«So verliert man Lust und Hoffnung»: Der Wirt des «Roten Kreuzes» in Arbon wendet sich im Pergolen-Streit an die Stadt

Gionatan Capuano sieht sich als Opfer. Er wolle Arbon touristisch vorwärts bringen. Doch seit Jahren lege man ihm Steine in den Weg. So seien diverse Anläufe zur Hotelerweiterung gescheitert, weil gewisse Kreise die Stadt zum Museum machen wollten.

Markus Schoch
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Gionatan Capuano unter der Pergola bei den Bäumen.

Gionatan Capuano unter der Pergola bei den Bäumen.

Bild: Markus Schoch (20.August 2020)

Für Gionatan Capuano wird es eng. Ab kommenden Montag darf der Inhaber und Betreiber des «Roten Kreuzes» die beiden Pergolen nicht mehr nutzen. Sie spenden den Gästen in der Gartenwirtschaft Schutz vor Sonne und Regen. Notfalls wird die Stadt die Verfügung mit Polizeigewalt durchsetzen lassen, hat sie angekündigt.

Jetzt meldet sich der Wirt in einem offenen Brief an Stadtpräsident Dominik Diezi zu Wort. Capuano sieht sich als Opfer, und nicht als Täter. Seit 16 Jahren betreibe er sehr erfolgreich das Hotel-Restaurant direkt am Hafen unterhalb der katholischen Kirche. Es laufe so gut, dass «wir schon lange gerne die Zahl der Zimmer erhöht hätten». Doch leider sei ein Ausbau trotz wiederholter Anläufe und Zuzug des städtischen Spezialisten für Denkmalschutz nie gelungen. «Als Unternehmer verliert man so allmählich die Lust und Hoffnung», schreibt Capuano.

Gutgläubig ohne Bewilligung gebaut

Veränderungen und Entwicklung seien in Arbon offenbar unerwünscht. Und dabei habe die Stadt grosses touristisches Potenzial, schreibt der Gastronom. Er habe sich deshalb gefreut, als Diezi im Wahlkampf zum gleichen Schluss gekommen sei und sich für mehr Hotels und Restaurants am Ort starkgemacht habe. Dessen Vision von Arbon als «Historic and innovative Site» ersticke der Heimatschutz jedoch «mit Wonne im Keim». Der Verband wolle Arbon «als Museum bewahren».

Ein gutes Beispiel dafür sei das Hin und Her wegen der beiden Pergolen. «Etwas gutgläubig» habe er die «filigranen Stahlkonstruktionen» als Ersatz für die grossen Sonnenschirme vor drei Jahren gebaut, ohne eine Bewilligung einzuholen, schreibt Capuano. Er sei davon ausgegangen, dass sie nicht nötig sei.

«Die Sonnenschirme standen bewilligungsfrei auf ähnlichen Fundamenten.»

Bild: Annina Flaig

Er habe jedoch schnell merken müssen, dass es auch andere Meinungen gebe. Nachträglich habe ihm die Stadt immerhin die grössere der beiden Pergolen bewilligt, «was mich hoffnungsvoll stimmte», sagt Capuano. «Der Hammer kam später aus Frauenfeld, als das Departement für Bau und Umwelt den Entscheid wieder kippte» und befunden habe, beide Bauten müssten weg. «Das war ein Schock.»

Capuano sieht viele Arboner auf seiner Seite

Er habe den Fall ans Verwaltungsgericht weitergezogen, weil er nicht glauben könne, dass die Pergolen das Ortsbild mehr beeinträchtigen würden als die grossen Sonnenschirme, die sie ab nächster Woche in den Pergolen wegen des Nutzungsverbots allenfalls wieder aufstellen müssten, was absurd sei. Dass die Stadt dem Urteil vor- und nächste Woche hart durchgreifen wolle, sei befremdlich für ihn, sagt Capuano.

«Ein Straftäter muss doch auch erst ins Gefängnis, wenn das Urteil gesprochen ist.»

Mit dieser Ansicht sei er nicht allein. Viele Touristen und Arboner würden ihm den Rücken stärken, «weil sie wie ich nicht verstehen, warum die Stahlkonstruktionen die historische Umgebung stören sollen». Nach Meinung des Wirtes hätte es nicht so weit kommen müssen, wenn er mit der Stadt hätte reden können. «Doch leider habe ich Sie trotz einiger Versuche noch nie persönlich treffen können», schreibt Capuano an Diezi, der seit eineinviertel Jahren im Amt ist.

Diezi wehrt sich gegen Vorwurf der Gesprächsverweigerung

«Kommen Sie doch vorbei und lassen Sie uns das Problem gemeinsam überzeugend lösen», heisst es im Brief in Anspielung auf eine Aussage von Diezi auf dessen Website. Capuano kann sich vorstellen, die grosse Pergola stehen zu lassen und die kleine jeweils Anfang Saison im April aufzubauen und Ende Saison im September wieder abzubauen.

Dominik Diezi, Arboner Stadtpräsident.

Dominik Diezi, Arboner Stadtpräsident.

Bild: Andrea Stalder

Diezi will auf Anfrage den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen, das Gespräch verweigert zu haben. «Ich stehe und stand immer zur Verfügung.»

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