Sirnachs Kunstradvierer tritt zur letzten WM an

Der Kunstradvierer des RV Sirnach strebt am Freitag den dritten WM-Titel in Folge an, den vierten insgesamt. Teammitglied Melanie Schmid erklärt, was es dazu braucht und weshalb das Quartett nach den Titelkämpfen in Lüttich so oder so zurücktritt.

Urs Nobel
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Der Sirnacher Kunstradvierer mit der 26-jährigen Melanie Schmid (ganz links) beendet an der WM in Lüttich seine internationale Karriere. (Bild: PD)

Der Sirnacher Kunstradvierer mit der 26-jährigen Melanie Schmid (ganz links) beendet an der WM in Lüttich seine internationale Karriere. (Bild: PD)

Vor zehn Jahren hatten die vier Mädchen Flavia Zuber, Céline Burlet Jennifer Schmid und Melanie Schmid Grosses vor. Sie wollten Weltmeisterinnen im Kunstrad werden. Unterdessen ist ihnen das schon dreimal gelungen. Zum Abschluss ihrer internationalen Karriere soll am Freitag in Belgien der vierte WM-Titel dazukommen.

Melanie Schmid, was braucht Sirnachs Kunstradvierer in Lüttich? Mehr Kampfgeist oder mehr Souveränität?

Die Mischung wird es ausmachen. Zu viel Kampfgeist ist ebenso suboptimal, wie wenn wir zu locker an die Sache gehen. Wir müssen das Optimum immer wieder neu ausloten.

Wie gross ist die Gefahr, zu locker in die Dernière zu steigen?

Wir werden uns schon einen gewissen Erfolgsdruck auferlegen, um nochmals eine Topleistung zu erbringen. Aber in Massen. Mit zu viel Druck kann es auch schieflaufen. Die Waage muss im Gleichgewicht sein.

Sie fahren schon zehn Jahre in der gleichen Zusammensetzung. Inwiefern profitieren Sie nun davon?

Man merkt uns an, dass wir unterdessen ein paar Jahre länger als andere fahren. Diese Routine ist sehr viel wert. Wir wissen vor allem bei Grossanlässen, wie wir damit umzugehen haben. So schnell bringt man uns nicht mehr aus dem Gleichgewicht. Wir kennen uns in- und auswendig. Genau das kann der Unterschied bei einem fünfminütigen Auftritt ausmachen.

Was hat sich in Ihrem Team in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Wir haben uns immer besser kennen gelernt und konnten mit Stärken und Schwächen besser umgehen. Auch das private Leben prägte uns. Wir sind älter geworden und konnten im Job mehr Verantwortung übernehmen. Sportlich fahren wir unterdessen schwierigere Küren, haben höhere Ansprüche an unsere Leistungen. Nie geändert hat die Freude am Kunstradsport.

Weshalb treten Sie denn zurück?

Wir wollten zu einem Zeitpunkt aufhören, bei dem uns der Sport noch Freude bereitet. Wir erlebten bei unseren Vorgängerinnen mit, wie deren Lust mit zunehmender Dauer abgenommen hat. Das wollten wir nicht erleben.

Werden Sie und Ihre drei Kolleginnen dem Kunstradsport erhalten bleiben?

Wir werden die Motivation hoch halten, dem Sport treu zu bleiben und uns dort einbringen, wo man dies wünscht. Ich denke da an die Funktionen als Nachwuchs-Trainerinnen oder auch an Ämter im Vorstand und dem Vereinsumfeld.

Und selber auf dem Rad?

Wir werden auch im nächsten Jahr noch auf dem Velo bleiben. Etwa an speziellen Anlässen wie im Frühling am Trickcycling-Masters in Münchwilen oder für besondere Projekte. Aber mehr Freizeit muss in Zukunft schon drinliegen.

Eschlikon und Sirnach sollen eine neue Sporthalle bekommen. Ärgert es Sie, dass Sie von diesen Möglichkeiten nicht mehr profitieren?

Ich denke da vor allem an unseren Nachwuchs, dem ich gute Trainingsbedingungen wünsche. Unsere Jüngsten machen Freude und verdienen solche Möglichkeiten. Wir hoffen einfach, dass wir als Verein zum Thema Bodenbeschaffenheit ein Wörtchen mitreden können.

Die Bodenbeschaffenheit ist im Kunstradsport tatsächlich ein entscheidender Faktor. Kennen Sie die Verhältnisse am WM-Wettkampfort in Lüttich?

Nein, noch gar nicht. Aber diesbezüglich vertrauen wir auf unsere Erfahrung. Wir sind fähig, relativ schnell mit Veränderungen umzugehen und uns anzupassen. Das hat mit der Einstellung zu tun, wie wir an den Wettkampf herangehen.

Mit welchen Gefühlen steigen Sie am Freitag in die WM?

Wir waren diese Saison sehr konstant, was uns auch etwas von der Konkurrenz abgehoben hat. Das gibt uns Zuversicht.