«Solidarität gilt nur für wenige», sagt ein Amriswiler Vermieter und kritisiert die Stadt, dass sie über Mieterlasse nachdenkt

Unternehmer Daniel Bleiker sagt, die Stadt Amriswil setze mit ihrem Vorpreschen private Vermieter unter Druck.

Manuel Nagel
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Daniel Bleiker in seinem Haus in Hefenhofen. Er vermietet auch an Gewerbler. Diese hätten Verständnis, dass er ihnen die Miete nicht erlässt, sagt Bleiker.

Daniel Bleiker in seinem Haus in Hefenhofen. Er vermietet auch an Gewerbler. Diese hätten Verständnis, dass er ihnen die Miete nicht erlässt, sagt Bleiker.

(Bild: Manuel Nagel)

Daniel Bleiker ärgert sich. Darüber, dass die Stadt Amriswil in Erwägung zieht, ihren Mietern in gemeindeeigenen Liegenschaften die Miete teilweise oder ganz zu erlassen. Bleiker sagt:

«Für die Mieter sind solche Nachrichten natürlich erleichternd und es ist ihnen zu gönnen.»

Dass sich die Stadt Amriswil dem Gewerbe gegenüber solidarisch zeigt, das findet auch der ehemalige Inhaber des Entsorgungsunternehmens Georges Bleiker AG gut. «Aber was störend ist, dass diese Solidarität nur für wenige gilt», sagt Bleiker. Im Falle der Stadt Amriswil seien es insgesamt sechs Mieter, wie Stadtpräsident Gabriel Macedo am 27.März im Interview mit der «Thurgauer Zeitung» verriet.

Besonders ärgert Bleiker allerdings, dass die Stadt eine Vorbildfunktion einnehmen wolle. «Es ist einfach, sich als Vorbildvermieter zu brüsten und verlauten zu lassen, man wolle private Vermieter dazu animieren, dasselbe zu tun», sagt Bleiker. «Ich nehme nicht an, dass sich die Entscheidungsträger der Stadt mit ihrem eigenen verdienten Geld als Solidaritätsapostel profilieren», sagt Bleiker. Vielmehr sei es das Geld der Steuerzahler. Er sagt:

«Es ist einfach, sich mit fremden Federn zu schmücken.»

Bleiker, der selber Liegenschaften in Amriswil vermietet, gibt zu bedenken, dass viele Vermieter ihr ganzes erarbeitetes Vermögen in Mietobjekte gesteckt hätten. «Sie haften persönlich für Hypothekarkredite, sie müssen Bankzinsen bezahlen und amortisieren, Versicherungen, Heizung, Hauswarte und andere Unterhaltskosten bezahlen», sagt Daniel Bleiker. Nicht alle könnten einfach so auf Geld verzichten und die Mieten teilweise oder ganz erlassen. Daniel Bleiker erzählt:

«Selbst meine Mieter haben mir Recht gegeben, als ich ihnen diese Zusammenhänge erklärt habe.»

Unbürokratische Hilfe und ein Appell, lokal einzukaufen

Die SVP Amriswil schreibt in einer Medienmitteilung, sie habe «von der Berichterstattung in der ‹Thurgauer Zeitung› vom 4. April betreffend des geplanten Mietzinserlasses der gemeindeeigenen Liegenschaften der Stadt Amriswil Kenntnis genommen». Die SVP sieht den Mieterlass kritisch, befürwortet jedoch die Stundung der Mietzinse.
Diana Gutjahr, Vizepräsidentin der Ortspartei, sagte auf Anfrage, dass eine Lösung für die Gemeinde kostenneutral bleiben müsse. Zum einen wären es öffentliche Mittel, welche die Stadt bräuchte, zum andern würde sie damit auch private Vermieter unter Druck setzen, es ihr gleichzutun und Mieten zu erlassen.
«Zudem käme ein Mieterlass nur wenigen Betrieben in Amriswil zugute», wendet Gutjahr ein und findet, es wäre viel besser, wenn die Stadt nach der Coronakrise den Amriswiler Geschäften und Unternehmen mit unbürokratischen Massnahmen helfen würde – wie etwa flexible Öffnungszeiten, der Erlass von Gebühren und so weiter.
Ausserdem plädiert die SVP Amriswil dafür, dass Baugesuche weiterhin öffentlich aufgelegt und schnellstmöglich behandelt und freigegeben werden sollten. Die Mitteilung schliesst die SVP Amriswil mit einem Appell an alle, die lokalen Geschäfte während sowie nach der Krise vermehrt zu unterstützen. (man)