Stadt und Kanton tauschen Land

Am 10. Februar wählen die Stimmbürger nicht nur einen neuen Stadtpräsidenten, sie befinden auch über ein Landgeschäft im Osten der Gemeinde. Für die Stadt Amriswil springen dabei zusätzliche zwei Millionen heraus.

Manuel Nagel
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Das unbebaute Land (Bildmitte) westlich der Schrofenstrasse und hinter der Käserei möchte die Stadt an den Kanton abtreten. (Bild: Reto Martin)

Das unbebaute Land (Bildmitte) westlich der Schrofenstrasse und hinter der Käserei möchte die Stadt an den Kanton abtreten. (Bild: Reto Martin)

Bauland ist ein knappes Gut geworden, nicht nur in Amriswil. «Wir wollten deshalb nicht nur Land an den Kanton abtreten und Geld dafür bekommen, wir wollten im Gegenzug auch Land bekommen, auf dem wir wieder etwas machen können», sagte Stadtpräsident Martin Salvisberg, als er am Donnerstagabend ins Stadthaus zur Parteien- und Medienorientierung lud.

Es geht um einen Landtausch im Westen der Stadt. Vor rund zehn Jahren verkaufte die Kantonalbank eine grosse Fläche Land weiter, welche der Bank aus einer Konkursmasse zugeflossen war. Es handelt sich dabei um ein beachtliches Grundstück nördlich der Bahnlinie beim neuen Bahnhof Oberaach und südlich der Weiherholzstrasse.

Bundesgerichtsurteil zum Nachteil Amriswils

Stadt und Kanton erwarben 2009 je einen Teil dieses beträchtlichen Areals. Amriswil nahm den östlichen Teil, der Thurgau den westlichen. Die Verteilung der beiden Grundstücke erfolgte damals zufällig, denn weder Kanton noch Gemeinde hatten bestimmte Pläne – aber man war sich einig, dass diese strategische Fläche gesichert werden müsse.

Aus Sicht der Gemeinde entschied der Zufall falsch, denn durch ein Bundesgerichtsurteil wurde der östliche Teil sistiert und kann – im Gegensatz zum westlichen Teil – nun nicht mehr als Bauland genutzt werden. Dadurch verlor die Stadt viel Geld.

«Die Verhandlungen mit der Stadt waren sehr freundschaftlich, aber hart.»Andy HellerKantonsingenieur

«Die Verhandlungen mit der Stadt waren sehr freundschaftlich, aber hart.»
Andy Heller
Kantonsingenieur

Doch nun hat sie die Chance, beim jetzigen Landgeschäft mit dem Kanton wieder Liquidität zurückzugewinnen, denn der Thurgau möchte westlich der Kreuzung Kreuzlinger- und Schrofenstrasse einen kantonalen Werkhof bauen. Das 16225 Quadratmeter grosse Areal ist im Besitz der Stadt. Im Gegenzug tritt der Kanton sein Grundstück mit 12787 Quadratmetern nördlich der Bahnlinie ab. Deshalb müssen nun die Amriswiler Stimmberechtigten am 10. Februar nicht nur einen neuen Stadtpräsidenten wählen, sondern auch entscheiden, ob sie diesem Landtausch zustimmen wollen.

Regierungsrat hat sich beeilt

«Martin wollte unbedingt schon im Februar an die Urne», sagte Kantonsingenieur Andy Heller, der an der Seite von Stadtpräsident Salvisberg den Kanton vertrat. Damit dieser sportliche Zeitplan eingehalten werden konnte, musste der Regierungsrat noch vor Weihnachten über das nicht ganz einfache Geschäft befinden. Am 18. Dezember gab er schliesslich grünes Licht.

Für die Stadt lohnt sich dieser Tausch, denn sie bekommt für das Grundstück bei der Käserei Schrofen nicht nur ein anderes Stück Land, welches ziemlich genau 500 Meter nördlich davon liegt, sondern auch noch etwas mehr als zwei Millionen Franken.

Bauland für Gewerbe bleibt in Hand der Stadt

Denn Amriswil sei zwar ein freundschaftlicher aber auch ein sehr harter Verhandlungspartner gewesen, sagte Andy Heller mit Blick auf Salvisberg. Dieser bestätigte, dass man «hin und her diskutieren» musste, dass es aber immer sehr sachlich abgelaufen sei. Unter anderem habe man auch neutrale Immobilienbewertungen vorgenommen, um den Wert der verschiedenen Grundstücke zu eruieren.

Für Stadtpräsident Salvisberg kam nicht in Frage, nur Land zu verkaufen. Mit dem Landtausch erhält Amriswil nun wieder Bauland, welches Gewerbebetrieben angeboten werden könne, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Neue Arbeitsplätze und Wertschöpfung für Amriswil würden auch durch den geplanten kantonalen Werkhof entstehen. Und unter Umständen lassen sich dadurch auch für die Stadt künftig Synergien nutzen, sei es durch einen gemeinsamen Salzsilo, eine Waschanlage oder etwas anderes.