Spannende Ausgangslage bei den Gemeindewahlen in Zihlschlacht-Sitterdorf

An einer Versammlung warben zwei Frauen und sieben Männer um das Vertrauen der Wähler. Da es in Zihlschlacht-Sitterdorf mehr Kandidierende als zu vergebende Gemeinderatssitze gibt, verspricht die Wahl spannend zu werden.

Georg Stelzner
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Sie sind derzeit im Gemeinderat Zihlschlacht-Sitterdorf und kandidieren wieder: Xaver Jans, Roger Fanetti, Heidi Grau (Gemeindepräsidentin), Walter Schindler und Christian Hinterberger. (Bild: Georg Stelzner)

Sie sind derzeit im Gemeinderat Zihlschlacht-Sitterdorf und kandidieren wieder: Xaver Jans, Roger Fanetti, Heidi Grau (Gemeindepräsidentin), Walter Schindler und Christian Hinterberger. (Bild: Georg Stelzner)

Die Stimmberechtigten in der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf sind in der beneidenswerten Situation, bei den bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen eine Auswahl zu haben. Unbestritten ist einzig das Gemeindepräsidium, für das erneut Heidi Grau-Lanz, die langjährige Amtsinhaberin, kandidiert.

Daniel Felix aus Weinfelden, der die Wählerversammlung am Dienstagabend in der Sitterdorfer Mehrzweckhalle moderierte, sah sich also mit der Aufgabe konfrontiert, gleich neun Personen auf den Zahn zu fühlen.

Nach einer Vorstellungsrunde, in der sie noch wohlüberlegte Statements abgeben konnten, waren die Kandidatinnen und Kandidaten anschliessend schon mehr gefordert.

Hartnäckiger Moderator

Der Moderator stellte nämlich Fragen zu aktuellen Themen und liess auch nicht locker, wenn jemand versuchte, sich um eine klare Antwort zu drücken. Heidi Grau gehörte nicht dazu.

Routiniert und souverän nahm sie selbst zur provokanten Frage, ob es nicht Zeit für einen Wechsel an der Spitze der Gemeinde wäre, gelassen Stellung. «Das kann man natürlich so sehen», entgegnete die Gemeindepräsidentin. «Doch vielleicht wollen die Wählerinnen und Wähler auch einfach von meiner Erfahrung profitieren.»

Heidi Grau wertete ihre mehrmalige Wiederwahl als Vertrauensbeweis. Natürlich habe sich im Berufsalltag mit der Zeit eine gewisse Routine eingestellt, doch bringe fast jeder Tag etwas Neues. «Die Einwohner sind bei ihren Wünschen sehr kreativ.»

Sie wollen erstmals in den Gemeinderat Zihlschlacht-Sitterdorf einziehen: Marc Fröhlich, Eliane Müller, Simon Schmutz und Jonas Seiterle. (Bild: Georg Stelzner)

Sie wollen erstmals in den Gemeinderat Zihlschlacht-Sitterdorf einziehen: Marc Fröhlich, Eliane Müller, Simon Schmutz und Jonas Seiterle. (Bild: Georg Stelzner)

Nicht bei allen Fragen gleicher Meinung

Farbe bekennen mussten die Kandidierenden vor allem bei zwei Fragen. Der Moderator wollte die Meinung zur Zersiedelungs-Initiative wissen und wo es in der Gemeinde noch Sparpotenzial gebe. Ein klares Ja zur Initiative liess sich nur Jonas Seiterle entlocken.

Marc Fröhlich erklärte, dass er sich noch zu keiner Entscheidung habe durchringen können. Alle anderen – nicht zuletzt die Gemeindepräsidentin – machten aus ihrer Gegnerschaft zur Initiative kein Hehl. Xaver Jans räumte ein, dass man emotional für die Initiative sein könne, nicht aber, wenn man sie rational beurteile.

Eliane Müller vertrat die Ansicht, dass die Gemeinde diese Problematik schon jetzt gut im Griff habe. Simon Schmutz nannte die Nachhaltigkeit als wichtige Zielsetzung, Walter Schindler warnte vor neuen gesetzlichen Hindernissen.

Roger Fanetti gab zu bedenken, dass beim Planen ein gewisser Spielraum unabdingbar sei, und Christian Hinterberger betonte, dass ein moderates Wachstum weiterhin möglich sein müsse.

Schwierige Suche nach Sparpotenzial

Am deutlichsten unterschieden sich die Standpunkte bei der Frage nach Möglichkeiten, Geld zu sparen. «Auf keinen Fall im Sozialwesen», betonte Jonas Seiterle, der damit aber allein blieb. Christian Hinterberger plädierte für permanente Sparbemühungen in allen Bereichen.

Marc Fröhlichs Vorschlag, beim Strassenunterhalt nach Möglichkeit Zurückhaltung zu üben, wurde von der Gemeindepräsidentin und von Gemeinderat Fanetti unterstützt.

Xaver Jans gestand, dass ihm nichts einfalle, wo man noch sparen könnte. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die funktionierende Nachbarschaftshilfe in der Gemeinde.

Marc Fröhlich wünscht sich in der Gemeinde einen Mittagstisch und eine Hausaufgabenhilfe für Kinder, Simon Schmutz würde gerne in die Jugend investieren, und Jonas Seiterle erachtet die Sicherheit im Strassenverkehr als verbesserungswürdig.

Keine konkreten Wünsche äusserte Eliane Müller. Wirklich Wichtiges sei nicht vernachlässigt worden, meinte sie. Aus ihrer Sicht wären es eher «kleine Sachen», die man noch umsetzen könnte.

Die Kandidierenden in Zihlschlacht-Sitterdorf

Christa Ackermann und Hans Brugger, beide seit 2011 im Gemeinderat, treten bei den Wahlen vom 10. Februar nicht mehr an. Somit werden der kommunalen Behörde in der Legislaturperiode 2019 – 2023 mindestens zwei neue Mitglieder angehören. Ausser Gemeindepräsidentin Heidi Grau (FDP, seit 2000 im Amt) aus Zihlschlacht stellen sich die folgenden vier Personen zur Wiederwahl: Roger Fanetti (FDP, seit 2018) aus Zihlschlacht, Christian Hinterberger (FDP, seit 2017) aus Sitterdorf, Xaver Jans (parteilos, seit 2007) aus Blidegg und Walter Schindler (parteilos, seit 2005) aus Zihlschlacht. Vier Kandidierende gehören dem Gemeinderat derzeit nicht an, streben aber ebenfalls einen Sitz an. Es sind dies: Marc Fröhlich (parteilos, Jahrgang 1982), Konstrukteur aus Zihlschlacht; Eliane Müller (parteilos, 1977), Hausfrau und Lehrerin aus Zihlschlacht; Simon Schmutz (parteilos, 1988), Kaufmann aus Zihlschlacht, und Jonas Seiterle (SP, 1981), Jurist aus Sitterdorf. (st)