Stadtparlament
Wie ein öffentliches WC zum Politikum wird: Das Kreuzlinger Parlament berät den Neubau eine Toilette im Seeburgpark

Die Anlage beim grossen Spielplatz ist in die Jahre gekommen und soll ersetzt werden. Doch die hohen Kosten dafür im Budget waren bürgerlichen Politikern ein Dorn im Auge. Jetzt erhält das Geschäft ein eigenes Traktandum im Gemeinderat.

Urs Brüschweiler
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So sieht die Anlage im Seeburgpark heute aus. Sie wurde 1979 erstellt.

So sieht die Anlage im Seeburgpark heute aus. Sie wurde 1979 erstellt.

Bild: Urs Brüschweiler
«So, viel mehr kann ich Ihnen über ein neues WC glaube ich nicht erzählen.»

Stadtrat Ernst Zülle hat soeben den Medienvertretern rund eine halbe Stunde das geplante Klo-Erneuerungs-Projekt beim Spielplatz im Seeburgpark erläutert. Am nächsten Donnerstag wird sich das Stadtparlament mit der Vorlage beschäftigen. Dass so grosses Aufhebens um eine öffentliche Toilette gemacht werde, sei durchaus selten, sagt der Stadtrat. Allerdings hatten die Gemeinderäte schon zweimal explizit verlangt, dass sie über das Geschäft separat befinden können.

Bei einer halben Million tauchten Fragen auf

In der Budgetdebatte im Oktober 2019 hatte SVP-Gemeinderätin Barbara Hummel die geplanten Ausgaben von 480'000 Franken für eine WC-Anlage und 250'000 Franken für einen daran angebautem Velounterstand kritisiert. Der Stadtrat sei dann über die Bücher, berichtet Zülle. Für die Fahrräder werde man nun eine Lösung beim Hafenmeistergebäude nebenan realisieren und die Toilettenanlage habe man um ein Modul reduziert. «So können wir rund 200'000 Franken einsparen.»

Ernst ZülleStadtrat Kreuzlingen (CVP)

Ernst Zülle
Stadtrat Kreuzlingen (CVP)

Bild: PD

In der Budgetdebatte im Oktober 2020 blieb der Gemeinderat dann bei seiner Haltung und versah den Posten «Ersatz WC Spielplatz Seeburgpark» erneut mit einem Sternchen. Was bedeutete, der Rat will dazu eine eigene Botschaft erhalten. «Der Gemeinderat wollte, bei den Kosten von ursprünglich fast einer halben Million Franken, genau wissen, was wir planen.» Stadtrat Ernst Zülle hat damit kein Problem und legt nun das reduzierte Kreditbegehren über 380'000 Franken für den Ersatz der WC-Anlage vor.

Das Klo hat 40 Jahre auf dem Buckel

Die bestehende Anlage sei 1979 erbaut worden, habe nun also über 40 Jahre auf dem Buckel. Trotz einer Sanierung 2013 für 25'000 Franken sei der Zustand heute nicht mehr befriedigend. Zülle erzählt:

«Der Bodenbelag löst sich, das Dach ist undicht, die Elektroinstallationen müssen erneuert werden und vor allem muss das WC im Winter geschlossen werden.»

Wenn die Leute bei den ersten Sonnenstrahlen im Frühling auf den Spielplatz kommen, sei das ein Problem. Solange Frostgefahr bestehe, könne man das WC nicht öffnen. Man habe deswegen schon Beschwerden erhalten und es gebe jeweils auch Wildpinkler.

Aus «untötlichem» Edelstahl

Das neue WC soll all diese Probleme lösen. Mit den WCs der Firma Fierz habe man in der Stadt bislang sehr gute Erfahrungen gemacht, sagt Zülle. Zuletzt wurde ein solches am Helvetiaplatz installiert.

«Sie sind nicht ganz günstig, aber gut.»

Selbstverständlich werde die Stadt aber auch noch Gegenofferten einholen, bevor der Auftrag vergeben werde. Über eine auch für Behinderte zugängliche Familientoilette mit Wickeltisch wird die neue WC-Anlage verfügen und über zwei Unisex-Kabinen. Eine Dritte hat man aus Spargründen weggelassen. Der Neubau sei für die Werkhof-Mitarbeiter einfacher zu reinigen als bisher und auch für die Benutzer hygienischer. Der rostfreie Edelstahl sei beinahe «untötlich», sagt Zülle. Das verhindere Vandalismus. Das Häuschen werde aus optischen Gründen zudem mit einer Verkleidung aus Lärchenholz versehen.

Und so wie diese im Bild, soll die neue Anlage dereinst aussehen.

Und so wie diese im Bild, soll die neue Anlage dereinst aussehen.

Bild: PD

Der Stadtrat ist überzeugt von seinem Projekt. Zülle betont, dass es bei den Tausenden Besuchern im Seeburgpark wichtig, sei dass diese Anlage funktioniere und immer offen sei.