SITTERDORF
Appell an die Frauen: «Seid solidarisch untereinander!»

Mit Margrit Camenzind (CVP), Vreni Schawalder (SP), Dorothe Glauser (SVP) und Trudy Aepli (CVP) referierten vier politische Schwergewichte zum Thema 50 Jahre Stimm- und Wahlrecht für Frauen in der Schweiz. Organisiert hatte den Anlass «Die Mitte Frauen Thurgau».

Monika Wick
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In angeregter Diskussion: Margrit Camenzind, Vreni Schawalder, Trudy Aepli und Dorothe Glauser.

In angeregter Diskussion: Margrit Camenzind, Vreni Schawalder, Trudy Aepli und Dorothe Glauser.

Bild: Monika Wick (Sitterdorf, 10. September 2021)

Bis 1971 war es den Schweizer Frauen verwehrt, sich an eidgenössischen Abstimmungen zu beteiligen. Das änderte sich aber, als vor 50 Jahren das Stimm- und Wahlrecht für Frauen auf Bundesebene eingeführt wurde. Zu diesem Jubiläum lud «Die Mitte Frauen Thurgau» am Freitagabend vier Frauen in das Sekundarschulzentrum Bruggfeld ein, die dieses historische Ereignis hautnah miterlebten und bis heute politisch aktiv sind.

Lachen und Staunen im Publikum

Parteipräsidentin Anne Varenne sagte zu Beginn der Gesprächsrunde:

«Ich freue mich, dass die vier für den Kanton Thurgau sehr wichtigen Damen ohne zu zögern zugesagt haben.»

Ihre Worte richtete Anne Varenne an Margrit Camenzind, die als erste Frau aus dem Thurgau ins Bundesparlament gewählt wurde, Vreni Schawalder, die erste Frau im Thurgauer Regierungsrat, Dorothe Glauser, die zusammen mit einer anderen Kandidatin als erste SVP-Kantonsrätin gewählt wurde, und Trudy Aepli, die erste Präsidentin der CVP-Frauen Thurgau.

Mit Spannung lauschten die zahlreichen Zuhörerinnen und der Zuhörer den Ausführungen der vier Seniorinnen. Sie verrieten Details aus ihrem persönlichen Leben, welche Erfolge sie zu verzeichnen hatten oder auf welche Widrigkeiten sie gestossen waren. Manche Anekdoten sorgten für herzhafte Lacher oder ungläubiges Staunen.

Exklusive Schulfächer für Knaben

Margrit Camenzind erklärte, dass sie zu Beginn ihrer Karriere eher die Unterstützung von Männern anstatt der Frauen erhielt. «Später hat sich das Blatt aber gewendet», sagte sie. Vreni Schawalder erinnerte sich daran, dass Schulfächer wie Algebra, Technisches Zeichnen und Geometrie den Knaben vorbehalten waren. Vreni Schawalder sagte dazu:

«Dank meiner Lehrerin durfte ich die Lektionen aber dennoch besuchen.»

Weiter erzählte sie, dass sie als Lehrerin ein geringeres Gehalt erhalten habe als ihr Kollege. «Die Begründung dafür war, dass ich selber kochen kann und er jemanden anstellen müsse.»

Trudy Aepli erzählte, dass der Schweizerische Verband Katholischer Turnerinnen, in dessen Vorstand sie war, die Subventionen über die Männer abgerechnet wurden. «Und dass, obwohl wir ein eigenständiger Verein mit über 40'000 Mitgliedern waren», sagte sie.

Überraschende Wahl in den Gemeinderat

Dorothe Glauser wurde 1984 als Kandidatin auf der Gemeinderatsliste von Birwinken aufgeführt «weil es sich gut machen würde». Laut der heute 85-jährigen Frau war der Schock bei ihrer unerwarteten Wahl gross. Sie erinnert sich noch gut:

«Einen Maibaum habe ich nicht erhalten und zu einer Wahlfeier hatte man sich erst nach einer Woche durchringen können.»

Abschliessend erklärten die vier erfahrenen Politikerinnen, was sie den jüngeren Generationen raten und sie selber die grösste Unterstützung von ihren Ehemännern erhalten haben. «Bitte seid solidarisch untereinander, nur das gibt uns Macht im positiven Sinn», sagte Trudy Aepli.