Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die Gemeinschaft der Alleinstehenden: 35 Single-Camper kamen mit Wohnmobilen nach Kreuzlingen

Die «Wohnmobil-Solisten-Sterne» waren am Wochenende zu Gast in der Stadt. Die Gruppe von Alleinstehenden und über 55-jährigen Campern tritt sich regelmässig in ganz Europa.
Urs Brüschweiler
Stadträtin Dorena Raggenbass brachte den «Sternen» einen Apéro. (Bild: Desirée Müller)

Stadträtin Dorena Raggenbass brachte den «Sternen» einen Apéro. (Bild: Desirée Müller)

Der Parkplatz beim Werkhof an der Promenadenstrasse wurde zum Campingplatz umfunktioniert. Trotz Nieselregen machten es sich die Besitzer der Wohnmobile am Samstag auf ihren Klappstühlen bequem, drehten gut gelaunt mit ihren Hunden eine Runde Richtung Seeburgpark oder genossen in Grüppchen in einem der 35 wohnlich eingerichteten Motorhome einen Tee.

Es gibt nur den Vornamen und das Autokennzeichen

«Ingrid TG» koordiniert gerade den Apéro. Nachnamen gibt es in dieser Gemeinschaft nicht. Immer nur Vorname und Autokennzeichen. Die Bottighoferin ist Mitglied der «Wohnmobil-Solisten-Sterne» und hat das Treffen in Kreuzlingen organisiert. Sechshundert Camper tauschen sich in einem Internetforum für Alleinreisende aus. Ein Kern von etwa 150 Frauen und Männern trifft sich bis zu 35 Mal im Jahr irgendwo in Europa. Oder sie unternehmen gemeinsam mehrmonatige Reisen. Die Voraussetzung ist, dass im Wohnmobil nur eine Person reist und sie muss über 55 Jahre alt sein. Ausnahmen gibt es ganz selten.

Das Schicksal bleibt Zuhause

Die Geschichten der «Sterne», wie sich die Mitglieder nennen, sind ganz unterschiedlich. Wie jene von Harry, der nach dem Tod seiner Frau die Freude fürs Campen verlor. Seiner Tochter brach es das Herz, ihren sonst so reiselustigen Vater so zu sehen. Sie begann mit einer Internetrecherche. «Da wurde sie auf die Sterne aufmerksam», erzählt der 82-jährige Harry. Heute ist er der Vater einer Camper-Grossfamilie. «Das ist meine Schwester, Christian dort drüben ist mein Bruder. Und er da hinten ist mein Adoptivsohn», erklärt Harry. Sogar einen Stammbaum haben die Camper angelegt. Sie nehmen ihre familiären Pflichten erstaunlich ernst.

Wie eine zweite Familie

Für Ingrid aus Bottighofen wurden die «Wohnmobil-Solisten-Sterne» ebenfalls zur zweiten Familie. «Die meisten von uns sind im Rentenalter und einige haben prägende Schicksale erlebt. Das heisst aber nicht, dass man das restliche Leben traurig und alleine verbringen muss», ist die zweifache Mutter überzeugt. Viele der Alleinreisenden möchten ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Offene Worte über das persönliche Schicksal gibt es nur im Zwiegespräch. Beim gemütlichen Zusammensein sind erfreuliche Themen gewünscht.

Im Hexenmobil um die Welt

Ingrid ist im Forum die Moderatorin für die Schweiz. Sie organisiert Treffen und Reisen. Fast ein Jahr lang plante sie dieses Wochenende in Kreuzlingen. Einen Platz zu finden für über dreissig «Womos», erwies sich als schwierig. Bei der Ifolor klappte es schliesslich. «Schon nach zehn Minuten erhielt ich die Zusage, dass wir den grossen Parkplatz kostenlos nutzen dürfen. Das ist grossartig.» Bei den Wohnmobil-Solisten lernte Ingrid die 71-jährige Edith und ihr «Hexenmobil» kennen. Sie ist die gute Seele des Forums. Die Camper rufen sie auch «Chefin», wenn es irgendwo brennt. Seit acht Jahren lebt sie in ihrem Wohnmobil.

Die Stadträtin spendiert einen Apéro

Am Samstagnachmittag trifft dann auch Stadträtin Dorena Raggenbass bei den Sternen ein. Mit dabei hat sie die Getränke für den Apéro. Über eine Stunde unterhält sie sich interessiert mit den Campern, tauscht Erfahrungen aus und will alles über das Konzept der «Sterne» wissen. «Es ist beeindruckend, was sich die Leute hier aufgebaut haben. Dazu gratuliere ich ihnen herzlich».

Es gibt auch Regeln bei den Single-Campern

Bei den gemeinsamen Reisen herrscht meist eine lockere, fröhliche Stimmung. Doch bei so vielen Teilnehmern müsse es laut Edith und Ingrid auch Regeln geben. Trainerhosen und Unterhemd bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant gehen gar nicht. Unordnung vor dem Camper wird nicht geduldet und wer den Inhalt seines WC-Tanks in den Wald schüttet, erhält eine Verwarnung. Es wurden auch schon Mitglieder aus dem Forum ausgeschlossen. So vertraut die Gruppe ist, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Gekocht wird meistens nur für sich und wer Ruhe braucht, verabschiedet sich abends mit einem kurzen Winken in sein Mobilhome. Sollte aber einmal Not am Mann sein, wie etwa bei einer Autopanne, wird einander geholfen. Das sei ein guter Kompromiss, finden die unabhängigen Camper.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.