Solidarität
Thurgauer Amateurmusiker spannen zusammen für gebeutelte Kulturschaffende

Musiker, Schauspieler und Künstler leiden noch immer unter den coronabedingten Einschränkungen. Vielen von ihnen geht das Geld aus. Die Gruppe Moscht-India will ihnen nun unbürokratisch helfen.

Mario Testa
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Kevin Leuenberger und René Keller gehören zur zwölfköpfigen Gruppe Moscht-India. Sie präsentieren ihr Projekt im Jack's Café in Weinfelden.

Kevin Leuenberger und René Keller gehören zur zwölfköpfigen Gruppe Moscht-India. Sie präsentieren ihr Projekt im Jack's Café in Weinfelden.

Bild: Mario Testa

«Moscht-India Benefit» – der Name ist Programm. Mit diesem Projekt wollen zwölf Thurgauer Amateurmusiker ihren Kollegen aus dem professionellen Bereich unter die Arme greifen. «Die Auswirkungen der Pandemie und des damit verbunden faktischen Berufsverbots spüren Menschen aus dem Musik-, Theater- und Kunstbereich immer noch», sagt René Keller, Personalberater und Gitarrist der Band Kilray. «Vielen von ihnen geht das Geld aus, da sie nun seit eineinhalb Jahren kaum Jobs haben. Und auch jetzt gibt es immer noch kaum Anlässe.»

Mit Musikerkollegen hatte er deshalb die Idee, einen Song aufzunehmen, und mit dem Erlös durch das Streamen und Kaufen des Songs, den gebeutelten Kollegen unter die Arme zu greifen.

«Ich habe im TV das Live-Aid-Konzert geschaut und gedacht, etwas Ähnliches könnten wir doch auch machen.»

Also hat Keller elf Kollegen aus dem Amateurmusik-Bereich zusammengetrommelt, um einen Song aufzunehmen. Statt einem wurden es dann aber sogar fünf Lieder, die die Gruppe unter dem Projektnamen «Moscht-India Benefit» eingespielt hat.

Filmdreh im Lokorama

Die fünf Songs seien Arrangements von bekannten Bands, aber auch von ihren jeweiligen Bandprojekten, bei welchen die zwölf Musiker sonst dabei sind. «Wir haben drei eigene Songs aufgenommen und zwei Covers», sagt Kevin Leuenberger, Eventmanager und Sänger der Band Kilray. «Mit unserem Projekt wollen wir beispielsweise Musiker, Theaterschaffende oder Tontechniker unterstützen.»

Der Musikclip «It's All Right» von Moscht-India Benefit.

Video: Joel Reisinger

Zu einem Song – dem «Travelling Wilburys»-Klassiker «At the end of the line» – drehte die Gruppe auch ein Musikvideo. Die Szenerie spielt im Lokorama in Romanshorn. In Szene gesetzt von Filmproduzent Joel Reisinger, durfte die Gruppe im Mostindien-Express des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn das Video drehen. «Der Verein hat uns den Zug als passende Location unentgeltlich zur Verfügung gestellt», sagt René Keller.

Geld durch Klicks und Sponsoren

Seit wenigen Tagen ist das Video nun zu sehen und die fünf Songs können auf diversen Plattformen gekauft werden. Noch ist damit nicht viel Geld zusammengekommen und auch über 100 E-Mails an mögliche Sponsoren brachte den Musikern bislang kaum Erfolg. «Wir hoffen natürlich, dass doch noch Geld zusammenkommt. Und wenn nicht, so soll unser Projekt doch zumindest eine Symbolik haben und die Politik darauf aufmerksam machen, dass trotz Härtefallgeldern gerade Kunstschaffende während Corona doch auf der Strecke geblieben sind», sagt Kevin Leuenberger.

Das Video der Band Moscht-India spielt im Salonwagen des gleichnamigen Zugs des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn.

Das Video der Band Moscht-India spielt im Salonwagen des gleichnamigen Zugs des Vereins Historische Mittel-Thurgau-Bahn.

Bild: PD/Joel Reisinger

Nun hoffen sie, dass doch noch viele Leute ihre Musik kauften und sie so gebeutelte Kulturschaffende im Thurgau unterstützen können. Unter dem Suchbegriff «Moscht-India» findet sich die Musik auf vielen Plattformen wie Apple Music, Amazon oder mx3.ch. «Wir haben zusätzlich auf crowdify.net auch ein Crowdfunding gestartet», sagt René Keller.

mx3.ch/moschtindiabenefit

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