SULGEN
Max Walter war eine Persönlichkeit, die nicht nur die Gemeinde, sondern auch den Kanton geprägt hat

Der Gemeinderat hat entschieden, einen Weg nach Max Walter, dem langjährigen Gemeindeoberhaupt und Thurgauer Politiker, zu benennen. So soll die Erinnerung an ihn wachgehalten werden. Der Weg wird im Juli im Rahmen eines öffentlichen Festakts eingeweiht.

Hannelore Bruderer
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Im Juli erhält die Verbindung zwischen der Quellen- und der Sonnhaldenstrasse den Namen Max-Walter-Weg.

Im Juli erhält die Verbindung zwischen der Quellen- und der Sonnhaldenstrasse den Namen Max-Walter-Weg.

Bild: Hannelore Bruderer (Sulgen, Juni 2021)

In vier Teilstücken, von der Quellenstrasse bis zur Sonn- haldenstrasse, verläuft das rund 250 Meter lange Strässchen, das bald den Namen Max-Walter-Weg tragen wird. Max Walter, der von 1919 bis 2013 gelebt hat, war knapp 30 Jahre alt, als er gewählt und 1950 als Mitglied in der Sulger Ortskommission Einsitz nahm.

Walters politische Karriere nahm fünf Jahre später mit der Wahl zum Vorsteher der Ortsgemeinde Sulgen und zum Gemeindeammann der Munizipalgemeinde Sulgen so richtig Fahrt auf. Diese Position bekleidete er 32 Jahre lang, nämlich bis 1987. Von 1956 bis 1984 war er zudem Mitglied des Kantonsparlaments, dem er 1976/1977 als Grossratspräsident vorstand.

Wahl zum Präsidenten des Grossen Rates

Jakob Lüthi, der in den beiden letzten Legislaturen von Max Walter Mitglied der Ortskommission war, erinnert sich noch gut an seinen einstigen Weggefährten und an das Fest, das Sulgen anlässlich von Walters Wahl zum Grossratspräsidenten ausrichtete. «Im gleichen Jahr hatte Sulgen mehrere Gelegenheiten, um zu feiern. Da war auch das 100-Jahr-Jubiläum der Bischofszellerbahn.

Ferner wurde Hans Munz zum Ständeratspräsidenten gewählt. Auf der Fahrt nach Amriswil machte er in seinem Heimatort Sulgen Halt. Zur Feier in Amriswil begleiteten ihn einige bekannte Persönlichkeiten, unter anderem der damalige Bundesrat Kurt Furgler.»

Das Wohl der Einwohner stand an erster Stelle

Aber auch davor gab es in der Ära Walter Ereignisse, die Anlass zum Feiern gaben. So etwa die Einweihung des Gemeindehauses im Jahr 1960, den Zusammenschluss der Ortsgemeinden Sulgen und Bleiken 1964, die Eröffnung der Bahnunterführung 1967 und die Fertigstellung der Aufschüttung der Kiesgrube zum Sportplatz Auholz 1979.

«Max Walter war ein liebenswürdiger Mensch und ein loyaler Kollege», sagt Jakob Lüthi. Obwohl sie politisch verschiedenen Lagern angehörten – Max Walter ein Liberaler, Jakob Lüthi ein Sozialdemokrat – haben sie sich gut verstanden.

«Max Walter war vielseitig interessiert, aufrichtig und arbeitete mit allen gut zusammen, deshalb hatte er ein gutes Team um sich. An unseren Sitzungen ging es um die Sache und das Wohl der Einwohner», sagt Lüthi. «Ich erinnere mich an einen Medienbericht, in dem Sulgen als verschlafenes Dorf bezeichnet worden ist. Das hat Max geärgert. Zu Recht, denn unter seiner Führung hat Sulgen viele Fortschritte gemacht.»

Sulgen erlebte einen Entwicklungsschub

In den 1960er-Jahren begannen die Modernisierung und der Ausbau des Elektrizitätswerks, und Sulgen wurde 1967 an die Abwasserreinigung Weinfelden angeschlossen. 1985 erfolgte der Entscheid zum Bau des Auholzsaals sowie der Armee- und Truppenunterkunft ALST. Diverse Erschliessungen machten die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe möglich, darunter das Wohlfender-, Sulvag-, Sauter-, Däpp- und Messmer-Areal. Zudem entstanden neue Wohnsiedlungen in Bleiken, im Oberdorf und im Auholz.

Als Vize-Gemeindevorsteher leitete Lüthi jene Versammlung im Jahr 1980, an der Max Walter zum Ehrenbürger ernannt wurde. Walter habe es sicher verdient, dass nun auch ein Weg nach ihm benannt wird, sagt Lüthi. Mit einem Lächeln fügt er an: «Würde Max noch leben, würde er dies zwar verneinen, denn trotz seiner vielen Ämter ist er bescheiden geblieben. Das Menschliche stand bei ihm immer im Vordergrund. Er tat sich schwer, jemandem etwas abzuschlagen.»

Die Politische Gemeinde Sulgen wird den Max-Walter-Weg am Freitag, 16. Juli, offiziell einweihen. Zu dieser Feier auf der Kreuzung Quellenstrasse/Hobrigstrasse ist die Öffentlichkeit herzlich eingeladen. Der Festakt beginnt um 18.30 Uhr.