich ändernden Rahmenbedingungen auf dem Markt getroffen wurde, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nur erahnen, sagt Weingart.

Mit einem Thema wird sich der Stadtrat mit Sicherheit nicht mehr befassen müssen. Weingart meint die Entlastungsstrasse, über welche jahrzehntelang diskutiert wurde. Das Thema «Verkehr» sei deswegen aber keineswegs vom Tisch, betont der Stadtpräsident unter Hinweis auf das Langsamverkehrskonzept, das es nun schrittweise umzusetzen gelte.

Weingart nennt ein Beispiel: «Wenn der Kanton die Steigstrasse und den Kreisel beim Bahnhof saniert, hätten wir gerne Optimierungen, damit Bischofszell sicherer wird.» Dies könnte durch die Erstellung eines Radstreifens und mit einer Temporeduktion auf 30 km/h erreicht werden. Er wünsche sich, dass der Kanton dieses Anliegen in seine Abklärungen einfliessen lässt.

Einen Wunsch richtet der Stadtpräsident auch an die Einwohner. Er sähe es gerne, wenn die Bevölkerung noch mehr Interesse an den politischen Prozessen und Entscheidungen zeigen würde, und zwar nicht nur dann, wenn eigene Interessen betroffen sind. «Dazu bedürfte es keines grossen Aufwands», ist Weingart überzeugt. (st)