Interview

HSC Kreuzlingen vor aussergewöhnlich erfolgreichem Saisonfinale: «Wir sind parat für den Doppelaufstieg»

Auf einen Schlag kann der HSC Kreuzlingen zu einer treibenden Kraft in der Handball-Nationalliga werden. Den Frauen ist der Wiederaufstieg in die NLA nach dem Heimsieg gegen GC Amicitia Zürich kaum mehr zu nehmen und die Männer stehen kurz vor der Promotion in die NLB. Präsident Patrick Müller spricht im Interview über neue Herausforderungen und die Vision eines kantonalen Projekts.

Matthias Hafen
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Kira Klein (links) und die NLB-Frauen des HSC Kreuzlingen haben den direkten Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse fast schon auf sicher. (Bild: Mario Gaccioli, Kreuzlingen, 7. April 2019)

Kira Klein (links) und die NLB-Frauen des HSC Kreuzlingen haben den direkten Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse fast schon auf sicher. (Bild: Mario Gaccioli, Kreuzlingen, 7. April 2019)

Patrick Mülller, welcher der Erfolge des HSC Kreuzlingen freut Sie als Vereinspräsident besonders?

Patrick Müller: Ich kann nicht sagen, dass mich einer dieser Erfolge mehr freut als den anderen. Mich freut es für alle Beteiligten, weil sie sehr viel investiert haben, damit wir nun an diesem Punkt stehen. Mit den 2.-Liga-Frauen steht zudem eine weitere Equipe vor dem Schritt in eine höhere Liga. Im besten Fall steigen diese Saison drei unserer Teams auf.

Patrick Müller, Präsident des HSC Kreuzlingen, sieht keine unlösbaren Probleme auf den Verein zukommen. (Bild: Mario Gaccioli)

Patrick Müller, Präsident des HSC Kreuzlingen, sieht keine unlösbaren Probleme auf den Verein zukommen. (Bild: Mario Gaccioli)

Bleiben wir im Bereich der Nationalliga: Wie schafft es der HSC Kreuzlingen hier, gleich auf zwei Aufstiegshochzeiten zu tanzen?

Ich habe immer gesagt, wir müssen als Basis des Vereins eine fundierte Nachwuchsarbeit anbieten. Dazu wollen wir aber den talentiertesten Spielerinnen und Spielern auch die Möglichkeit geben, bei uns leistungsorientiert Handball zu spielen – und das bewusst bei den Männern wie bei den Frauen.

Wie gross waren die Anstrengungen abseits des Spielfelds?

Wir haben unsere Strukturen so angepasst, dass sie der Belastung von zwei Nationalliga-Teams standhalten würden. Zum Beispiel wurde der Vorstand sportlicher gestaltet und es wurden Abteilungen mit eigenen Leitern gegründet. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und sind heute breiter abgestützt.

Was bedeutet dieser Aufwand finanziell für den HSCK?

Wir können auf treue Sponsoren zählen, die bereit sind, einen allfälligen Doppelaufstieg mitzutragen. Natürlich müssen wir uns in diesem Bereich in Zukunft noch mehr anstrengen. Aber wir haben versucht, diese Saison bereits so zu planen, wie wir auch nächste Saison müssten. So können wir die Teams guten Gewissens in die höheren Ligen überführen und fallen nicht in ein Loch.

Wie gross ist die Gefahr, dass sich der HSC Kreuzlingen mit zwei Teams in den höchsten beiden Ligen übernimmt?

Mit den genannten Vorkehrungen, die wir getroffen haben, ist diese Gefahr nicht mehr da. Wir sind heute bereit für einen allfälligen Doppelaufstieg. Auch bei unseren zahlreichen Zuschauern spüren wir eine Euphorie.

Das klingt alles sehr harmonisch. Warten bei einem Doppelaufstieg keine neuen Herausforderungen auf Ihren Verein?

Natürlich gibt es Sachen, die uns beschäftigen. Etwa die Hallenkapazität in Kreuzlingen. Deshalb sind wir bereits dran, in der Umgebung nach Hallen-Alternativen zu suchen. Aber das sind keine Probleme, die wir nicht irgendwie lösen könnten.

Arie Thür und die 1.-Liga-Männer des HSC Kreuzlingen haben in dieser Saison bislang alle ihre Meisterschaftsspiele gewonnen. (Bild: Mario Gaccioli, Kreuzlingen, 7. April 2019)

Arie Thür und die 1.-Liga-Männer des HSC Kreuzlingen haben in dieser Saison bislang alle ihre Meisterschaftsspiele gewonnen. (Bild: Mario Gaccioli, Kreuzlingen, 7. April 2019)

Gab es innerhalb des Vereins auch schon Überlegungen, alle Kräfte auf ein Team zu konzentrieren?

Solange es geht, fahren wir bewusst zweigleisig. Aber natürlich ist das im Frauenbereich schwieriger zu bewerkstelligen, weil einfach viel weniger Frauen in der Schweiz Handball spielen als Männer. Es gibt lose Ideen, die Kräfte im Frauenhandball innerhalb des Kantons Thurgau zu bündeln. Ich denke, hier braucht es je länger je mehr eine Zusammenarbeit über mehrere Vereine.

Was versprechen Sie sich von einem Aufstieg Ihres Frauenteams in die NLA?

Im Schweizer Handball besteht die höchste Liga derzeit nur aus acht Teams. In diesem Pool wollen wir eine vernünftige Alternative zu den Top vier mit Brühl St. Gallen, Spono Nottwil, Zug und Thun bilden – vor allem eine Ostschweizer Alternative zu Brühl.

Und was reizt Sie an der NLB der Männer mit Gegnern wie Möhlin, Steffisburg und Birsfelden?

Unsere 1.-Liga-Männer haben in dieser Saison bislang jedes Spiel gewonnen. Es wird Zeit, dass diese Mannschaft wieder einmal richtig gefordert wird. Und die Nationalliga B bietet schon ein deutlich höheres Niveau als die 1. Liga. Grundsätzlich würden wir uns in der NLB der Männer als Sprungbrett für talentierte Spieler sehen, die später zu einem NLA-Club wechseln wollen. Aber noch sind wir nicht aufgestiegen.

Inwiefern trägt der HSC Kreuzlingen mit seiner Vorwärtsstrategie zum Wohl des Schweizer Handballs bei?

Wir versuchen, im und aus dem Thurgau, den Handballsport interessant zu machen. Und wir wollen zeigen, dass man in der Schweiz auch in einer Randsportart etwas bewegen kann.