Spendenfonds für die Ärmsten: Bischofszell hilft unbürokratisch

Die ersten Erfahrungen mit dem im Vorjahr ins Leben gerufenen Fonds sind positiv, wie Christina Forster, Stadträtin mit dem Ressort Soziales, erklärt.

Georg Stelzner
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Stadträtin Christina Forster im Eingang zu den Sozialen Diensten in der Marktgasse.

Stadträtin Christina Forster im Eingang zu den Sozialen Diensten in der Marktgasse.

Reto Martin

Kinder nehmen an Lagern teil, beteiligen sich an Angeboten des Ferienspasses, vergnügen sich im Schwimmbad, treten einem Sportverein bei oder lernen ein Musikinstrument. Das alles ist möglich, wenn das Elternhaus imstande ist, solche Aktivitäten zu finanzieren.

Doch was geschieht, wenn das nicht möglich ist? Sozialhilfeleistungen setzen sich aus dem Grundbedarf für den Lebensunterhalt, die Wohnkosten und die medizinische Grundversorgung zusammen. Spezielle Kosten, wie zum Beispiel die Freizeitbeschäftigungen der Kinder, werden über den Grundbedarf nicht abgedeckt.

Auf Freiwilligkeit basierend

Bleibt Kindern aus finanzschwachen Familien also nur der Verzicht? Bis vor kurzem war es in der Regel so, doch seit Sommer 2019 existiert der Fonds «Spenden für die Ärmsten unter uns». «Der Vorschlag kam vom Team der Sozialen Dienste», sagt Christina Forster, Vizestadtpräsidentin und als Stadträtin für das Ressort Soziales verantwortlich.

Sie konnte sich für die Idee sofort begeistern. «Auch deshalb, weil das Projekt auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basiert», erklärt Forster. Der Fonds werde über finanzielle Spenden von Privatpersonen, Unternehmen, Parteien sowie Non-Profit-Organisationen geäufnet.

Keine Auszahlung von Bargeld

Einwohner, die durch Gelder des Fonds unterstützt werden, seien von der Verpflichtung einer Rückerstattung befreit, betont die Stadträtin. Damit könne verhindert werden, dass sich Sozialhilfeempfänger zusätzlich verschulden.

Leichtfertig werde das einbezahlte Geld auf keinen Fall ausgegeben, versichert Christina Forster. Das sei man den Spendern schuldig. Es komme auch nicht zur Auszahlung von Bargeld. Die Mittel aus dem Fonds würden ausschliesslich dazu verwendet, Sachleistungen zu finanzieren. Dadurch lasse sich ein Missbrauch verhindern.

Unterstützung bedarf eines Antrags

Wer vom Fonds unterstützt werden will, muss nach den Worten Forsters nicht nur einen Antrag stellen, sondern auch die eigenen Einnahmen und Ausgaben offenlegen. Bis anhin hätten vor allem Sozialhilfeempfänger vom neuen Angebot Gebrauch gemacht.

Von diesen Leuten kenne man die Lebenssituation und die Vermögensverhältnisse ohnehin bereits. Einen Antrag auf Unterstützung können laut Forster aber auch andere bedürftige Einwohner der Stadt Bischofszell stellen.

Finanzkompetenzen klar geregelt

Dem seit Juni 2019 bestehenden Fonds wird zur Freude Christina Forsters in der Bischofszeller Bevölkerung viel Goodwill zuteil. Derzeit stünden 7000 Franken zur Verfügung. «Ich war zuversichtlich und sehe mich in meiner Einschätzung jetzt bestätigt», sagt die Stadträtin.

Sie sei begeistert, wie viel Geld von Freiwilligen bereits einbezahlt worden sei. Forster verweist darauf, dass Spenden für den Fonds von den Steuern abgezogen werden können. Finanzkompetenzen sind klar geregelt Die Finanzkompetenzen für die Mittelverwendung sind in den «Richtlinien zum Fonds» exakt definiert.

Bis zu einem Betrag von 1000 Franken pro Fall entscheidet das Präsidium der Sozialhilfebehörde (also Stadträtin Christina Forster) gemeinsam mit der Leitung der Sozialen Dienste. Ab 1000 Franken pro Fall ist ein Beschluss der Sozialhilfebehörde erforderlich.

Nachfrage könnte grösser sein

Christina Forster appelliert an bedürftige Familien, die ausgestreckte Hand zu ergreifen. «Es wäre wünschenswert, wenn von unserem Angebot noch vermehrt Gebrauch gemacht würde», sagt sie.

Man habe kein Interesse daran, Geld zu horten. Die Mittel sollten sinnvoll und unbürokratisch eingesetzt werden. Die Initiative müsse aber von den Personen der Zielgruppe ausgehen. Den Fonds werde es so lange geben, wie Mittel vorhanden sind und ein Bedürfnis besteht. 

Spenden können per Banküberweisung auf folgendes Konto einbezahlt werden: IBAN CH39 0900 0000 8500 5991 4. Im Bischofszeller Rathaus, Marktgasse 11, sind auch Einzahlscheine erhältlich.

Aus den Richtlinien

Der Fonds «Spenden für die Ärmsten unter uns» ist gemeinnützig und zweckgebunden für die Finanzierung von solchen Unterstützungsleistungen einzusetzen, die nicht über die gesetzliche Sozialhilfe gedeckt sind. Anspruchsberechtigt sind primär Personen, die zum Zeitpunkt der Zuwendung Sozialhilfe von der Stadt Bischofszell beziehen. Auch für andere unterstützungsbedürftige Einwohner können Mittel aus dem Fonds verwendet werden. Die Stadt kann ebenfalls Einlagen in den Fonds tätigen. Diese sind aus dem allgemeinen Steuerhaushalt zu finanzieren. Solche Einlagen bedürfen aber der ausdrücklichen Zustimmung des Stadtrats. (st)